Auftaktvortrag zum RGA-Uni-Semester 2022

Klimaforscher spricht unbequeme Wahrheiten aus

Prof. Dr. Ralf Koppmann in seinem Labor am Institut für Atmosphären- und Umweltforschung. Am kommenden Donnerstag erklärt er in Lennep den Klimawandel, seine Zusammenhänge und Folgen. Foto: Axel Richter
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Prof. Dr. Ralf Koppmann in seinem Labor am Institut für Atmosphären- und Umweltforschung. Am kommenden Donnerstag erklärt er in Lennep den Klimawandel, seine Zusammenhänge und Folgen.

Von der Polarstern im Südatlantik in die Klosterkirche nach Lennep: Prof. Dr. Ralf Koppmann hält den Auftaktvortrag zum RGA-Uni-Semester 2022.

Von Axel Richter

Remscheid. Er würde dem Kriegsherrn im Kreml nur zu gern den Öl- und Gashahn zudrehen. Und das nicht nur, damit Wladimir Putin keine weiteren Abermillionen Euro aus Deutschland erhält. Prof. Dr. Ralf Koppmann ist Atmosphärenforscher. Er weiß, was die Verbrennung von Öl, Kohle und Gas mit dem Klima unseres Planeten macht. Doch der Wissenschaftler ist Realist. Ein Verzicht auf die Brennstoffe aus Russland „ist nicht ansatzweise durchführbar“, sagt er. Nicht mit Blick auf die deutschen Unternehmen, die damit produzieren. Und nicht mit Blick auf die Millionen Haushalte, die damit heizen. „Ja, wir müssen weg vom Öl, von der Kohle und vom Gas“, sagt Ralf Koppmann. „Aber wir werden noch lange darauf angewiesen sein.“

„Sie können zehn Millionen E-Autos auf die Straße bringen. Das allein nutzt gar nichts.“

Prof. Dr. Ralf Koppmann

Was das für die Welt bedeutet, das erklärt der Chef des Instituts für Atmosphären- und Umweltforschung der Bergischen Universität Wuppertal am Donnerstag, 31. März, auf Einladung des Remscheider General-Anzeigers. Nach zweijähriger Corona-Zwangspause der RGA-Uni-Vortragsreihe gibt der Professor den Auftakt zum Semester 2022 in der Lenneper Klosterkirche. Zum 34. Mal holt der RGA damit die Wissenschaftler vom Wuppertaler Grifflenberg nach Remscheid. Vier spannende Themen verspricht die Vortragsreihe. Der Auftakt ist brandaktuell.

RGA-Uni-Vorträge gehören zum offiziellen Jubiläums-Programm

Aus Messreihen in aller Welt – am Boden, auf Schiffen, mit Zeppelinen, Flugzeugen, Raketen und Satelliten – weiß Ralf Koppmann, wie dramatisch sich das Klima verändert hat – insbesondere durch den hohen CO2-Ausstoß. „Trotzdem werde ich in meinem Vortrag nicht in die schrillen Töne der radikalen Klimaaktivisten einstimmen“, sagt er, denn: „So einfach, wie viele glauben, ist das alles nicht.“

Neue Mobilität bedeutet neue Abhängigkeiten

Wer annimmt, das Klima sei mit E-Fahrzeugen zu retten, dürften an den Zahlen und Fakten des Wissenschaftlers deshalb keinen Gefallen finden. „Sie können zehn Millionen E-Autos anstelle von Verbrennern auf die Straßen bringen. Wenn Sie zugleich den Strommix nicht ändern, nutzt das allein gar nichts.“

In der Serie „Natürlich nachhaltig“ dreht sich alles um den Klimawandel

Im Gegenteil: Die Produktion der E-Mobile ist energieintensiv, die Rohstoffe selten und vor allem in Ländern zu bekommen, die die Menschenrechte mit Füßen treten. „Darüber hinaus begeben wir uns in neue Abhängigkeit“, sagt Koppmann. Fazit: Was die Ökobilanz angeht, könne der viel geschmähte Euro 6 Diesel auf den ersten 100 000 Kilometern mit dem E-Mobil locker mithalten.

Ist das Klima überhaupt zu retten? „Ich bin skeptisch“, sagt Ralf Koppmann. Als sechstgrößter Emittent sollte Deutschland beim Klimaschutz eine Vorreiterrolle übernehmen, findet er. Die Herausforderung für die Zukunft sei gleichwohl die Anpassung an die bevorstehenden Veränderungen. „Hier bei uns ist das noch einfach“, schätzt der Professor. Die reichen Nationen verfügen über Technologien und Geld. Andere nicht.

Was das bedeutet? Rund um den Tschadsee leben 40 Millionen Menschen. Der Tschadsee trocknet aus. „Die Menschen werden sich auf den Weg machen“, sagt Ralf Koppmann. Die Flüchtlingsbewegungen, die wir heute erleben, seien dagegen beinahe harmlos.

Menschengemachte Einflüsse auf den Klimawandel sollen aus 200 Kilometern Höhe gesucht werden

Um die physikalischen Veränderungen in der Erdatmosphäre zu verstehen, war der Klimaforscher auf dem Forschungsschiff Polarstern im Südatlantik unterwegs. In Afrika spürte er den Folgen von Savannenbränden nach. Und rund um den Globus schickte er hochsensible Messgeräte im Forschungsflugzeug Halo in die dünne Luft der Stratosphäre, um dort nach den Spurengasen fossiler Brennstoffe zu suchen.

Noch höher hinaus soll es Ende dieses Jahres gehen. Mit einer indischen Trägerrakete will Koppmann und sein 25 Köpfe zählendes Team dann hochsensible Messgeräte aus Wuppertal ins All schießen, um aus einer Höhe von bis zu 200 Kilometern neben den menschengemachten auch nach den natürlichen Einflüssen auf das Klima zu suchen. Die gibt es auch, das verschweigt der Wissenschaftler nicht. Allerdings würden die menschengemachten Einflüsse die natürlichen bei weitem überlagern.

An der Uni Wuppertal erforscht auch ein Atmosphärenforscher den Klimawandel.

Weiß er einen Ausweg aus der Misere, auf die der Planet zusteuert? Die einzige Lösung liege im raschen Ausbau regenerativer Energien, was dem Westen im Konflikt mit Russland kurzfristig aber auch nicht weiterhelfe. Die Atomkraftwerke am Netz zu behalten wie es die Belgier tun, hält er dagegen weder für wünschenswert noch für realistisch. „Es gibt dafür gar nicht mehr genug Brennstäbe“, stellt Ralf Koppmann nüchtern fest. „Und woher müsste das Uran kommen, um neue Brennstäbe herzustellen? Genau. Aus Russland.“

Vortrag

Prof. Dr. Ralf Koppmann (65) stammt aus Viersen. Er studierte Physik und Astronomie an der Uni Bonn. Anschließend ging er ans Kernforschungsinstitut Jülich und widmete sich der Plasmaphysik. Seit 2006 lehrt und forscht der Wissenschaftler am Institut für Atmosphären- und Umweltforschung der Bergischen Universität Wuppertal.

Am Donnerstag, 31. März, spricht Prof. Dr. Ralf Koppmann auf Einladung des RGA in der Lenneper Klosterkirche, Klostergasse 8. „Der Klimawandel und seine Auswirkungen – Zusammenhänge verständlich erklärt“, hat er seinen Vortrag überschrieben. Beginn ist um 19 Uhr. Der Eintritt zum RGA-Uni-Vortrag ist frei. Es gilt 2G und Maskenpflicht.

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