Nach Vorfällen

Kirche macht Front gegen sexualisierte Gewalt

Stellten gestern das Schutzkonzept gegen sexualisierte Gewalt vor (v.l.): Andrea Hansen, Sabine Dopatka und Antje Menn.
+
Stellten gestern das Schutzkonzept gegen sexualisierte Gewalt vor (v.l.): Andrea Hansen, Sabine Dopatka und Antje Menn.
  • Axel Richter
    VonAxel Richter
    schließen

Der Evangelische Kirchenkreis Lennep verabschiedet ein Schutzkonzept gegen sexualisierte Gewalt.

Von Axel Richter

Remscheid/Wermelskirchen. Die Fälle schweren sexuellen Missbrauchs durch einen Wermelskirchener hat die Menschen im Bergischen erschüttert. Dabei machen sie nur anschaulich, wie zahlreich es dazu kommt. Deutschlandweit hat jedes vierte Mädchen und jeder achte Junge Formen des Missbrauchs erlebt. Längst vor der Festnahme des Mannes, der als Kopf eines Pädophilenrings gilt, haben sich die 16 Gemeinden des Evangelischen Kirchenkreises Lennep deshalb auf denn Weg gemacht, um dem Missbrauch in eigenen Reihen entgegenzutreten. Und das möglichst, bevor es überhaupt dazu kommt.

Dazu haben sich die Gemeinden ein Schutzkonzept gegen sexualisierte Gewalt gegeben. Was daraus folgt, stand im Mittelpunkt der außerordentlichen Kreissynode, dem obersten Parlament des Evangelischen Kirchenkreises, das jetzt im Gemeindehaus der Evangelischen Kirchengemeinde Dabringhausen zusammenkam.

Das Papier war unter den Synodalen durchaus umstritten, berichtet Antje Menn, Pfarrerin und Superintendentin des Evangelischen Kirchenkreises: „Nicht alle waren davon überzeugt, dass das Thema bei uns so groß aufgehangen werden muss“, erklärt die Dienstvorgesetzte der Geistlichen und kirchlichen Mitarbeiter im Kirchenkreis. So etwas wie der Missbrauch Schutzbefohlener passt schließlich nicht zum christlichen Menschenbild.

Fakt ist: Auch im Kirchenkreis gab es Fälle. Die liegen geraume Zeit zurück und waren mit dem Missbrauchskomplex von Wermelskirchen nicht vergleichbar. Aber auch sie mussten aufgearbeitet werden, sagt Antje Menn.

Arbeitskreis soll Missbrauchsfälle im Kirchenkreis vorbeugen

Dafür, vor allem aber für die Vorbeugung ist künftig ein eigener Arbeitskreis zuständig. Andrea Hansen und Sabine Dopatka gehören ihm an. Sie werden künftig unter anderem an den 36 Kindertagesstätten unterwegs sein, um die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für das Thema zu sensibilisieren.

Doch nicht nur die hauptamtlich Beschäftigten, auch die Ehrenamtler sollen erreicht werden. 2500 Männer und Frauen sind es insgesamt, die in den Gemeinden des Kirchenkreises arbeiten. Gemeinsam sollen sie die Kirche zum Schutzraum machen. „Das geht nur, wenn alle mitmachen“, sagen Andrea Hansen und Sabine Dopatka: „Jeder und jede soll hingucken.“

Tatsächlich geschieht in der Öffentlichkeit oft das Gegenteil. Kinder, die sexualisierte Gewalt erfahren, müssen ihre Erlebnisse bis zu zehn Mal ansprechen, bevor ihnen der erste Glauben schenkt. „Das soll bei uns nicht geschehen“, sagen die beiden Frauen.

Für ihr Schutzkonzept gegen sexualisierte Gewalt mussten sie in den Gemeinden nicht bei Null angefangen. Allerdings verfolgen die Einrichtungen des Evangelischen Kirchenkreises nun eine gemeinsame Strategie. Im Hintergrund stehen zudem zwei Psychologinnen bereit, um Betroffene im Notfall aufzufangen.

Die Kirche muss sparen

Alle zehn Jahre verliert die Evangelische Landeskirche bis zu 400 000 Mitglieder. Die Kirche ist zum Sparen gezwungen. „Wir werden in Zukunft stärker auf Kontakte achten und weniger auf Strukturen“, sagt Superintendentin Antje Menn. Konkret stehen Doppelstrukturen auf dem Prüfstand. Gottesdienste zum Beispiel, die zur gleichen Zeit vor halb leeren Kirchenbänken stattfinden. Ausbauen will die Evangelische Kirche so etwas wie den Gottesdienst, der am Wochenende an der Wuppertalsperre stattfand.

Bis 2035 will die Evangelische Landeskirche klimaneutral sein. Die Kirchenkreise müssen deshalb die Gebäude in ihrem Besitz sanieren. Oder sich auch von einzelnen Objekten trennen, was dem Spardruck entgegenkommt, dem die Gemeinden vor Ort unterliegen. Bis 2027 muss die Entscheidung stehen. „Kirche für Klima“ heißt auch das Themenjahr 2022. Für den 26. August lädt der Kirchenkreis Lennep schon jetzt zu einem Expertengespräch ein. Beginn im Vaßbendersaal in Remscheid ist um 19 Uhr.

Lesen Sie passend dazu: Missbrauch: Kitas setzen auf Prävention

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Der lange Weg zurück zum Führerschein
Der lange Weg zurück zum Führerschein
Der lange Weg zurück zum Führerschein
Miss Germany 2023: Diese Kandidatin aus Hückeswagen ist im Halbfinale
Miss Germany 2023: Diese Kandidatin aus Hückeswagen ist im Halbfinale
Miss Germany 2023: Diese Kandidatin aus Hückeswagen ist im Halbfinale
Auf der Asche entstehen Doppelhäuser
Auf der Asche entstehen Doppelhäuser
Auf der Asche entstehen Doppelhäuser
RS-Virus: So ist die Situation in der Kinderklinik in Remscheid
RS-Virus: So ist die Situation in der Kinderklinik in Remscheid
RS-Virus: So ist die Situation in der Kinderklinik in Remscheid

Kommentare