Bundestagswahl 2017

Koch: Informieren, wählen, engagieren

Lambert T. Koch (52) bringt sich als Rektor der Bergischen Universität regelmäßig in gesellschaftliche Diskurse ein. Der Deutsche Hochschulverband zeichnete ihn im Februar zum dritten Mal als „Rektor des Jahres“ aus. Archivfoto: Uli Preuss
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Lambert T. Koch (52) bringt sich als Rektor der Bergischen Universität regelmäßig in gesellschaftliche Diskurse ein. Der Deutsche Hochschulverband zeichnete ihn im Februar zum dritten Mal als „Rektor des Jahres“ aus.

Prominente rufen im RGA zur Wahl auf. Zum Auftakt: Uni-Rektor Professor Lambert T. Koch (Wuppertal).

„Frage nicht, was dein Land für dich tun kann – frage, was du für dein Land tun kannst.“ Wenn man von mir dieser Tage wissen möchte, warum ich wählen gehe, kommt mir spontan jener Satz John F. Kennedys in den Sinn. Zunächst mag es ein wenig übertrieben klingen, die Abgabe einer einzelnen Stimme in Verbindung bringen zu wollen mit dem Wohl eines ganzen Landes. Doch beginnt das Große eben oft im Kleinen. Gewissermaßen in unseren Wohnzimmern, in unseren Familien, im Freundeskreis, in der Haltung eines jeden Einzelnen.

Leider ist das „Fertigmachen“ von Politikern in Zeiten neuer Medien zum Volkssport geworden. Nicht zuletzt, weil es ja so leicht ist, in der Anonymität sozialer Netzwerke. Ich finde, nur auf der Couch zu sitzen und Politiker-Bashing zu betreiben, ist zu einfach. Mehr noch, ein solches Verhalten ist gefährlich, weil man es Menschen verleidet, politisch Verantwortung zu übernehmen.

Wer möchte schon Teil einer Berufsgruppe sein, mit der mehr Negatives als Positives assoziiert wird. Noch gibt es glücklicherweise viele gute Volksvertreterinnen und -vertreter, die sich aufrichtig für das Wohl ihres Landes einsetzen.

Damit dies so bleibt, sollten wir den Anfängen wehren: Wir dürfen nicht zulassen, dass in Europa vermehrt skrupellose Schwarzweißmaler und reine Meister des Aufmerksamkeitsmanagements eine Renaissance erleben – moralische Autisten, die lügen ohne mit der Wimper zu zucken. Für Letztere bedeutet Politikmachen nicht selten, den Leuten so lange Angst einzujagen, bis ihnen jede ethisch noch so fragwürdige Lösung recht ist.

Die Frage ist, ob wir uns genügend gegen solche Demagogen auflehnen. Zwar ist das Phänomen „Fake news“ längst zum Gegenstand von Comedy und politischer Satire geworden, doch tun wir wirklich genug dagegen? Wenn ich an die politischen Populisten und Egomanen dieser Tage denke, verstärkt sich in mir der Wunsch, ihnen an der Wahlurne die Rote Karte zu zeigen.

Zugegeben, auch ich finde mich in keinem Wahlprogramm der etablierten Parteien zu hundert Prozent wieder. Als Konsequenz daraus nicht wählen zu gehen, wäre jedoch komplett falsch. Ein solches Verhalten spielt den Destruktiven und Dummdreisten gerade in die Karten, es macht sie erst stark. Allerdings, auch das Wählengehen allein reicht noch nicht. Barack Obama, derzeit bedauerlicherweise der letzte US-Präsident, den man mit gutem Gewissen in moralischen Dingen zitieren kann, meinte einmal: „Wahlen allein machen noch keine Demokratie.“ Was er damit sagen wollte, ist, dass hinter dem reinen Wahlmechanismus stets die wählenden Menschen stehen; Bürgerinnen und Bürger, die Verantwortung für das Wahlergebnis und seine Folgen tragen. Deshalb genügt es nicht, nur sein Kreuzchen zu machen. Die Parole lautet viel mehr: „informieren, wählen, engagieren“.

„Redemokratisierung lautet die Mission. Hin zu einer Bürgerdemokratie.“

Lambert T. Koch, Uni-Rektor

Das Informieren gehört zum Wählen dazu. Nur informierte Bürger vermögen einzuschätzen, wie komplex die Herausforderungen unserer modernen Welt sind. Erst informiert lässt sich verstehen, dass die vermeintlich einfachen Lösungen der politischen Marktschreier häufig nicht funktionieren können. Informiert zur Wahlurne zu gehen heißt deswegen nicht selten, den Leiseren und am Ende Redlicheren seine Stimme zu leihen.

Und auch das Engagieren gehört zum Wählen dazu, weil die Problemlagen in unserer globalisierten und digitalisierten Zeit so komplex geworden sind, dass es die Politik immer weniger schafft, sie alleine anzugehen. Vollkasko- und Wutbürgermentalität haben ausgedient. Die Zukunft erfordert Bürgerpartizipation und zivilgesellschaftliches Engagement. Hierfür ist ein Umdenken aller Beteiligten, von uns Bürgerinnen und Bürgern, aber auch von Politik und Medien nötig.

Redemokratisierung lautet die Mission: weg von der vielfach abgehobenen Parteiendemokratie, hin zu einer volksnahen Bürgerdemokratie. Dahingehende Konzepte wollen wir in den kommenden Wochen in den Wahlprogrammen sehen. Kluge Ansätze in diese Richtung verdienen jede Stimme. Informieren wir uns, wählen wir, engagieren wir uns – für die Zukunft unseres Landes.

GASTKOMMENTARE

REIHE Bis zur Wahl schreiben fünf engagierte Personen aus verschiedenen Bereichen der Gesellschaft, warum Bürger wählen gehen sollten – immer donnerstags im RGA. Die Kommentare im Überblick: 

HEUTE Lambert T. Koch, Rektor der Bergischen Universität 

31. AUGUST Inga Bauer, Unternehmerin (Bauer & Böcker) 

7. SEPTEMBER Dr. Michael Thiel, Chefarzt der Klinik für Kinder und Jugendliche am Sana-Klinikum 

14. SEPTEMBER Peter Kuhn, Generalmusikdirektor bei den Bergischen Symphonikern. 

21. SEPTEMBER Nicole Grüdl-Jakobs, Leiterin des Kommunalen Bildungszentrums der Stadt Remscheid

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