Solidarität mit den Menschen in der Ukraine

Kaum 100 Menschen bei der Ukraine-Demo vor dem Rathaus

Unter dem Motto „Haltung zeigen!“ hatte Remscheider Tolerant zur Demo aufgerufen. Es kamen nur wenige Teilnehmer. Foto: Michael Schütz
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Unter dem Motto „Haltung zeigen!“ hatte Remscheid Tolerant zur Demo aufgerufen. Es kamen nur wenige Teilnehmer.

Zweite Demonstration gegen den Krieg von Remscheid Tolerant.

Von Sven Schlickowey

Remscheid. Deutlich weniger Menschen als gedacht nahmen am Samstagnachmittag an der zweiten Friedensdemo von Remscheid Tolerant teil. Waren vor knapp zwei Wochen noch rund 600 Teilnehmer gegen den Ukraine-Krieg durch die Stadt gezogen, kamen diesmal nur etwa 100 Menschen auf dem Rathausplatz zusammen.

„Haltung zu zeigen, ist offensichtlich nicht für jeden selbstverständlich“, kommentierte Musiker Jochen Wingsch, der die Veranstaltung auf seiner Gitarre begleitete, das Bild, das sich vor dem Rathaus bot. Umso deutlicher bedankten er und die anderen Redner sich bei denen, die gekommen waren.

Vertreten waren verschiedene Organisationen wie die Praxis ohne Grenzen, zudem Parteien, darunter vor allem die SPD, die Grünen und die Linke. Aber auch einige Familien, teils mit kleinen Kindern, und viele Jugendliche waren gekommen.

„Ich weiß selbst kaum, wie ich diese Emotionen, diese Angst, diese Erschütterung in Worte fassen soll“, sagte Sofia Rodriguez Eckwert.

Die 16-Jährige war zusammen mit Lara Heibeck (17) für einen der Redebeiträge verantwortlich. Emotional schilderten die beiden jungen Frauen, wie sie den Krieg in Europa und das Leid der Menschen erleben: „Noch vor ein paar Wochen waren wir sicher in Europa“, sagte Lara Heibeck.

Neben Musik – teils live von Jochen Wingsch, teils aus der Konserve – lieferte Organisator Sascha von Gerishem auch ganz praktische Hinweise, wie man von Remscheid aus helfen kann: Bilder von Friedensdemos in den sozialen Netzwerken könnten den Menschen in der Ukraine Mut machen. Und über Internet-Bewertungen von russischen Restaurants und anderen Anbietern könne es vielleicht gelingen, sonst nicht verfügbare Infos über den Krieg an die Menschen in Russland zu streuen.

Christine Krupp, die Remscheider SPD-Vorsitzende, erinnerte in ihrer Rede vor allem an das Schicksal der Ukrainerinnen und Ukrainer. Und daran, dass die Stadt schon 2015 Flüchtlinge willkommen geheißen habe. „Wir werden das als Remscheid auch diesmal wieder schaffen“, so Krupp. „Aber das schaffen wir nur zusammen.“

sven.schlickowey@rga.de

Remscheid hat laut offizieller Statistik 111 516 Einwohner. Mindestens 111 416 davon waren also am Samstag nicht bei der Friedensdemo vor dem Rathaus.

Es mag viele und teils auch gute Gründe geben, nicht an einer solchen Demonstration teilzunehmen, doch das eher überschaubare Häufchen Menschen, das da am Samstagnachmittag zusammenkam, sendet schon ein recht merkwürdiges Signal aus. Erst recht, weil es vor zwei Wochen noch mehr als sechsmal so viele Teilnehmer waren.

Bröckelt die Solidarität mit der Ukraine schon wieder? Löst die Sorge um hohe Sprit- und andere Preise die Gedanken an den Krieg ab? Nimmt das Gefühl, doch nichts tun zu können, überhand? Fest steht: In digitalen Zeiten rauschen solche Bilder unter Umständen in Sekunden um die Welt. Und die ukrainischen Flüchtlinge, die schon bei uns sind, sehen sie ohnehin.

Ist das wirklich das Bild, das Remscheid von sich selber senden möchte? Wenn nicht, sollten wir uns mal über die vielen und teils auch guten Gründe, die für die Teilnahme an einer solchen Demonstration sprechen, Gedanken machen.

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