Gewaltfreie Erziehung

Klaps auf den Hintern ist noch gang und gäbe

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Kinderschutzbund veröffentlicht Studie – Remscheider Beratungsstelle hilft

Von Melissa Wienzek

Ein Klaps auf den Hintern hat noch keinem Kind geschadet – dieser Ansicht ist immer noch jeder zweite Deutsche. Und jeder Sechste hält es sogar für angebracht, Ohrfeigen zu verteilen. Obwohl vor genau 20 Jahren das Recht des Kindes auf gewaltfreie Erziehung in Kraft trat, ist die körperliche Bestrafung heute offenbar immer noch gang und gäbe. Das zeigt eine neue repräsentative Studie von Forschern der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie/Psychotherapie Ulm um den Kinder- und Jugendpsychiater Prof. Dr. med. Jörg Fegert im Auftrag von Kinderschutzbund und Unicef. Auffällig ist dabei die unterschiedliche Auffassung: So stimmen Männer dem Klaps auf den Hintern mit 57,8 Prozent häufiger zu als Frauen mit 47,1 Prozent. Und je älter die Befragten sind, desto seltener lehnen sie Körperstrafen ab. So ist der Klaps für 55,4 Prozent der Befragten unter 31 Jahren ein No-Go, verglichen mit 34,7 Prozent der Befragten über 60.

„Wir haben immer noch nicht alle erreicht, da liegt noch ein Stück Arbeit vor uns“, bewertet der Vorsitzende des Kinderschutzbundes Remscheid, Karl-Richard Ponsar, die Ergebnisse der Studie. Er ist überrascht: „Die Prügelstrafe ist zwar abgeschafft, aber Ohrfeige und Klaps sieht man offenbar immer noch als Erziehungsmethoden an.“ Auch Anschreien, Beleidigungen, psychischer Druck seien an der Tagesordnung.

„Ihr müsst Erziehen und Haltung haben, das könnt ihr lernen.“

Karl-Richard Ponsar an die Eltern gewandt

Diplom-Sozialpädagogin Angelika Horn von der Familienberatungsstelle des Kinderschutzbundes ist nicht verwundert über die Ergebnisse der Studie. Viele Eltern, die sich bei ihr beraten ließen, wüssten überhaupt nicht, wie sie ihr Kind erziehen sollen, wenn es sich sträube. Viele Kinder seien bereits im Kindergartenalter aggressiv – und Eltern vielfach überfordert. „Sie wissen oft nicht, wie sie damit umgehen sollen, wenn das Kind sagt ,Nö, mach ich nicht‘. Ein Klaps ist da oft die erste Lösung“, erzählt Ponsar.

Oft könne der Kinderschutzbund helfen, manchmal aber auch nicht. Nicht selten landen diese Fälle dann in der Ärztlichen Kinderschutzambulanz. Eltern genau in diesem Bereich fitzumachen und ihnen zu erklären, dass Kinder seit 1990 ein Recht auf gewaltfreie Erziehung haben, ist das Anliegen der Elternkurse „Fit für Kids“. Es war gerade ein neuer gestartet – dann kam Corona. Derzeit kann der Kinderschutzbund wegen der Pandemie keine Kurse anbieten – mit vermutlich fatalen Folgen.

Und das ist ein großes Problem. Denn Corona verschärft die Situation daheim. Kinder können nicht zum Sporttraining gehen oder sich mit ihren Freunden treffen, Eltern haben mit Existenzängsten zu kämpfen – die Nerven liegen blank, nicht selten fliegen zu Hause die Fetzen. „Kinder sind dann der Blitzableiter.“ Parallel gebe es aber auch eine positive Entwicklung in der Corona-Pandemie, berichtet Ponsar: „Viele Familien sagen, dass sie in der Pandemie wieder ein Stück weit zueinandergefunden haben, weil sie mehr Zeit miteinander verbringen.“

Eltern, die sich mit der Erziehung überfordert fühlen, möchte der Kinderschutzbund-Vorsitzende sagen: „Wartet nicht so lange. Kommt so schnell wie möglich zu uns in die Beratung.“ Und: „Ihr müsst Erziehen und Haltung haben, das könnt ihr lernen.“ Selbst wenn es einmal krache, was nur menschlich sei, sollte darüber offen in der Familie gesprochen werden. Ponsar weiß: „Kinder verzeihen oft.“ Denn das Schlimmste sei, nicht mehr mit dem Kind zu reden.

Kontakt zur Familienberatungsstelle des Kinderschutzbundes Remscheid: (0 21 91) 2 71 90 oder per E-Mail:

horn@kinderschutzbund-remscheid.de

Lesen Sie auch: Spenden stärken die wichtige Arbeit der Kinderschutzambulanz.

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