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Kinderarmut nimmt in Westdeutschland zu

Prof. Dr. Christoph Butterwegge stellte fest: „Kinder der Ungerechtigkeit, das sind wiralle.“Foto:Roland Keusch
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Prof. Dr. Christoph Butterwegge stellte fest: „Kinder der Ungerechtigkeit, das sind wiralle.“

Politikwissenschaftler stellen Buch zu sozialer Ungleichheit vor.

Von Peter Klohs

Remscheid. Carolin und Christoph Butterwegge, beide Wissenschaftler an der Universität Köln, arbeiten schon seit vielen Jahren zum Thema soziale Ungleichheit und Kinderarmut. Ihr erstes gemeinsames Buch „Kinder der Ungleichheit – Wie sich die Gesellschaft ihrer Zukunft beraubt“ stellte das Ehepaar nun in der Zentralbibliothek vor.

Direkt zu Anfang des gut einstündigen Referats stellte Prof. Dr. Christoph Butterwegge fest: „Kinder der Ungleichheit, das sind wir alle.“ Er erzählte, wie er an der Potsdamer Universität auf das Thema aufmerksam gemacht wurde. „In den 90er Jahres des vorigen Jahrhunderts erstarkte die Armutsforschung“, wusste der Politikwissenschaftler zu berichten.

Gemeinsam mit seiner Frau Carolin entwarf er ein schonungsloses Bild der deutschen Gesellschaft, erklärte Begriffe wie absolute und relative Armut, definierte die Begriffe Armut und Reichtum, erklärte den Unterschied zwischen wohlhabend und reich sein und stellte nüchtern fest: „Reichtum machen wir am Vermögen fest, Armut am Einkommen.“

Carolin Butterwegge referierte über die Kinderarmut in unserem Land, erklärte, dass dieselbe in den sogenannten neuen Bundesländern sinke und im Bereich der alten BRD steige. „Die höchsten Zahlen dazu ergeben sich in Gelsenkirchen“, sagte die Soziologin. „Dort sind über 40 Prozent der Kinder von Armut betroffen.“

Christoph Butterwegge fasste in drei Punkten die Ursachen der Ungleichheit zusammen: Die Deregulierung des Arbeitsmarktes und dort besonders die unheilvolle Einführung der Agenda 2010 unter Kanzler Gerhard Schröder, die Demontage des Sozialstaats (zum Beispiel Hartz IV, auch unter Schröder eingeführt) sowie die unsoziale Steuerpolitik: Abschaffung aller Kapital- und Gewinnsteuern oder Senkung des Spitzensteuersatzes. Insoweit gab das Ehepaar Butterwegge einen deutlichen Einblick auf ihre politische Verortung.

Lösungsansatz: Mindestlohn müsste deutlich steigen

Den letzten Teil des Vortrages nutzte Prof. Dr. Butterwegge, um Lösungsansätze zu beschreiben, damit die Ungleichheit bekämpft werden könne. „Der Mindestlohn muss deutlich angehoben werden. 12 Euro reichen bei Weitem nicht“, war sich der Wissenschaftler sicher. Er machte sich stark für die Verbindlichkeit von Tariflöhnen, eine Abschaffung der sachgrundlosen Befristung von Arbeitsverhältnissen, die Einführung einer solidarischen Bürgerversicherung und die Abschaffung der Beitragsbemessungsgrenze.

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