Kinder erleben die Pandemie ganz verschieden

Die Schwestern Mieke (7) und Mariella (13) bei einer virtuellen Chorprobe mit Astrid Ruckebier. Foto: Roland Keusch
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Die Schwestern Mieke (7) und Mariella (13) bei einer virtuellen Chorprobe mit Astrid Ruckebier.

Die jungen Sänger des Chors Voices berichten von ihren Erfahrungen und geben Tipps, wie sich die Zeit leichter überstehen lässt

Von Alexandra Dulinski

Kinder erleben die Corona-Pandemie ganz anders als Erwachsene. Wir haben bei den Sängerinnen und Sängern des Kinder- und Jugendchors Voices der Musik- und Kunstschule Remscheid nachgefragt, wie sie die Zeit erleben.

Weil der Chor sich derzeit nur digital trifft, singt Mariella (13) seit Beginn der Corona-Pandemie über Youtube Karaoke. Ihre Mutter hat eine Liste mit alten Filmen und Serien zusammengestellt, die sie nach und nach abarbeiten. „Wir gucken jetzt jeden Abend einen Film zusammen“, berichtet sie. Das würde sie sich auch gerne für die Zeit nach der Pandemie beibehalten.

Marlene (9) findet es sehr schade, ihre Freunde nicht zu sehen. „Dafür habe ich viel mehr Zeit zum Spielen zu Hause. Und viel mehr Zeit mit Mama, Papa und meinem kleinen Bruder“, sagt sie.

Emma (11) findet den momentanen Wechselunterricht an ihrer Schule gar nicht so schlecht. „Dann habe ich ein bisschen was von beidem“, sagt sie. Sie habe ihre Hobbys vertieft. Weil ihr Klavierunterricht nicht mehr stattfinden kann, versucht sie, sich das Spielen über Youtube beizubringen. Das sei aber schwierig: „Bei einem Tutorial kann ich keine Fragen stellen“, sagt Emma. Dafür mache der Chor aber viel Freude. „Es macht Spaß, etwas zu haben, wofür man üben muss“, sagt sie.

„Ich spiele öfters mit den Nachbarskindern,“ berichtet Pia (10), „vorher hatte ich nie Zeit dafür.“ Mehr Zeit hat sie jetzt auch für das Flöten und den Chor. Nur das Taekwondo-Training kann zurzeit nicht stattfinden – das bedauert sie sehr. „Wir lernen, uns selbst zu verteidigen. Das kann ich nicht vertiefen“, sagt Pia.

Lorena (18) steckt gerade mitten im Abitur. „Ich freue mich schon seit zwölf Jahren auf die Mottowoche und den Abiball“, sagt sie. Beides muss aber ausfallen. „Das habe ich mir definitiv anders vorgestellt“, erklärt Lorena. Dafür habe sie mehr Zeit gehabt zum Lernen und um im Wald laufen zu gehen, anstatt Sport nur zu Hause zu machen. Sie wünscht sich aber den Alltag wieder zurück. „Ich will sagen können: Es ist Freitag und ich fahre zum Chor.“

„Man hat weniger Spaß an so vielen Sachen, da muss ich mich dann zu zwingen.“

Simeon, 16 Jahre

Auch Johanna (18) hatte sich auf die Abiturfeiern gefreut. „Mit fehlt es sehr, mit mehreren Freunden etwas zu unternehmen. Man hat immer Angst, etwas falsch zu machen“, erklärt sie. Denn die Regeln ändern sich oft. Die 18-Jährige freut sich darauf, bald wieder essen gehen und den Abend mit Freunden verbringen zu können.

Lilith (8) vermisst ihre Lehrer in der Schule. Leandra (6) fehlt der Sportunterricht sehr. Ihr fehlen die Freunde, das Rennen und der gemeinsame Spaß bei ihrem Lieblingsspiel „Hase und Jäger“. Anstelle des Sportunterrichts geht sie nun häufiger mit ihrer Mutter zum Reiten und zum Tennis.

Tara (11) freut sich gar nicht über den Präsenzunterricht an ihrer Schule. Denn etwas habe sich verändert: Zwei Freundinnen, die gemeinsam in der Notbetreuung waren, seien nun gut befreundet. Weil Tara aber selbst nicht in der Notbetreuung war, habe die Freundschaft zu ihrer besten Freundin gelitten. Weil ihre Eltern aber nun beide im Homeoffice sind, kann sie deutlich mehr Zeit mit ihnen verbringen. Und ein neues Hobby hat Tara hinzugewonnen: Sie schreibt ein Buch – einen Kinderkrimi, verrät sie. „Ich habe Mamas alten Rechner bekommen und dann angefangen, loszutippen“, sagt Tara.

Livia (8) vermisst ihren Opa, weil er zurzeit im Krankenhaus liegt: Sie darf ihn wegen Corona nicht besuchen. Sobald es wieder möglich ist, möchte sie in den Urlaub fahren und in einem Windkanal fliegen.

Simeon (16) befürchtet, seine körperliche Fitness zu verlieren, denn zum Judo kann er momentan nicht. Er versucht, einen geregelten Tagesablauf beizubehalten. „Ich versuche Dinge, die ich manchmal vernachlässigt habe, nicht mehr zu vernachlässigen“, sagt er – Hygiene zum Beispiel. Simeon: „Sonst habe ich mich jeden zweiten Tag frisch gemacht, jetzt muss ich für niemanden frisch sein.“ Bei vielen Dingen sei auch seine Motivation nicht groß. „Man hat weniger Spaß an so vielen Sachen, da muss ich mich dann zu zwingen. Manchmal schaffe ich das nicht, das ist dann enttäuschend“, sagt er.

Tipps

Die Sängerinnen und Sänger vom Kinder- und Jugendchor haben Tipps für Gleichaltrige, wie sich gut durch die Pandemie kommen.

Johanna (18): „Viel draußen treffen. Das ist viel sicherer und man kann auch mal jemand anderen treffen.“

Mariella (13): „Viel lesen und auf Youtube nach Liedern suchen.“

Pia (10): „Man kann mal in der Nachbarschaft gucken, ob da Gleichaltrige sind und einfach mal klingeln. Und raus gehen und nicht nur zocken.“

Emma (11): „Keine Hobbys aufgeben und darüber nachdenken, mal was Neues anzufangen.“

Anton (22): „Ziele setzen und an Zielen festhalten, Routine beibehalten und gegebenenfalls Alternativen finden.“

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