Kinder haben ein Recht auf Privatsphäre

Fängt manchmal schon beim Freunde-, spätestens aber beim Tagebuch an: Auch Kinder haben eine Privatsphäre. Klaudia Kaiser von der Familienberatung der Diakonie gibt Tipps zum Thema. Fotos: Doro Siewert (Archiv)/lho
+
Fängt manchmal schon beim Freunde-, spätestens aber beim Tagebuch an: Auch Kinder haben eine Privatsphäre. Klaudia Kaiser von der Familienberatung der Diakonie gibt Tipps zum Thema. Fotos: Doro Siewert (Archiv)/lho

Zu viel Kontrolle durch die Eltern ist nicht gut

Von Jennifer Preuss

Ob digital oder analog: Eltern haben heute mehr Möglichkeiten denn je, ihr Kind im Blick oder unter Kontrolle zu behalten. Und viele nutzen sie auch. Das kann aber negative Folgen haben. Klaudia Kaiser von der Ehe-, Familien- und Lebensberatung der Diakonie im Kirchenkreis Lennep sagt ganz klar: „Überwachung erzieht nicht zur Selbstständigkeit.“

Großwerden ist ein Abnabelungsprozess, der sehr wichtig ist, damit das Kind später als Erwachsener auf eigenen Beinen stehen kann. Haben die Eltern beispielsweise über Apps jederzeit Zugriff auf das Smartphone des Nachwuchses und können so das Nutzungsverhalten und die Kontakte kontrollieren, engt das ihren Sohn oder ihre Tochter ein. Klaudia Kaiser rät daher, den Kindern eine altersentsprechende Privatsphäre einzuräumen, die sich auch an die persönliche Entwicklung des Kindes orientiert. „Es ist eine sehr individuelle Frage, die man nicht pauschal beantworten kann.“

Das Bedürfnis, den Nachwuchs zu kontrollieren, sieht Kaiser nicht nur im Digitalen. Angstvermeidung, Kontrolle oder zu wenig Zutrauen in die Fähigkeiten seien oft Gründe, die Kinder morgens bis vor das Schultor zu fahren und dort wieder abzuholen. Manchmal sei es auch Bequemlichkeit oder die Zeit, die zu Hause knapp ist. „Wenn Eltern zu ängstlich sind, geht es darum, die Angst bei den Eltern schrittweise abzubauen, um dann gemeinsam mit dem Kind die richtigen Bewältigungsstrategien zu erproben. Zu lernen statt etwas zu vermeiden. Durch zu viel Angst und Kontrolle nimmt man den Kindern Erfahrungs- und Erlebnisspielräume und damit einen Teil ihrer Privatsphäre“, sagt Kaiser. Der Schulweg könne daher eine „Anwärmphase“ sein. Kurzum: Das Kind kann eigenständige Erfahrungen mit sich und im Umgang mit anderen sammeln, die wegfallen, wenn es ständig gefahren wird. „So ähnlich ist es mit der Überwachung des Handys auch. Auch das engt Kinder ein. Manche Eltern wollen möglichst viel wissen und trauen ihren Kindern oft zu wenig zu“, sagt Klaudia Kaiser. Das führe in extremen Fällen dazu, dass die Eltern bis ins junge Erwachsenenalter nicht loslassen können und zu wenig auf die Entwicklung der Fähigkeiten ihrer Kinder vertrauen. Klaudia Kaiser hat in ihrer Beratungstätigkeit bereits Mütter und Väter kennengelernt, die die Bachelor- oder Masterarbeiten ihrer Kinder überarbeitet haben.

„Durch zu viel Angst und Kontrolle nimmt man den Kindern Erlebnisspielräume.“

Klaudia Kaiser, Familienberaterin

Genauso gibt es Fälle, in denen es gegenteilig läuft: Eltern, die nicht erkennen, dass ein Regelwerk für Kinder zwingend notwendig ist. „Sie erkennen nicht, dass Kinder den Halt und die Begrenzung als Fürsorge betrachten. Kinder brauchen Grenzen, an denen sie sich abarbeiten können“, berichtet die Beraterin. In diesen Konstellationen haben die Kinder beziehungsweise Jugendlichen oft das Gefühl, ihren Eltern nicht wichtig zu sein. Durch das fehlende Regelwerk fühlen sie sich vernachlässigt. Erziehung ist und bleibt also ein ständiger Aushandlungsprozess entlang der Entwicklung des Kindes, der im Trotzalter beginnt. Aus der Sicht der Familienberaterin ist ein gesundes Maß an Regeln, Kontrolle und Vertrauen notwendig, das an den Entwicklungsstand des Kindes angepasst werden muss.

Kinderrechte

Kinder haben Rechte. Die kindliche Privatsphäre steht im Gesetzbuch. Die UN-Kinderrechtskonvention, Artikel 16, schützt Heranwachsende vor willkürliche Eingriffe in Privatleben und Schriftverkehr.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesen

Die Vergessenen aus dem Morsbachtal
Die Vergessenen aus dem Morsbachtal
Die Vergessenen aus dem Morsbachtal
Feuerwehr rüstet nach Hochwasser auf - Neues Fahrzeug vom Land
Feuerwehr rüstet nach Hochwasser auf - Neues Fahrzeug vom Land
Feuerwehr rüstet nach Hochwasser auf - Neues Fahrzeug vom Land
Corona: Ab Freitag gilt Inzidenzstufe 1 - Ärzte impfen nur wenige Kinder
Corona: Ab Freitag gilt Inzidenzstufe 1 - Ärzte impfen nur wenige Kinder
Corona: Ab Freitag gilt Inzidenzstufe 1 - Ärzte impfen nur wenige Kinder
Alpakas an der Leine sind der Hingucker auf dem Wanderweg
Alpakas an der Leine sind der Hingucker auf dem Wanderweg
Alpakas an der Leine sind der Hingucker auf dem Wanderweg

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Kommentare