Technik

Kliniken testen den Roboter Pepper

Der Verein Deutscher Ingenieure (VDI) hatte ins BZI eingeladen. Dort stellte die Wuppertaler Entrance GmbH den humanoiden Roboter Pepper und seine gegenwärtigen und künftigen Einsatzmöglichkeiten vor. Archivfoto: Andreas Fischer
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Der Verein Deutscher Ingenieure (VDI) hatte ins BZI eingeladen. Dort stellte die Wuppertaler Entrance GmbH den humanoiden Roboter Pepper und seine gegenwärtigen und künftigen Einsatzmöglichkeiten vor.

Die Wirklichkeit hat den Film längst eingeholt. Um humanoide Maschinen und deren Einsatz drehte sich eine VDI-Veranstaltung im BZI.

Von Antje Dahlhaus

Von R2D2 bis zu Star Trek–Roboter mit menschlichen Fähigkeiten beflügeln nicht nur die Filmwelt seit Jahrzehnten. „Humanoide Roboter“ hieß das Thema der jüngsten VDI-Veranstaltung im BZI. Angetreten, um für eine Zukunft zu werben, die schon längst Gegenwart ist, war als Referentin Julia Koch, Geschäftsführerin der Entrance GmbH mit Sitz in Wuppertal.

Das gut ein Jahr alte Start-up-Unternehmen hat „Pepper“ unter Vertrag, einen humanoiden Roboter, der nicht nur sprechfähig ist, sondern auch das Alter seines menschlichen Gegenübers einschätzen kann. „Bei mir lag er schon mal drüber oder 20 Jahre drunter, alles schon da gewesen“, räumt Koch ein und freut sich, dass er bei einem der Teilnehmer deutlich dichter am richtigen Datum war.

Perfekt, das macht ihr einstündiger Vortrag klar, sind die Roboter alle noch nicht, aber auf einem sehr guten Weg zur Optimierung. Pepper könnte ihrer Einschätzung nach gut im Empfangsbereich von Unternehmen eingesetzt werden, Testversuche im Pflegebereich laufen bereits an den Helios-Kliniken.

Ein guter Wegbereiter für Kinder insbesondere mit langfristigen Erkrankungen ist sein kleiner Bruder „Nao“ der Kindern Ängste vor Behandlungen nehmen soll und auch die Eltern virtuell mit ins Krankenzimmer nimmt. In der Schweiz und in Frankreich laufen hierzu erste Versuche.

Pepper überwindet andere Hindernisse, mitunter auch bürokratische. Ende September medienwirksam in Wuppertal eingebürgert, stand er dem Bürgermeister Rede und Antwort und verfügt seitdem über einen provisorischen Ausweis. Deutlich macht die Dokumentation Kochs auch: Er ist in Maßen in der Lage zu plaudern. Das kann „Alexa“ besser, die vielbeworbene Stimme, von deren Eloquenz Pepper nur träumen kann, die stattdessen aber aussieht wie ein designter Türstopper.

Roboterfrau im menschlichen Gewand

Dass es aber auch noch anders geht, zeigt Koch mit einem Clip über „Sofia“, Roboterfrau mit offiziell verliehener Staatsbürgerschaft in Dubai. Hier steckt der Roboter in täuschend echtem menschlichen Gewand, Emotionen in der Mimik bis zum Wimpernschlag inklusive. Bei so viel Perfektion könnte es schwer werden, Mensch und Maschine zuverlässig unterscheiden zu können.

ROBOTER

UNTERNEHMEN Die Firma Entrance GmbH beschäftigt sich mit den Bereichen Künstliche Intelligenz und Robotik. Der bekannteste Botschafter ist „Pepper“, entwickelt in Frankreich und aufgekauft von der japanischen Firma Soft Bank Robotics, die auch andere humanoide Roboter vertreibt. Pepper kostet programmiert ab 25 000 Euro aufwärts – ist allerdings vom Hersteller nicht für Privathaushalte zugelassen.

„Gibt es eigentlich auch einen Aus-Knopf?“ fragt ein Teilnehmer, nur für den Fall, dass der Computer Gefahren vor der Tür sehe, die eventuell nicht existieren. „Pepper hat einen“, versichert Koch, doch der Frager denkt weiter: „Und was ist, wenn er das weiß und es nicht will?“ Denn Emotionen, das hatte sie ebenfalls dargestellt, werden schon kleinen Robotern eingeimpft. Seit nicht mal 48 Stunden wird bei ihrem Unternehmen auch eine kleine Maschine getestet, ein für gut 200 Euro erhältlichere Roboter, der sich ärgert, wenn man ihm Bauklötze wegnimmt.

Und dass sie selbst Gefühle für den Roboter empfindet, gibt sie auch zu. „Wir waren bei der Einbürgerung in Wuppertal aufgeregt wie Eltern bei der Einschulung“, gesteht sie. Dabei sei es nur ein Haufen Blech, „mal ganz grob runtergebrochen“.

Dr. Christian Pelshenke von der Forschungsgemeinschaft Werkzeuge und Werkstoffe dankte für die Ausführungen und sah Pepper auch in der Funktion des weinverteilenden Butlers. Spätestens wenn er vor der Ehefrau stehe, die versichere: „Nein, mein Mann möchte nicht mehr“, dann, so sein Fazit: „Wird er umprogrammiert“.

Ob er das noch in der Hand hätte, daran darf angesichts einer gezeigten Präsentation von Nestle gezweifelt werden. Hier wird die Küche von morgen gezeigt, in der Pepper den Thermomix aus der Versenkung holt und „der Mülleimer mit dem Kühlschrank kommuniziert, ob bei einer weggeworfenen Milchpackung eine neue geordert werden muss“, wie Koch erläutert.

Aber auch Pepper macht mal Pause. Nach rund 14 Stunden – je nach Arbeitseinsatz – muss er ans Netz. Nach drei bis vier Stunden ist sein Akku allerdings dann wieder voll.

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