Kurios

Katzenfutter für 2,99 Euro beschäftigt die Gerichte

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Das Verfahren wurde ohne Urteil und Strafe beendet.

Von Dirk Lotze

Remscheid. Posse in einem Prozess um Ladendiebstahl in Lennep. Ein 60 Jahre alter, früherer Justizvollzugsbeamter sollte eine Packung Marken-Katzenfutter aus einem Lebensmittel-Discounter gestohlen haben, die dort als Aktionsware angeboten wurde. Das Amtsgericht hatte den Mann zu Geldstrafe verurteilt. In der Berufung vor dem Landgericht entpuppte sich der Fall als Verwechslungskomödie um zwei Packungen Futter unterschiedlicher Größe und aus verschiedenen Geschäften. Der Frühpensionär erhielt ein Verfahrensende ohne Urteil und Strafe.

Laut Anklage sollte der 60-Jährige am 6. Dezember 2019 den angeblichen Tatort betreten haben. Er habe an der Kasse seine Tasche vorgezeigt: Darin war eine Packung Katzennahrung vom Geschäft nebenan. Der Mann war als Kunde bekannt. Der Discounter bot an dem Tag die Marke zum Sonderangebotspreis an. Im Laden soll ein Detektiv beobachtet haben, wie der Mann eine entsprechende Packung in eine Tasche seiner Weste steckte. Womöglich habe er auch die mitgebrachte Packung eingetauscht. Der Detektiv rief die Polizei.

Nur dass schon nach zehn Minuten niemand mehr so ganz sicher war, welche Packung der Mann denn nun in seine Kleidung gesteckt hatte: die Kleinere von nebenan – sozusagen das Muster – oder die Größere, aus dem Sonderangebot. Der Detektiv nahm eine Packung an sich und brachte sie in den Discounter zurück. Es war die Falsche, das fiel nach einer Woche auf. Die Ermittlungen liefen noch drei Monate weiter. Laut Gericht müsste in dem Markt in Lennep weiter eine Packung Katzenfutter liegen, die der Laden nie im Sortiment hatte. Und die teurer war, als die angeblich gestohlene Aktionsware.

Der Mann wiederum sagte, er sei einfach unachtsam gewesen. Er habe eine Packung in seine Weste gesteckt und nicht darauf geachtet, welche es war. Und ja, er nehme nun bei Einkäufen immer den Kassenbon mit, damit sich notfalls alles nachvollziehen lasse.

Fazit der Staatsanwältin: „Erst an der Kasse die Taschen zeigen und dann die gleiche Ware stehlen? Auffälliger ginge es ja wohl nicht.“ Das Gericht stellte klar: „Man muss sich fragen, ob man damit die Justiz befassen muss, womöglich mit Fortsetzungsterminen.“ – und in diesem Fall bei einem Packungspreis von 2,99 Euro.

Die Einstellung des Verfahrens erfolgt wegen Geringfügigkeit, wie es die Staatsanwältin beantragte. Die Kosten trägt die Landeskasse.

Straßenprügelei und Raub: Angeklagter (20) nimmt Strafe an. Der Angeklagte hatte einem Gleichaltrigen unter Schlägen eine Zigarette abgepresst. Es läuft ein weiteres Verfahren gegen ihn.

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