Gesetz steckt Grenzen ab

Kleingarten ist mehr als Chillen und Grillen

Ein Kleingarten in der Anlage Am Stadtpark, deren Haupteingang am Carl-Grüber-Weg liegt: die Kreis-Vorsitzende Annette Keil mit dem Kreis-Geschäftsführer Frank Orlikowski.
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Ein Kleingarten in der Anlage Am Stadtpark, deren Haupteingang am Carl-Grüber-Weg liegt: die Kreis-Vorsitzende Annette Keil mit dem Kreis-Geschäftsführer Frank Orlikowski.
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Grünkolonien der 26 Vereine boomen.

Von Andreas Weber

Remsxcheid. Vor der Pandemie standen zehn Parzellen in der Kleingartenanlage Am Stadtpark leer. „Jetzt sind alle belegt und wir haben sogar eine Warteliste“, erklärt Annette Keil, Vorsitzende der Anlage Am Stadtpark und des Kreisverbandes. Von den anderen 25 angeschlossenen Vereinen in Remscheid hört sie ähnlich erfreuliche Entwicklungen. Öko-Welle und zwei Jahre mit Reiseeinschränkungen haben in vielen Menschen das Interesse am Freilufterlebnis in der Nachbarschaft geweckt. Lange galten die Kolonien als langweilig und spießbürgerlich, jetzt sind sie in Mode.

Der Boom birgt freilich Risiken. Nicht immer ziehen Geeignete in das Garten-Idyll ein. „Kleingärten sind ein Privileg. Denn gepachtet wird nicht nur zum Chillen und Grillen. Es gibt auch Pflichten. Und die fordert nicht der böse Vorstand ein, sondern das Bundeskleingartengesetz“, betont Kreis-Geschäftsführer Frank Orlikowski. Was Interessenten mitbringen müssen? „Das Wichtigste ist Zeit, daneben natürlich die Liebe zur Natur.“ Wer nur einmal die Woche Entspannung suche, sei fehl am Platze. „Ein Kleingarten verlangt eine Menge ab“, sagt Orlikowski.

Der Kreisverband fungiert als Vertragspartner zwischen dem Pächter und der Stadt, die die das Land günstig zur Verfügung stellt. Die größten Anlagen sind in Rosenhügel und am Honsberg mit über 100 Grundstücken, die kleinste in Hasten-Hütz mit 15 Einheiten. In Orlikowskis Dateien stehen 1297 verpachtbare Parzellen. „Die mir bekannten Kündigungen, die in Remscheid anstehen, liegen bei um die 40. Ich bin sicher, dass sich auch dafür schnell Nachfolger finden.“ Orlikowski geht derzeit fast von einer Vollbelegung in den 26 Anlagen aus.

Gibt es neue Kleingartenanlagen in Remscheid?

Der Run auf die Grundstücke, die laut Kleingartengesetz nicht größer als 400 Quadratmeter sein dürfen, hat die Stadt zwischenzeitlich zu der Überlegung geführt, weitere Flächen für Vereine auszuweisen. Der Gedanke ist verworfen worden. Keil und Orlikowski halten dies für vernünftig. Beide erinnern sich auch an die Zeiten, in denen einige Kleingartenanlagen ums Überleben kämpften. Am Rosenhügel zum Beispiel führten im unteren Bereich Leerstände dazu, dass ein Teil des Areals vor Jahren an die Stadt zurückgegeben wurde.
Nachhaltig gärtnern: So wird der eigene Garten ein Paradies für Tiere

Als Annette Keil 2009 ihr Herz für ein eigenes Fleckchen Grün entdeckte, wurde sie belächelt. Was willst du damit?, wurde sie gefragt. Damals war der Stadtpark zu 70 Prozent mit Senioren belegt. „Mittlerweile befinden wir uns im Wandel.“ 31 Pächter gibt es in ihrer Anlage mit 34 Parzellen. Die entdecken zunehmend auch Jüngere und Familien. Ein Garten ist an den Offenen Ganztag der Grundschule Hasten verpachtet.

Ein Kostenfresser ist der Kleingarten nicht. Die Pacht ist in Remscheid jährlich mit 20 Cent pro Quadratmeter festgesetzt. „Bei 400 Quadratmetern liege ich bei 80 Euro“, rechnet Frank Orlikowski. Hinzu gesellen sich für Neue ein Aufnahmebeitrag, den der Stadtpark mit 30 Euro ansetzt, ein Kleinbetrag für die anteilige Nutzung der Gemeinschaftsflächen, der Vereinsbeitrag, der Am Stadtpark jährlich 55 Euro beträgt. Eine Grundversicherung (um die 35 Euro) sollte auch jeder haben.

Reine Party-Gäste werden nicht toleriert

Für kleines Geld müssen aber auch Regeln beachtet werden. Die darauf befindlichen Lauben dürfen maximal nur 24 Quadratmeter groß sein, schreibt das Kleingartengesetz vor. Der überdachte Freisitz ist in den 24 qm inklusive. Als Sommerfrische zum Übernachten sind die Hütten nicht gedacht. In Ausnahmefällen wird es zwar geduldet, sollte aber nicht die Regel sein. Volleingerichtete Küchenzeilen sind nicht vorgesehen. „Die Realität hat das Kleingartengesetz in dem Fall aber überholt“, meint Frank Orlikowski. Denn neben Stromversorgung, die die meisten der 26 Anlagen bis in die Laube haben, gehören Kühlschränke und kleine Herde oft dazu.

Die Aufteilung von Kleingärten folgt einer Faustformel: einer Drittel-Teilung: mit Obst, Gemüse plus dem schöner Leben mit Wiese, Teich oder Planschbecken. „Reine Party-Gärten wollen und dürfen wir nicht tolerieren.“ Annette Keil lässt keinen Zweifel, dass Feiern zwar dazu gehört, nicht aber der Hauptzweck einer Gartenanlage ist. Wer das nicht akzeptiert, dem droht die Kündigung. Einmal im Jahr nehmen die Vereinsvorstände Gartenbegehungen vor, bei denen nach dem Rechten geschaut wird.

15 Stunden Gemeinschaftsarbeit müssen jährlich erbracht werden, Wege, Wiesen, Zäune und das Vereinsheim in Schuss gehalten werden. Sozialleben bedeutet aber auch ein sonntäglicher Frühschoppen oder die Gartenfeste im Sommer. Kleingärten heißt aber auch Lernen. Für 2022 hat der Kreisverband vier Gartenfachberatungen angesetzt, an denen die Pächter freiwillig teilnehmen können, um sich für die Grünarbeit Inspirationen zu holen.

Ein Gartenfest und zwei Beratungen

Der Kreisverband richtet dieses Jahr noch zwei Fachberatungen für Kleingärtner aus: Am 15. September (19 Uhr; KGV Steinberg-Heidhof, Heidmannstr.) ) referiert Dieter Kerpa über die „Grundlagen der Pflanzenernährung“; am 20. Oktober (19 Uhr, KGV Neuenkamp, Am Hagen 8-12) spricht Anja Berger über „Gehölzschnitt Zier“.

Sein Sommerfest richtet der KGV Stadtpark am Freitag, 1. Juli (18 Uhr) und Samstag (14 Uhr) in seiner Anlage aus mit Essen, Trinken, DJ, Tombola und Samstag mit dem Auftritt der „2 Opticals“ Pia Ebbinghaus und Frank Lauterbach.

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