Katharina Garrard liefert Cross-over auf hohem Niveau

Katharina Garrard zeigte Klassik von einer anderen, spannenden Seite. Auch die Besucher durften mit Musik machen. Foto: Doro Siewert
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Katharina Garrard zeigte Klassik von einer anderen, spannenden Seite. Auch die Besucher durften mit Musik machen. Foto: Doro Siewert

Konzert im Rotationstheater mit Violine und Piano

Von Peter Klohs

Lennep Direkt zu Anfang ihres Konzertes am Samstag im Rotationstheater gesteht die Musikerin Katharina Garrard den 30 Besuchern: „In meiner Brust schlagen verschiedene musikalische Herzen.“ Das Hauptinstrument der Berliner Musikerin ist die Violine. Aber wie der Abend zeigen wird, kann sie ebenso singen und Piano spielen, beides in diversen Techniken. Die siebzig Minuten andauernde Show entpuppt sich als Cross-over auf hohem Niveau.

Zumeist klassische Themen werden von der Violinistin in Heimarbeit bearbeitet und verfremdet und sorgen im Konzert per Computer als Basis, auf der sich Garrard austoben darf. Dies zeigt sich schon im ersten Song, in dem die Musik von Johann Sebastian Bach mit der von Carl Orff eine Verbindung eingeht, mit Beat-Rhythmen unterlegt, die noch moderat daherkommen. Garrard spielt ihre Violine gerne in extremen Lagen, manches Mal so tief, als hätte sie eine Viola in der Hand, dann wieder so hoch, als sei die Geige nunmehr eine Piccolo-Ausführung.

Donizettis „Der Liebestrank“ steht gleichberechtigt neben einer Introduktion von Camille Saint-Saens, die in der Bearbeitung der Musikerin beinahe wie von Mike Oldfield erdacht wirkt. Zum berühmten Schwanensee-Motiv erklingen Downbeat-Loops mit viel Hall, so dass das liebliche Thema leicht bedrohlich daherkommt. Das alles hat etwas von der Musik des Aachener Geigers David Garrett, den Katharina Garrard in einer Ansage auch als ihren „großen Bruder“ bezeichnet. Und dann rockt es richtig: Zu Led Zeppelins „Kashmir“ lässt es Garrard krachen, die Finger fliegen über die Saiten, der Rhythmus stampft.

Der Höhepunkt: Version von „Smells like teen spirit“ am Piano

Aber der Höhepunkt steht noch bevor: Die Musikerin wechselt ans Piano und spielt eine seltsam zerbrochene Version von Nirvanas Grunge-Hit „Smells like teen spirit“, die eine soghafte Wirkung erzeugt, wie sie zuweilen Kate Bush zu erschaffen vermag. Der Track wird durch die Chopin-Etüde, die Garrard in der Mitte des Stückes spielt, aufgewertet. Das ist große Musik, visionär, mutig, eigen. Das nachfolgende „True colors“ (Cyndi Lauper) muss dagegen verblassen. Trotz Kontaktbeschränkungen darf das Publikum mitmachen. Garrard lässt desinfizierte Percussion-Instrumente verteilen, Tambourine und Rasseln – eine herrliche Jamsession, die auch die am Piano sitzende Musikerin begeistert.

Nach einer Stunde endet das Konzert mit Soul und einer Gigue aus Schottland schwungvoll. Aber das Publikum hat noch nicht genug. Nach der durchaus witzigen Koketterie Garrads mit der Zugabe dürfen die Zuhörer der stark bearbeiteten Version der Arie der Königin der Nacht aus Mozarts Zauberflöte lauschen. Die Frage, ob sich Mozart und Techno ergänzen können, wird in diesen fünf Minuten positiv beantwortet.

Passenderweise endet das Konzert nach siebzig Minuten mit einer auf der Violine gespielten wehmütigen Ballade. Es war der letzte Kulturabend im Rotationstheater für vier Wochen.

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