Mein Blick auf die Woche

Kinder sind wichtiger als eine ruhige Straße

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  • Axel Richter
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Die Anwohner der Stauffenbergstraße wehren sich gegen eine neue Kindertagesstätte in ihrer Nachbarschaft. Sie befürchten ein Verkehrschaos. Dazu kann es durchaus kommen. Doch, findet RGA-Lokalchef Axel Richter: Kinder sind wichtiger als eine ruhige Wohnlage und ein sicherer Parkplatz vor der eigenen Haustür.

39 Anwohner wollen keine Kindertagesstätte in ihrer Straße. Rund 100 Elternpaare dagegen schon. Weil sie eine verlässliche Betreuung für ihre Kinder brauchen und die wiederum die Kita als Ort frühkindlicher Bildung und Entwicklung. Doch wir leben in einer Zeit, in der der Sinn für das Allgemeinwohl zugunsten eigener Bedürfnisse in den Hintergrund tritt und deshalb Listen unterschrieben werden wie die gegen eine neue Kita in der Stauffenbergstraße.

Wozu bürgerliche Fundamentalopposition führen kann, zeigte sich im Februar dieses Jahres, als es mithilfe der Gerichte einer kleinen Minderheit gelang, die Pläne für das Designer Outlet Center in Lennep zu Fall zu bringen. Die 170-Millionen-Euro-Investition hätte Lennep, Remscheid, das ganze Bergische Land auf die Landkarte geholt. Stattdessen haben wir in Lennep heute Planungsbüros und Planungsspaziergänge, Bürgerwerkstätten und Lennep-Konferenzen.

Aber zurück zu den Kindertagesstätten. Elf neue Kitas sind seit 2015 in Remscheid errichtet worden. Dennoch fehlen nach Berechnungen der Stadt nach wie vor 600 Plätze. Vier weitere Einrichtungen sind deshalb geplant, davon eine in der Stauffenbergstraße in Reinshagen.

Die Stadt ist dort Eigentümerin eines brachliegenden Grundstücks, auf dem bis 2011 bereits eine Kita der Arbeiterwohlfahrt stand. Ein neuer Investor ist gefunden. Es spricht mithin wenig gegen einen Neubau. Mit Ausnahme der Nachbarn.

Sie befürchten ein Verkehrschaos vor ihrer Haustür, wenn die Eltern ihren Nachwuchs erst mit dem Auto zur Kita bringen und von dort wieder abholen. Und den Verlust von Parkplätzen für das eigene Auto.

Beides ist durchaus wahrscheinlich. Heute werden Kinder ja grundsätzlich mit dem Auto gebracht. Die Stauffenbergstraße ist eine Sackgasse und eng dazu. So eng, dass die Müllabfuhr nur rückwärts hineinfahren kann. Rangieren dort mehrer Eltern gleichzeitig, dürfte es in der Stauffenbergstraße mehr als eng werden.

Die Frage ist, ob es dazu kommen muss. Die CDU schlug zwischenzeitlich eine „Kiss-&-Go-Zone“ vor. Von der Ecke Brückenstraße sollen die Jungen und Mädchen an der Hand von Mama oder Papa die letzten Meter zu Fuß zur Kita gehen. Ob das eine gute Lösung ist oder ob es andere, bessere Lösungen gibt, soll nun ein Verkehrsgutachter prüfen.

Die grundsätzliche Frage bleibt derweil bestehen. Was wiegt schwerer? Das Bedürfnis von Eltern, die ihre Kinder tagsüber versorgt und altersgerecht gefördert sehen wollen? Oder das Bedürfnis von Anwohnern, die wollen, dass in ihrer Nachbarschaft alles so bleibt, wie es ist?

Im Sinne der Entwicklung unserer Stadtgesellschaft kann es darauf nur eine Antwort geben. Und das nicht nur in der Stauffenbergstraße.

Mit den 600 neuen Plätzen in den vier geplanten Einrichtungen lässt der Druck nämlich noch lange nicht nach. Dafür sorgen unter anderem die vielen Flüchtlingskinder aus der Ukraine. Weitere Kitas müssen und werden deshalb entstehen. Und das nicht irgendwo auf der grünen Wiese. Kitas gehören dorthin, wo die Menschen wohnen: in die Viertel und Quartiere.

Die nächste Unterschriftensammlung dagegen zeichnet sich mithin schon ab. Doch mit dieser Art von Verweigerung kommen wir nicht weiter. Kompromisse müssen möglich sein. Es gibt nun einmal Dinge, die schwerer wiegen als eine ruhige Straße und ein sicherer Parkplatz vor der eigenen Tür.

Das braucht offenbar keiner: Zum WM-Auftakt der Deutschen bleiben die Kneipen leer.

Darauf muss man erst mal kommen: Roberto Blanco kommt zum dentalen Weihnachtsmarkt nach Lüttringhausen.

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