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Kneipps Heillehre ist nach 150 Jahren aktueller denn je

Renate Mankel (v. r.), Birgit Schwerter, Wolfgang Brix und Dietmar Kinder vom Kneipp-Verein Wuppertal beim Wassertreten. Foto: Doro Siewert
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Renate Mankel (v. r.), Birgit Schwerter, Wolfgang Brix und Dietmar Kinder vom Kneipp-Verein Wuppertal beim Wassertreten.

Zum 200. Geburtstag des Naturheilkundlers gibt Verein Tipps für die Gesundheit.

Von Alexandra Dulinski

200 Jahre alt wäre heute Sebastian Kneipp geworden, der Namensgeber der Lehre vom gesunden Leben und naturgemäßen Heilen. Das Wassertreten ist die wohl bekannteste Therapie – das „Kneippen“. Tatsächlich gehören aber fünf Säulen oder Elemente zum Kneippschen Gesundheitssystem: Wasser, Ernährung, Bewegung, Heilpflanzen und Lebensordnung. „Seine Lehre ist nach 150 Jahren aktueller denn je, besonders jetzt in der Pandemiezeit“, weiß Renate Mankel, Vorsitzende des Kneipp-Vereins Wuppertal, der im gesamten Bergischen Land aktiv ist. Sie gibt Tipps, wie man die fünf Elemente leicht in seinen Alltag integrieren kann.

Wasser: 120 Anwendungen – Güsse, Bäder, Waschungen, Wickeln und mehr – gibt es in der sogenannten Hydrotherapie. Wassertreten und Saunieren sind die Bekanntesten, erklärt Renate Mankel. „Morgens früh kann man mit Tautreten anfangen“, berichtet sie: Barfuß im Storchenschritt über die nasse Wiese oder den entsprechend vorbereiteten Balkon gehen, die Fußspitze zeigt dabei nach unten. „Das wirkt als Muntermacher und stimuliert das Herz-Kreislauf-System“, sagt Mankel. Tiefes Einatmen in den Bauch hinein hilft dabei, sich von Belastungen zu befreien. Das sogenannte Trockenbürsten – die Massage der Arme und Beine mit einem Massagehandschuh oder einer Bürste – bringt den Lymphkreislauf in Schwung. Das Trockenbürsten regt die Haut zur Erneuerung an und strafft das Bindegewebe. „Das ist die Tasse Kaffee am Morgen“, sagt Mankel. Wichtig dabei erklärt sie: „Immer möglichst herzfern auf der rechten Außenseite von Armen und Beinen anfangen.“ Das schütze das Herz.

Ernährung: „Kneipp hat vollwertige Kost in den Mittelpunkt gesetzt“, weiß Renate Mankel. Überwiegend basische Kost sollte der Mensch zu sich nehmen. Denn durch mangelnde Bewegung, saure Wälder und Böden übersäuere auch der Mensch. Einmal in der Woche Fisch und Fleisch, Gartenkräuter – Thymian, Rosmarin, Basilikum – sowie gedünstetes Gemüse, „das noch Biss hat“, wie Mankel sagt, sollten auf dem Plan stehen. „Man kann viel über die Ernährung steuern. Bewegung ist dabei ein Puffer, um Säuren abzubauen“, sagt die gelernte Hydrotherapeutin.

Bewegung: Wer viel im Büro oder im Homeoffice sitzt, kann zwischendurch seine Füße kreisen lassen, sich recken und dehnen, die Gelenke durchbewegen. Wer seinen Körper morgens wachklopft, fördert seine Durchblutung. Die Arme seitlich gegen eine imaginäre Wand zu drücken, stärke den Brustkorb und die Armmuskulatur – dabei kann man seine Finger einzeln in verschiedne Richtungen kreisen lassen. „Das sind Übungen, die auch den Geist füttern“, sagt Renate Mankel.

Heilpflanzen: Gerade die Heilpflanzenkunde sei neben der Hydrotherapie kaum bekannt, sagt Renate Mankel. Aber gerade mit Kräutern kann für Entspannung gesorgt werden. Baldrian, Melisse oder Lavendel wirken entspannend, Holunder und Salbei helfen bei Erkältungen. Gänseblümchen und Ringelblumen sind gut für die Haut. Ihre Blüten kommen in Salaten zum Einsatz. Knoblauch und Zwiebeln wirken antibiotisch. „Das schmeckt gut und tut unheimlich gut“, weiß die Vereinsvorsitzende. „Löwenzahn regt den Stoffwechsel an, reinigt das Blut und entschlackt“, erklärt sie. Als vier bis sechswöchige Teekur kann die Pflanze verwendet werden.

Lebensordnung: Ein geplanter Tagesablauf muss sein – egal, ob jemand im Homeoffice sitzt: Der Wecker sollte zur gleichen Uhrzeit wie sonst auch klingeln. „Ich muss mir Ruhepausen gönnen und die Achtsamkeit auf meinen Körper lenken“, sagt Mankel. Alle fünf Elemente hängen zusammen. Es sei wichtig, sie in den Tagesablauf einzuplanen. Denn auch das ist Teil der Kneippschen Philosophie: Wenn die Seele nicht geheilt werden kann, kann auch der Körper nicht heilen, erklärt Renate Mankel. „Das vergessen leider viele Ärzte.“

Hintergrund

Kneipp: Sebastian Kneipp wurde am 17. Mai 1821 im Allgäu geboren. Er erkrankte an Tuberkulose. Nachts ging er in die kalte Donau – und wurde gesund. Aus seinen Erkenntnissen entwickelte er das Gesundheitskonzept

Verein: Der Kneipp-Verein bietet ein umfangreiches Kursangebot, das sich auch für Kinder und Kitas eignet. Kontakt über kneippverein-wuppertal.de/

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