Lennep

Kirchturm ist saniert – aber das Geld fehlt

Bauingenieur Carsten Jörges zeigt die neue Umrandung des Kirchenfensters am Turm. Überraschung bei den Arbeiten: Das Mauerwerk entpuppte sich als marode.
+
Bauingenieur Carsten Jörges zeigt die neue Umrandung des Kirchenfensters am Turm. Überraschung bei den Arbeiten: Das Mauerwerk entpuppte sich als marode.
  • Melissa Wienzek
    VonMelissa Wienzek
    schließen

Bauarbeiten an der Evangelischen Stadtkirche Lennep sind abgeschlossen – Kosten liegen bei etwa 480 000 Euro.

Von Melissa Wienzek

Remscheid. Dass sich in diesen Tagen nichts mehr auf der Baustelle der Evangelischen Stadtkirche Lennep tut, hat einen guten Grund: Sie ist fertig. Der Kirchturm ist saniert, die Steinmetzarbeiten sind abgeschlossen. In den nächsten Tagen wird das Hauptgerüst samt Staubschutzplane etagenweise abgebaut. Das Gerüst an den Giebelseiten bleibt für Restarbeiten noch stehen. Weihnachten soll das 47 Meter hohe Wahrzeichen in der Lenneper Altstadt dann ohne Gerüstmantel erstrahlen – auch dank der Tausenden Lichter auf der verschieferten Zwiebel und rings um den Turm.

Pfarrerin Susanne Peters-Gößling ist froh und auch ein wenig überrascht, dass der Zeitplan eingehalten werden konnte – denn während der siebenmonatigen Bauphase gab es die eine oder andere Überraschung am über 260 Jahre alten Gotteshaus. Vieles lässt sich auf eine mangelhafte Sanierung in den 80er Jahren zurückführen. „Als damals die Gesimsbänder am Turm neu eingebaut wurden, sind Hohlräume nicht komplett verfüllt worden. Wasser sickerte ein“, erklärt Baukirchmeister Helmut Hammes. Eindringendes Wasser war auch das Problem bei den 100 Nadelankern aus Metall im Turm: Sie korrodierten und sprengten dadurch die Steine. „Wir hatten große Folgeschäden im Eckbereich“, sagt Hammes. „Durch den statischen Druck von oben wurden die Steine aufgespalten.“ Laut dem Statiker war dringender Handlungsbedarf. 32 große Quadersteine mussten ausgetauscht werden – jeder einzelne auf Maß angefertigt.

Ein Teil der neuen, auf Maß angefertigten Eckquadersteine.

Als die Steinmetze der Firma Schürholz und Schäfer die Sandstein-Laibungen an den Ochsenaugen, den runden Kirchenfenstern, erneuern wollten, stellten sie zudem fest, dass das komplette Mauerwerk in diesem Bereich marode war. Und das einen Meter tief. „Das Mauerwerk konnte man so mit bloßen Händen rausziehen“, ist der Baukirchmeister der evangelischen Gemeinde immer noch baff. Als er eines Tages mit dem Bauingenieur des Evangelischen Kirchenkreises Lennep, Carsten Jörges, auf dem Gerüst stand, habe er einen Maueranker berührt – und das Metallteil sofort in der Hand gehabt. „Nicht auszudenken, wenn der jemand auf den Kopf gefallen wäre.“ Also mussten alle 120 Anker überprüft werden. Manche wurden ausgetauscht, manche mit Korrosionsschutz eingepinselt. „Wahrscheinlich müssen wir die Maueranker nun alle fünf Jahre überprüfen“, sagt Hammes.

Die eigentlichen Arbeiten traten da schon fast in den Hintergrund. Aber auch sie mussten schließlich fortgeführt werden. Die Experten durchbohrten sechs Mal den Turm sowie die Kirchenwand und zogen Zugstangen ein. Diese halten den Turm zusammen und sorgen für Standfestigkeit. Zudem wurden die Gesimsbänder erneuert. „Der Turm verjüngt sich nach oben hin fünf Mal. Auf diesen Absätzen gab es offene Fugen – Wasser drang jahrelang in den Turm ein und richtete großen Schaden an“, erklärt Hammes. Im Zuge der Sanierung wurde auch gleich der Bronzepuffer am Glockenklöppel erneuert. Er hat nun einen sanfteren Klang. Geläutet werden darf allerdings erst in zwei bis drei Wochen – wenn der Mörtel richtig ausgehärtet ist.

