Betreuung

Kitaplätze: Großes Loch wird geschlossen

Statt wieder in Container sollen die Kinder der Kita Am Schützenplatz für die Bauphase in solche Bauwagen umziehen, die dann auch noch an anderer Stelle bei Neu- und Umbauten von Kindergärten genutzt werden sollen. Archivfoto: Roland Keusch
+
Statt wieder in Container sollen die Kinder der Kita Am Schützenplatz für die Bauphase in solche Bauwagen umziehen, die dann auch noch an anderer Stelle bei Neu- und Umbauten von Kindergärten genutzt werden sollen.

Alt-Remscheid und Lüttringhausen sollen bis 2022 mehr als 650 Betreuungsplätze dazu bekommen.

Von Andreas Weber und Sven Schlickowey

Remscheid. Der Bedarf an Kita-Plätzen in den Stadtbezirken Lüttringhausen und Alt-Remscheid könnte Mitte 2022 gedeckt sein. Das große Loch soll mit dem Bau weiterer Einrichtungen gestopft werden. 424 Plätze fehlen in Alt-Remscheid, über 150 in Lüttringhausen. Insgesamt 180 Plätze könnten binnen zwei Jahren in Lüttringhausen entstehen, sogar 475 in Alt-Remscheid, darunter die größte Kita der Stadt.

Sechsgruppig soll sie werden, 110 Kinder beherbergen und auf dem ehemaligen Rollschuhfeld Am Stadtpark in städtischer Trägerschaft entstehen. Dort gibt es seit 2015, nachdem die städtische Kita Eberhardstraße wegen Schimmelbefall geräumt werden musste, ein Provisorium, die Kita Am Schützenplatz. Für zwei Jahre war die Containerlösung angedacht, wurde aber aufgrund des erschreckenden Fehlbedarfs von zunächst 702 Plätzen in ganz Remscheid um weitere drei Jahre verlängert.

Nun will die Stadt mit einer Drei-Phasen-Lösung einen großen Wurf landen: Bis zum 31. Juli 2021 soll die Kita weiter an dem Standort, der die Adresse Hindenburgstraße 92 hat, betrieben werden. Danach werden die 65 Kinder und das Erzieherteam in eine weitere, unweit entfernt liegende Zwischenlösung umziehen: zum Léon-Goraguer-Platz am Stadtpark-Teich. Dort sollen allerdings keine Container aufgestellt werden, sondern drei wohnliche, für den Kita-Betrieb geeignete Bauwagen plus zwei Sanitärcontainer.

Remscheid: Verwaltung sieht Geld gut investiert

Neben der Herrichtung der Außenanlagen, Ausstattung, Elektrik und Anschlüssen kalkuliert die Stadt mit Kosten von 427 500 Euro, steht in einer Ausschussvorlage für die Bezirksvertretung (BV) Alt-Remscheid. Das Geld sieht die Verwaltung gut investiert. Denn nach dem einen Jahr am Léon-Goraguer-Platz könnten die Bauwagen, die eine Nutzungsdauer von zehn Jahren haben, je nach Bedarf an anderer Stelle eingesetzt oder veräußert werden. In der Zwischenzeit soll zwischen 2021 und 2022 an dem jetzigen Container-Standort Am Stadtpark eine endgültige Lösung mit einem Neubau realisiert werden.

Rosemarie Stippekohl (CDU) konnte sich mit einem dauerhaften Neubau nicht anfreunden. Mehr als ein Provisorium sei an der Stelle nicht möglich. Das Umfeld gäbe es aufgrund der in die Jahre gekommenen Bausubstanz nicht her. „Das muss in der Planung berücksichtigt werden“, forderte die Christdemokratin.

In Alt-Remscheid ist noch viel mehr im Fluss. Der Umbau der ehemaligen Kirche St. Bonifatius am Engelsberg 8 in eine Kita wird diesen Monat beendet. Noch nicht abgeschlossen ist die Detailplanung durch einen Investor für eine viergruppige Kita an der Rosenstraße im Rücken der Alexander-von-Humboldt-Realschule. Träger wird die Kraftstation sein. Es handelt sich um ein 5700 Quadratmeter großes Areal mit einem frei stehenden, verwaisten Schieferhaus und einer Lagerhalle. Der Start an der Rosenstraße für das Kita-Jahr 2021/22 ist momentan noch mit einem Fragezeichen versehen.

Abgerundet werden könnte die Kita-Landschaft in Alt-Remscheid durch einen weiteren Neubau am Quartiersplatz „Grünes Wohnzimmer Stachelhausen“. Das Projekt sei fortgeschritten, aber noch nicht verbindlich abgeschlossen, heißt es in der Ausschussvorlage. Wenn nicht, hätte Kita-Planer Werner Grimm einen alternativen Ersatzstandort für Alt-Remscheid in der Hinterhand.

In Lüttringhausen ist die neue viergruppige Kita Sterntaler an der Fritz-RuhrmannStraße inzwischen in Betrieb, eine weitere Einrichtung mit fünf Gruppen wird derzeit auf dem Gelände der Stiftung Tannenhof geplant, auch hier wird eine Eröffnung 2022 angepeilt. Damit wäre Lüttringhausen formal sogar überversorgt, erfuhren die Mitglieder der BV in ihrer letzten Sitzung. Sehr zur Freude von Bezirksbürgermeister Andreas Stuhlmüller, der eine entsprechende Vorlage der Verwaltung so kommentierte: „Wir schauen goldenen Zeiten entgegen.“

Hintergrund

Jedes Kind ab einem Alter von einem Jahr hat einen Anspruch auf einen Betreuungsplatz und ab dem dritten Lebensjahr einen Anspruch auf einen Platz in einer Kindertageseinrichtung. Trotz dieses Rechtsanspruches fehlen in Remscheid wie in vielen Städten entsprechende Betreuungsplätze, auch weil man jahrelang von sinkenden Geburtenzahlen ausging. Inzwischen wird kräftig investiert, bis 2023 sollen zumindest auf dem Papier genügend Plätze in der Stadt zur Verfügung stehen.

Jedes fünfte Kind in Remscheid ist arm: Alle Grundschüler freuen sich auf die Klassenfahrt, nur einer nicht. Er kann nicht mitfahren, weil seine Eltern es nicht bezahlen können. Freunde nach Hause einladen geht auch nicht – dafür ist die Wohnung, die sich die ganze Familie teilt, einfach viel zu klein. Außerdem hat der Junge ja auch gar kein eigenes Zimmer.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesen

Badebetrieb im Freibad Eschbachtal endet vorzeitig
Badebetrieb im Freibad Eschbachtal endet vorzeitig
Badebetrieb im Freibad Eschbachtal endet vorzeitig
Corona: Corona-Hilfe für Vereine - Inzidenz sinkt auf 13,5
Corona: Corona-Hilfe für Vereine - Inzidenz sinkt auf 13,5
Corona: Corona-Hilfe für Vereine - Inzidenz sinkt auf 13,5
Schuld ist Corona: Verkehrs- und Förderverein sagt Oktoberfest in Lennep ab
Schuld ist Corona: Verkehrs- und Förderverein sagt Oktoberfest in Lennep ab
Schuld ist Corona: Verkehrs- und Förderverein sagt Oktoberfest in Lennep ab
Brückensteig-Macher melden mehr als 6000 Buchungen
Brückensteig-Macher melden mehr als 6000 Buchungen
Brückensteig-Macher melden mehr als 6000 Buchungen

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Kommentare