Bildung

AES kehrt zum Präsenzunterricht zurück

Martina Gathen präsentiert die bunten Schilder, die überall in den Gebäuden der Albert-Einstein-Schule hängen. Sie weisen den Jahrgangsstufen den Weg zu ihren Räumen. Foto: Roland Keusch
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Martina Gathen präsentiert die bunten Schilder, die überall in den Gebäuden der Albert-Einstein-Schule hängen. Sie weisen den Jahrgangsstufen den Weg zu ihren Räumen.

600 Remscheider Schüler mussten vor den Ferien in Quarantäne – Nur zwei davon waren corona-positiv.

Von Manuel Böhnke

Remscheid. Das Leben ist in die Albert-Einstein-Schule (AES) zurückgekehrt. Nachdem Schulleiterin Martina Gathen den Präsenz-unterricht wegen einiger Corona-Fälle Ende September einstellen musste, wird an der Brüderstraße wieder gelernt. Auch an den anderen Remscheider Schulen ging es am Montag nach den Herbstferien wieder los. „Wir hoffen, den Betrieb so lange wie möglich aufrechterhalten zu können“, betont Gathen.

Vor den Ferien häuften sich die Corona-Fälle in Remscheids Kitas und Schulen. Stark betroffen war die AES: Acht Kinder wurden dort positiv auf Covid-19 getestet. Für zahlreiche Kurs- und Klassenkameraden sowie Lehrer bedeutete das Quarantäne. Präsenzunterricht war wegen der fehlenden Kapazitäten nicht mehr zu gewährleisten.

Gegenseitig angesteckt haben sich die Schüler kaum, sagt Thomas Neuhaus. Der Schuldezernent und Leiter des Corona-Krisenstabs betont, dass die Übertragung des Virus in Schulen nur auf dem „allerniedrigsten Niveau“ stattgefunden habe. In Zahlen ausgedrückt bedeutet das: 600 junge Remscheider mussten in Quarantäne, weil sie in ihrer Klasse oder ihrem Kurs Kontakt zu einem infizierten Mitschüler hatten. Alle wurden getestet. Lediglich zwei waren positiv.

„Wir hoffen, den Betrieb so lange wie möglich aufrechterhalten zu können.“
Martina Gathen, Schulleiterin

Dies bestätigt Carlos Sánchez darin, dass die Schulen in der Regel kein Teil der Infektionsketten sind. Der ehemalige Leiter der Sophie-Scholl-Gesamtschule ist bei der Bezirksregierung Düsseldorf für die Gesamt- und Sekundarschulen zuständig. „Die sichersten Orte, die ich in den vergangenen Monaten besucht habe, waren Schulen“, sagt Sánchez. Was er damit meint: Im Gegensatz zum privaten Bereich gibt es in den Einrichtungen klare Regeln zum Infektionsschutz.

Wie lange Präsenzunterricht angesichts des aktuellen Infektionsgeschehens möglich ist, vermag Sánchez nicht zu sagen. „Doch was wäre die Alternative?“, fragt er. Für Stadt und Bezirksregierung hat das Lernen in den Schulen Priorität. Sie wollen möglichst viel Normalität gewährleisten, die Familien entlasten. „Unsere Schüler wollen auch zurück und halten sich toll an die Vorgaben“, ergänzt Gathen. In den Homeschooling-Phasen hat eine Sozialpädagogin Kontakt zu den Kindern gehalten.

Dass ganze Klassen- und Kursverbände bei einem Positivfall in Quarantäne müssen, liegt an Richtlinien des Robert-Koch-Instituts. Angesichts der niedrigen Ansteckungsquote in Schulen wirft Thomas Neuhaus die Frage nach der Verhältnismäßigkeit der Maßnahme auf. Um zu verhindern, dass einige Positivfälle wieder eine ganze Schule wie die AES lahmlegen, habe es im Rathaus Überlegungen gegeben, einen anderen Weg zu gehen. In Quarantäne müsste nicht, wer die geltenden Infektionsschutzregeln eingehalten hat. Einstweilen sehen die Verantwortlichen davon ab. Neuhaus kündigt jedoch an, mit dem Landeszentrum Gesundheit im Gespräch bleiben zu wollen.

Regelmäßig in Kontakt sind auch Martina Gathen und die Schulpflegschaft der AES. „Wir fühlen uns gut aufgehoben“, betont deren Vorsitzende Claudia Büttner. Dennoch gebe es durchaus Eltern, die die Rückkehr zum Präsenzunterricht kritisch sähen und sich einen Mix mit dem Lernen auf Distanz wünschten. Dafür bedarf es noch der Endgeräte für die Schüler, die bislang keinen Zugang dazu haben (| Kasten). „Ich wünsche mir, dass die Digitalisierung schneller voranschreitet“, sagt die Mutter eines AES-Oberstufenschülers. Gleichzeitig fragt sie nach Lösungen für das Lüften der Klassenräume im Winter. Alle 20 Minuten muss das an der AES zukünftig erfolgen.

Der Schulbetrieb in der Pandemie bleibt eine Herausforderung. Das weiß Claudia Schick aus erster Hand. Augenblicklich sucht die Lehrerin nach einer Alternative für die Sporthalle der AES. Sie gehört zu den zehn Remscheider Hallen, die wegen fehlender Möglichkeiten zur Durchlüftung geschlossen bleiben. Außerdem haben Schick und Martina Gathen die Corona-Regeln der Gesamtschule noch einmal angepasst. Dank des Einsatzes des Kollegiums werden an der AES viele Maßnahmen umgesetzt, betont die Schulleiterin. „Mehr ist nicht zu schaffen.“

Endgeräte

Thomas Neuhaus rechnet damit, dass die ersten 2500 digitalen Endgeräte für bedürftige Schüler noch in diesem Jahr Remscheid erreichen. Noch einmal die gleiche Zahl folgt voraussichtlich im Frühjahr 2021. „Auch bei den Geräten für die Lehrer sind wir auf dem Weg.“

Standpunkt: Aufs Beste hoffen

Von Sven Schlickowey

Masken, Lüften, Abstand halten auf dem Schulhof – und das Beste hoffen. Die Corona-Strategie an nordrhein-westfälischen Schulen hat sich in den letzten Monaten nur unwesentlich weiterentwickelt.

sven.schlickowey@rga-online.de

Auch weil nach den Sommerferien nun auch die Herbstferien verstrichen sind, ohne dass auch nur ein echter Fortschritt aus dem zuständigen Ministerium in Düsseldorf zu vernehmen war. Ausbaden müssen wir das wieder mal vor Ort. 

Wo Lehrer und Schulleitungen mit einfachsten Mitteln und viel persönlichem Einsatz versuchen, den Laden am Laufen zu halten, statt auf Luftfilter, digitale Technik für den Fern- beziehungsweise Hybrid-Unterricht oder irgendeine andere Innovation setzen zu können. Und wo Schüler und Eltern einmal mehr das Gefühl bekommen, dass sie nicht ganz so wichtig sind wie Fluggesellschaften oder Tourismuskonzerne, die problemlos mit Milliarden Euro gestützt werden. Und wenn es schiefgeht? Dann liegt das Problem allein bei den Familien, die dann irgendwie die Betreuung des Nachwuchses geregelt bekommen müssen. 

Aktuelle Informationen zur Corona-Situation in Remscheid erhalten Sie in unserem Corona-Blog.

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