Dinge von Wert nicht verramschen

Kaufhaus Remscheid: „Ecke für Besonderes“ sorgt für Irritation

Kaufhaus-Leiterin Petra Kipp-Schumacher auf einem Ledersofa. Kostenpunkt: 50 Euro, gegebenenfalls abzüglich Rabatt.
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Kaufhaus-Leiterin Petra Kipp-Schumacher auf einem Ledersofa. Kostenpunkt: 50 Euro, gegebenenfalls abzüglich Rabatt. 

Eine rund 40 Jahre alte Kaffeemaschine für 35 und ein Standglobus für fast 500 Euro - die Preise einzelner Artikel im Kaufhaus Remscheid am Markt sorgten unlängst für Aufregung in den sozialen Medien.

Von Sven Schlickowey

Remscheid. Eine rund 40 Jahre alte Kaffeemaschine für 35 und ein Standglobus für fast 500 Euro - die Preise einzelner Artikel im Kaufhaus Remscheid am Markt sorgten unlängst für Aufregung in den sozialen Medien. Zu diesen Preisen, so der Tenor, könnten sich Bedürftige das wohl kaum leisten.

Abteilungsleiter Christoph Mittelbach zeigt den Standglobus, den das Sozialkaufhaus Remscheid derzeit anbietet.

Eine Aufregung, die Ralf Barsties, Geschäftsführer der Arbeit Remscheid, die das Kaufhaus seit 2006 betreibt, nur teilweise nachvollziehen kann. Die beiden Artikel - die Kaffeemaschine ein gesuchtes Sammlerstück, der Globus neu über 1000 Euro teuer - seien aus der kleinen „Ecke für Besonderes“, die es seit kurzem im Kaufhaus gebe. „Die Masse der Dinge, die wir verkaufen, bieten wir zu sehr, sehr verträglichen Preisen an.“ Und Menschen, die auf staatliche Transferleistungen angewiesen seien, bekämen mit der Kaufhaus-Remscheid-Karte noch einmal 30 Prozent Nachlass auf die Preise.

Vielleicht sei es nicht clever gewesen, ausgerechnet diese vergleichsweise teuren Stücke im Schaufenster zum Markt hin zu präsentieren, räumt der Geschäftsführer ein. „Aber wir haben natürlich das Interesse, sehr unterschiedliche Menschen ins Kaufhaus zu bekommen.“ Deswegen biete man dort auch regelmäßig Eingemachtes aus der Produktionsschule der Arbeit Remscheid oder selbstgebaute Vogelhäuschen an.

Außerdem wolle man Dinge mit Wert auch nicht verschenken oder verramschen, sagt Barsties. „Bei Schallplatten haben wir das in der Vergangenheit erlebt, dass Aufkäufer unser Angebot gezielt durchforstet haben.“ Die Vinyl-Scheiben, die das Kaufhaus für ein paar Cent abgegeben hat, seien später für ein Vielfaches in den einschlägigen Internet-Foren angeboten worden. „Inzwischen googeln wir auch“, so Barsties. Die Mitarbeiter gäben sich Mühe, den wahren Wert der angebotenen Artikel zu ermitteln.

Kaufhaus kommt seit 2009 ohne Zuschüsse der Stadt aus

Solche Artikel würden ohnehin nur einen Bruchteil des Angebots im Kaufhaus ausmachen, betont Ralf Barsties: „Über diese Verkäufe verdienen wir sicher nicht das große Geld.“ Hauptaugenmerk liege weiterhin auf gebrauchte Möbel, Kleidung und andere Artikel zu günstigen Preisen. Die meisten Dinge stammten aus Spenden, erklärt Ralf Barsties. Der Verkauf erfolge auch mit dem Ziel, dass diese im Sinne der Nachhaltigkeit eine neue Nutzung finden.

Und wenn zum Beispiel der Globus für 495 Euro irgendwann einmal einen Abnehmer fände, könnten Kaufhaus und Arbeit Remscheid die Einnahmen gut gebrauchen. „Wir zahlen damit die Miete, den Strom, unsere Mitarbeiter, die Fahrzeuge“, zählt Barsties auf, die Arbeit Remscheid sei ja viel mehr als das Kaufhaus am Markt. Seit 2009 komme man ohne Zuschüsse der Stadt aus, Gewinne habe man nie gemacht.

„Keiner unserer Gesellschafter erhält auch nur einen Cent Ausschüttung.“ Das sei bei einer gemeinnützigen GmbH wie der Arbeit Remscheid auch gar nicht erlaubt.

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