Das alles kostet. War man ursprünglich von Kosten in Höhe von 400 000 Euro ausgegangen, schätzt das Bauteam diese mittlerweile auf 480 000 Euro. Das Problem: Der Klingelbeutel ist leer. „Wir hängen mit der Finanzierung in der Luft“, gesteht Hammes. Ein Antrag bei der Deutschen Stiftung Denkmalschutz wurde abgelehnt. Der Baukirchmeister will trotzdem noch einmal nachfragen. Ein Antrag über 80 000 Euro bei der Bezirksregierung sei zwar positiv beschieden worden, allerdings sei derzeit unklar, ob man alle Förderkriterien erfülle.

„Wir haben hier ein historisches Erbe.“

Helmut Hammes über die Kirche

Die Stiftung zur Bewahrung kirchlicher Baudenkmäler habe zugesagt, 50 000 Euro zuzuschießen – allerdings nur, wenn die Lenneper selbst 80 000 Euro über Fundraising-Aktionen sammeln. Und die liegen wegen Corona auf Eis. „Die Unterlagen zur Gründung unseres Fördervereins liegen immer noch beim Finanzamt und beim Amtsgericht.“

Dennoch gab es bereits Einzelspenden, zum Beispiel von Lennep Offensiv oder den Rotariern. „Wir hoffen auf weitere Spenden und werden auch unsere 7000 Gemeindemitglieder anschreiben“, sagt Hammes. „Wir haben hier schließlich ein historisches Erbe. Es ist es unsere Verpflichtung, das Gebäude instandzuhalten.“ Zur Not müsse die Gemeinde auf Rückstellungen zurückgreifen – dann wäre für andere Gebäude allerdings kein Geld mehr da.

Das Gotteshaus ist eine Dauerbaustelle. In den vergangenen zehn Jahren wurde bereits eine Million Euro investiert.

Beleuchtung

Das Team von Lennep Offensiv hat am Samstag bereits alle LED-Lichtschläuche wieder am Turm angebracht – und gleich alle Profile erneuert. Spätestens zum ersten Advent leuchtet der Turm wieder, dann bis 6. Januar täglich von 16.30 bis 23 Uhr. Interessierte können zudem unter dem Motto „Ich leuchte nur für dich“ den illuminierten Turm gegen eine Spende buchen. Infos:

lennep-offensiv.de

Standpunkt

michael.albrecht@rga-online.de

Ein Kommentar von Michael Albrecht

Bei Sanierungen alter Gemäuer sind Überraschungen vorprogrammiert. Der Zahn der Zeit nagt nun einmal rücksichtslos. Baumängel, vor Jahrzehnten oder gar Jahrhunderten verursacht, treten zutage. Das haben die Remscheider bei etlichen Sanierungsprojekten erlebt. Da ist die Evangelische Stadtkirche in Lennep keine Ausnahme. Aber sollen die Gebäude erhalten werden, heißt es, in den sauren Apfel beißen und aktiv werden. Denn wird der Zerfall nicht aufgehalten, ist die Zerstörung irgendwann vorprogrammiert. Das gilt auch für das Gotteshaus in der Altstadt. 

Doch die Kirchengemeinde hat nicht die Hände in den Schoß gelegt. Sie ist aktiv geworden, um das Schmuckstück zu erhalten. Schließlich ist die Kirche im wahrsten Sinne der Leuchtturm der Altstadt, und dieses nicht nur für die Gemeindemitglieder. Die Lenneper hängen an ihrer Kirche. Deshalb gilt es jetzt, der Kirchengemeinde zu helfen, den Fehlbetrag aufzubringen. Dass sie dazu bereit sind, haben sie bisher immer wieder bewiesen. Das wird sich auch bei der Kirche nicht ändern. 

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesen

Fluten schädigen die Ökosysteme langfristig
Fluten schädigen die Ökosysteme langfristig
Fluten schädigen die Ökosysteme langfristig
Corona: Corona-Hilfe für Vereine - Inzidenz sinkt auf 13,5
Corona: Corona-Hilfe für Vereine - Inzidenz sinkt auf 13,5
Corona: Corona-Hilfe für Vereine - Inzidenz sinkt auf 13,5
L412 ist vorerst wieder befahrbar
L412 ist vorerst wieder befahrbar
L412 ist vorerst wieder befahrbar
Nach Unfall mit hohem Sachschaden: Die L 74 ist wieder frei
Nach Unfall mit hohem Sachschaden: Die L 74 ist wieder frei
Nach Unfall mit hohem Sachschaden: Die L 74 ist wieder frei

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Kommentare