Gesundheit

Kinderarzt geht mit Wehmut: Dr. Thomas Schliermann verlässt Klinikum

Abschied als Livestream fürs Internet: Dr. Thomas Schliermann (2.v.r.) mit Sana-Geschäftsführerin Svenja Ehlers, OB Burkhard Mast-Weisz (l.) und seinem Nachfolger, Dr. Christoph Damaschke. Foto: Axel Richter
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Abschied als Livestream fürs Internet: Dr. Thomas Schliermann (2.v.r.) mit Sana-Geschäftsführerin Svenja Ehlers, OB Burkhard Mast-Weisz (l.) und seinem Nachfolger, Dr. Christoph Damaschke.

Dr. Thomas Schliermann gehört ab sofort nicht mehr zum Team.

Von Axel Richter

Remscheid. Max ist vier Jahre alt und seit seiner Geburt spastisch behindert. Der Junge kann nicht laufen. Der sehnlichste Wunsch seiner Mutter, dass er ihr einmal in die Arme laufen wird, erfüllt sich trotz zahlreicher Therapien lange nicht. Dann bauen Dr. Thomas Schliermann und seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Sozialpädiatrischen Zentrums am Sana-Klinikum eine Vorrichtung, mit der das möglich wird. Max läuft über den Flur des Krankenhauses zur Mama und schreit dabei vor Glück.

Es ist der Moment in seiner Laufbahn als Kinderarzt, der Dr. Thomas Schliermann am eindringlichsten in Erinnerung geblieben ist. 20 Jahre führte er das Zentrum für Kinderheilkunde und machte es zu der medizinischen Institution im Bergischen Land für Kinder mit einer Behinderung oder Entwicklungsauffälligkeit – vom Säugling bis zum 18. Lebensjahr. Damals gestartet mit drei Mitarbeitern, behandeln im Sozialpädiatrischen Zentrum heute 30 hoch spezialisierte Experten annähernd 2500 Kinder, Jugendliche und Familien pro Jahr.

Schliermann gehört ab sofort nicht mehr zum Team. Mit Erreichen der Altersgrenze verabschiedete ihn das Sana-Klinikum in den Ruhestand. Wegen der Corona-Pandemie saßen dazu lediglich Sana-Geschäftsführerin Svenja Ehlers, Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz (SPD), Schliermanns Nachfolger, der bisherige Leitende Oberarzt Dr. Christoph Damaschke und der scheidende Chef selbst in einem Raum. Das Gesagte ging per Livestream ins Internet, Weggefährten und Mitarbeiter übermittelten Grußworte. Er nehme traurig Abschied, bekannte Schliermann, aber: Nach 20 Jahren in der Pole-Position „ist es auch gut“. Jetzt nehme er den Fuß vom Gaspedal und biege von der Rennstrecke auf die Landstraße ein. Gemächlich über Land schaukeln wird Schliermann auch dort nicht.

Schliermann bleibt Vorsitzender der Kinderschutzambulanz

Der fantastische Arzt, Menschenfreund und Kämpfer für das Kindeswohl, wie viele ihn nennen, ist auch Vorsitzender der Ärztlichen Kinderschutzambulanz Bergisches Land. Das wird er bleiben, denn: „Als Kinderarzt hat man lebenslänglich“, sagt Schliermann. Darüber hinaus kümmert er sich um zwei Hilfsprojekte, die er ins Leben gerufen hat: In Russland baut er ein Sozialpädiatrisches Zentrum auf, in Kolumbien kümmert er sich um die Gesundheit und Bildung von Straßenkindern.

Sie sind ihm ans Herz gewachsen. Wie so viele Kinder, die er am Sana-Klinikum behandelt hat. Darunter Max natürlich. Der ist heute ein Teenager, der zur Schule geht. Mit zwei Gehhilfen kann er aufrecht laufen. Fürs Fußballspielen reicht es nicht, „aber in der Schach-AG“, sagt Dr. Thomas Schliermann, „da ist er der Crack“.

Die Medizin ist weiblich. Zwei Drittel aller Studienanfänger sind Frauen. Doch nicht einmal die Hälfte von ihnen übernimmt später eine eigene Arztpraxis. Auch das ist ein Grund dafür, dass es in Lüttringhausen mit einiger Wahrscheinlichkeit ab dem nächsten Jahr keinen Kinderarzt mehr gibt.

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