Problem

Müll und Vandalismus auf Schulhöfen: Hausmeister packt Schneeschippe aus

Vandalismus am Rögy: Konrektor Thomas Benkert vor einer Glaslücke. Die Scheibe wird jetzt nicht mehr ersetzt.
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Vandalismus am Rögy: Konrektor Thomas Benkert vor einer Glaslücke. Die Scheibe wird jetzt nicht mehr ersetzt.
  • Andreas Weber
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Gerade nach den Wochenenden sieht es oft schlimm aus. Mit dem Unrat geht auch Zerstörung einher.

Remscheid. Das neue Berufskolleg Wirtschaft und Verwaltung hat vorsorglich einen Rundumschutz erhalten. Die große Freifläche neben dem Gebäude am Bahnhof, die auch als Schulhof dient, ist in den vergangenen Wochen mit einem zwei Meter hohen Metallzaun geschützt worden. Die städtische Investition, die in das 30-Millionen-Gesamtbaupaket einfließt, fruchtet bislang. „Wir haben keine Probleme mit Müll und Vandalismus“, erklärt der kommissarische Schulleiter Achim Zyto.

Andere Schulen in Remscheid plagen sich seit langem mit Vermüllung und Zerstörungswut. In regelmäßigen Abständen beschäftigt sich die Kommunalpolitik damit, immer wieder steht der städtische Gebäudemanager Thomas Judt Rede und Antwort. Zündende Lösungen wurden noch nicht gefunden. Im Schulausschuss nahm die CDU jetzt wieder einen Anlauf, monierte in einer Anfrage, dass „die Schulhöfe im Stadtgebiet teilweise in einem sehr schlechten Zustand sind“.

Die Christdemokraten prangern viel Unrat an, gerade nach den Wochenenden sähe es aus wie Sodom und Gomorra. „Kondome, Scherben, Essensreste, Alkoholflaschen, Hinweise auf Drogenkonsum“ würden auf den Höfen rumliegen. Alexander Schmidt (CDU), Lehrer am Rögy, kennt das Dilemma aus erster Hand: „Ungelogen, montags muss unser Hausmeister morgens mit einer Schneeschippe den Dreck wegkehren“, teilte er besorgt dem Ausschuss mit. Besonders schlimm sah es in einer versteckten Ecke auf dem Hof aus, wo eine Bank stand. „Die haben wir entfernt und siehe da, der Dreck wurde weniger“, berichtete Schmidt.

Gerade erst wurden am Rögy Fenster eingeschlagen und Türen demoliert

Etwas zu entfernen, was der Verweilqualität diene, sei fast eine „Verzweiflungstat“ gewesen, räumt Jörg Bergemann ein. „Ich habe zwar kein Patentrezept, aber nichts tun, ist auch keine Lösung“, findet der Rögy-Chef. Die zentrale Frage sei: „Was ist es uns wert, bestehende Substanz zu erhalten, unsere Schulen vor Vandalismus zu schützen?“ Gerade nachts rotten sich auf schwer einsehbaren Schulhöfen Personen zusammen, denen Sauberkeit fremd ist. „Es geht nicht nur um Müll, sondern um Sachbeschädigung in nicht unerheblichem Ausmaß“, meint Bergemann.

Im August wurde an den Rögy-Gebäuden ein Fenster eingeschlagen und eine Tür demoliert. „Wir würden uns, freuen, wenn das Ordnungsamt abends nach 21 Uhr Stichproben macht“, schlägt Alexander Schmidt für alle Schulen vor. „Das Problem beim Kommunalen Ordnungsdienst ist, dass deren Zwei-Schicht-Betrieb um 22 Uhr endet, genau ab dann wäre ihr Einsatz aber vonnöten“, entgegnete Thomas Judt. In der Vergangenheit wurden teure und rechtlich strikt geregelte Lösungen wie Videoüberwachung von der Stadt verworfen. Auch Sicherheitsunternehmen kosten eine Stange Geld. Die Stadt glaubt, dass die Kosten dafür am Ende höher als der Schaden sind, der durch Zerstörung angerichtet wird.

Am nach den Sommerferien eröffneten Berufskolleg Wirtschaft und Verwaltung in der Schmalkaldener Straße werden ungebetene Nachtschwärmer durch den hohen Zaun abgehalten. Judt erklärte, dass die Stadt aber einen Schließdienst beauftragt habe, um nach 22 Uhr an den Abenden abzuschließen, wenn die Fachschule für Wirtschaft ihren Unterricht beendet hat. Bergemann und Judt betonen, dass man Schulen nicht hermetisch abriegeln dürfe. Schließlich stehen diese nach Schulschluss jedem zum Spielen frei. „Fahrradfahren, Basketball- oder Tischtennisspielen muss tagsüber weiter möglich sein“, finden beide.

Jörg Bergemann schlägt als eine Idee vor, Bewegungsmelder rund um sein Gymnasium in Lennep anzubringen. „Im Flutlicht will schließlich keiner stehen, der Unsinn vorhat.“

Nicht nur an Remscheids Schulen gibt es einen Problem mit Vandalismus - ein Dauerthema in diesem Zusammenhang ist auch das Parkhaus Hauptbahnhof.

Streetworker in Ausschuss einladen

Gebäudemanager Thomas Judt versprach dem Schulausschuss, an dem leidigen Thema dranzubleiben und nach Möglichkeiten zu suchen, ungebetene Gäste abends von Schulhöfen zu vertreiben. Dezernent Thomas Neuhaus kündigte an, im nächsten Schulausschuss (26. Oktober) Streetworker einzuladen, die über ihre Erfahrungen berichten und wie sie möglicherweise in die Prävention eingebunden werden können.

Standpunkt von Andreas Weber: Weitgehend ratlos

andreas.weber@rga.de

Am Rögy gab es mal einen Baum, den Kletterfreudige nutzten, um auf Schuldächern herumzuturnen. Als der Baum schließlich gefällt wurde, hatte sich das Problem erledigt.

Gebäudemanager Thomas Judt erzählte diese Geschichte im Schulausschuss, um zu verdeutlichen: Ruhe kehrt manchmal erst ein, wenn etwas verschwindet und nicht erneuert wird. So war es mit einer Bank draußen am Rögy, so ist es dort mit zerstörten Glasfronten. So viel kann gar nicht ersetzt werden, wie kaputtgemacht wird. Die Stadt steht Vandalismus und Verschmutzung weitgehend ratlos gegenüber. Schnelle und günstige Lösungen gibt es nicht.

Nach Schulschluss sind Schulhöfe wichtige Freizeit- und Spielflächen, abends werden sie im Schutz der Uneinsehbarkeit und Dunkelheit zu Zonen, wo Mist gebaut wird. Um diesen wirkungsvoll zu unterbinden, bleibt nur die Kontrolle durch Videoüberwachung oder Sicherheitsdienste. Beides kostet richtig Geld und wird deshalb nicht als erste Wahl betrachtet.

Lesen Sie dazu auch: Streetworker - Corona hat die Jugendkultur verändert

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