Kinderschutz

Kindeswohl gefährdet: Jugendamt zählt mehr Fälle

2020 stieg in Remscheid die Zahl der akuten Kindeswohlgefährdungen an. Die Stadt liegt damit im Bundestrend. Symbolfoto: cb
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2020 stieg in Remscheid die Zahl der akuten Kindeswohlgefährdungen an. Die Stadt liegt damit im Bundestrend.
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Remscheider Behörde verzeichnete 2020 mehr Fälle. Nicht allein die Corona-Beschränkungen sind der Grund dafür, hat der zuständige Abteilungsleiter festgestellt. Hinweise kommen von Nachbarn, Lehrern, aus Kitas.

Von Kristin Dowe und Frank Michalczak

Remscheid. Die deutschlandweiten Zahlen sind alarmierend: Neun Prozent und damit rund 5000 mehr Fälle von Kindeswohlgefährdungen registrierten die Jugendämter nach Angaben des Statistischen Bundesamtes (Destatis) im vergangenen Jahr im Vergleich zu 2019. Mit fast 60.600 Fällen ist dies ein Höchststand seit 2012.

Remscheid liegt dabei im Trend, wie Tom Küchler berichtet, der zuständige Abteilungsleiter im Jugendamt. 2019 zählte die Behörde 63 Fälle von akuter Kindeswohlgefährdung. Im vergangenen Jahr waren es 76.

Dies führt Küchler aber nicht nur auf die Kontaktbeschränkungen und Isolation durch die Corona-Schutzmaßnahmen zurück, die in vielen Elternhäusern zu Belastungen führten.

Kindeswohlgefährdung: Remscheider schauen genauer nach HInweisen - bei Geschrei, lauter Musik, verdächtigen Dingen

„Es ist auch so, dass sich in der Bevölkerung eine größere Sensibilität bei diesem Thema entwickelt hat. Es fällt manchen leichter, sich zu Wort zu melden, wenn sie etwas Verdächtiges in der Nachbarschaft festgestellt haben.“ Dazu zählt dauerndes Geschrei ebenso wie nächtliche, laute Musik in einer Wohnung, in der kleine Kinder leben.

Vermehrt seien aber auch aus Kitas und Schulen Hinweise im Amt eingegangen, obwohl die Einrichtungen zeitweise durch die Pandemie geschlossen waren. Manche Erzieherin, mancher Lehrer habe sich offenbar Sorgen gemacht, weil sie Kinder lange nicht sehen konnten, aber im Blick behalten wollten. Zuweilen schalteten sie vorsorglich das Amt ein.

Remscheid: 557 Mal rückten die Sozialarbeiter des Jugendamtes in Elternhäuser aus

Insgesamt 557 Mal rückte das Team 2020 nach Hinweisen aus, um in Familien oder bei Alleinerziehenden nach dem Rechten zu schauen. In 172 Fällen stellten die Sozialarbeiter nichts Auffälliges fest, in 225 Fällen erkannten sie Hilfebedarf – oftmals dann, wenn sie eine Überforderung der Eltern bemerkt hatten. Um besonders schwere Fälle kümmern sich Institutionen wie die ärztliche Kinderschutzambulanz - sie stockte jüngst erst ihr Personal auf.

Wenn es sich nicht um eine akute Notlage handelt, bei der Kinder umgehend in Pflegefamilien oder Einrichtungen untergebracht werden müssen, kommen ambulante Hilfen in Frage.

Dann schaltet die Behörde Mitarbeiter von Wohlfahrtsverbänden oder privater Unternehmen ein, die den betroffenen Familien im Alltag helfen, Rat beim Umgang mit den Kindern geben und Tipps bei der Organisation des Haushalts haben. Dabei ist aber die Mitwirkungspflicht der Eltern die Voraussetzung. „Dazu gibt es das Hilfeplanverfahren und regelmäßige Hilfeplangespräche, die zielorientiert sind“, berichtet Tom Küchler, der drei Teams mit acht bis neun Sozialarbeitern an seiner Seite weiß.

Im Wechsel sind sie an sieben Tagen rund um die Uhr erreichbar, um sich im Notfall um den Nachwuchs zu kümmern – etwa, nachdem die Polizei wegen häuslicher Gewalt ausrücken musste.

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