Interview der Woche

Katastrophenschützer: „Remscheid ist gut vorbereitet“

Sascha Ploch bittet die Remscheider um Unterstützung. Bei einer Notsituation kommen Feuerwehr und andere Organisationen den Menschen zuverlässig zur Hilfe. Eine gewisse Zeit sollte sich jedoch jeder Mensch selbst helfen können, sagt der Katastrophenschützer.
+
Sascha Ploch bittet die Remscheider um Unterstützung. Bei einer Notsituation kommen Feuerwehr und andere Organisationen den Menschen zuverlässig zur Hilfe. Eine gewisse Zeit sollte sich jedoch jeder Mensch selbst helfen können, sagt der Katastrophenschützer.
  • Axel Richter
    VonAxel Richter
    schließen

Bei Gasmangellage oder Blackout: Sascha Ploch (42) ist für den Schutz der Zivilbevölkerung zuständig.

Herr Ploch, die Stadtwerke befürchten den Gas-Notstand. Wie gut ist Remscheid vorbereitet, wenn Putin den Hahn zudreht?

Sascha Ploch: Wir befinden uns als Katastrophenschutzbehörde im ständigen Austausch mit den Stadtwerken, den Technischen Betrieben, mit der Polizei und den Hilfsorganisationen. Alle Akteure haben zudem früh begonnen, sich auf die verschiedenen Szenarien vorzubereiten. Remscheid ist für den Fall einer Gasmangellage oder auch eines Blackouts deshalb gut vorbereitet und handlungsfähig.

Das heißt? Was unternehmen Sie, wenn wir einen kalten Winter erleben und der Brennstoff ausbleibt?

Ploch: Wir können in einem solchen Fall Räume anbieten, die gewärmt sind. Wir sprechen von Katastrophenschutz-Leuchttürmen. Dazu würden wir alle Feuerwehr-Gerätehäuser erklären, dazu auch die Schulen und Sporthallen in Remscheid. Die Gerätehäuser wären Anlaufstelle für die Bürger, wo sie zum Beispiel wichtige Informationen abfragen können: Welche Apotheke hat geöffnet? Wo lassen sich Lebensmittel kaufen? Welcher Arzt hat Notdienst? Dort wäre auch eine medizinische Erstversorgung möglich. Das Konzept hat sich bei der Unwetterlage im Ahrtal bewährt.

Und die Schulen und Sporthallen würden zur Unterbringung dienen?

Ploch: Ja. Dazu verfügen wir über mobile Heizungen, Notstromaggregate und Lichtmasten. Auch damit können wir den Menschen helfen, die sich selbst nicht helfen beziehungsweise schützen können.

Welche anderen Notfallszenarien liegen für die Feuerwehr im Bereich des Möglichen?

Ploch: Unsere Planungen reichen von der Möglichkeit einer Trinkwasserknappheit infolge von langanhaltender Trockenheit, über eine Unwetterlage bis hin zur Havarie eines Atomkraftwerkes. Tihange in Belgien ist nicht weit entfernt. Wir müssen auf alles vorbereitet sein.

Ich höre die ersten schon „Panikmache“ rufen.

Ploch: Das würde ich zurückweisen. Ich orientiere mich an Risikoanalysen. Auch wenn die Wahrscheinlichkeit einer Katastrophe nur bei wenigen Prozent liegt, müssen wir darauf vorbereitet sein.

Der Bevölkerungsschutz hat lange Zeit eine untergeordnete Rolle gespielt. Wie wollen Sie die Menschen dafür sensibilisieren?

Ploch: Ja. Nach Ende des „Kalten Krieges“ Anfang der 90er Jahre wurden die bestehenden Strukturen des Zivilschutzes massiv zurückgefahren und die Bevölkerung wurde nicht mehr ausreichend über den Selbstschutz und die Selbsthilfe informiert. Frühere Generationen hatten noch volle Einmachgläser im Keller stehen.

Und die wussten auch noch, was die verschiedenen Sirenensignale bedeuten.

Ploch: Ja. Das ist verloren gegangen. Deshalb müssen wir die Menschen informieren, immer verbunden mit dem Rat, die Empfehlungen auch ernst zunehmen.

Ist das nicht der eigentliche Knackpunkt? Selbst die Warnungen vor der Flut im vergangenen Jahr wurden vielerorts nicht ernst genommen und Straßensperren umfahren. Nehmen wir Gefahren zu sehr auf die leichte Schulter? Sind wir ignorant?

Ploch: Was Sie beschreiben, erleben wir als Feuerwehr tatsächlich beinahe täglich. Flatterband am Einsatzort wird regelmäßig ignoriert. Ich glaube aber, dass viele Menschen mit Gefahrenlagen und dem richtigen Verhalten in solchen Lagen nichts mehr anzufangen wissen. Deshalb müssen wir umso mehr informieren.

Das tun sie zum Beispiel am 3. September. Für diesen Samstag laden Sie zum Tag der offenen Tür ein. Der steht ganz im Zeichen des Katastrophen- und Bevölkerungsschutzes. Was haben Sie vor?

Ploch: Die Kollegen, die den Tag planen, sind in der Mottofindung immer sehr kreativ und haben ein gutes Gespür dafür, was die Menschen interessiert. Das Motto Hilfe zur Selbsthilfe stand allerdings bereits vor dem russischen Einmarsch in die Ukraine fest. Das Handeln in Notsituationen, zum Beispiel bei Hochwasser, Sturm oder auch Stromausfall wird deshalb im Mittelpunkt stehen.

Was kann jeder selbst tun, um sich und andere zu schützen?

Ploch: Zunächst muss sich jeder darüber bewusst sein, dass die zuständigen Behörden nicht leichtsinnig mit Informationen über drohende Gefahren umgehen. Sie beurteilen die Lage genau. Daher sollte jeder eine Warnung ernst nehmen und die Anweisungen befolgen. Feuerwehr, Rotes Kreuz, Technisches Hilfswerk, Polizei und alle anderen Einsatzkräfte sind auch auf große Einsatzlagen vorbereitet. Bis die Hilfe eintrifft, vergeht jedoch Zeit. Deshalb muss sich jeder für eine gewisse Zeit selber helfen können. Deshalb raten wir den Bürgerinnen und Bürgern unter anderem, einen Notvorrat an Lebensmitteln vorzuhalten.

Um die Bevölkerung besser warnen zu können, kehren in Remscheid die Sirenen auf die Dächer zurück. Wie weit sind Sie damit?

Ploch: Die Fachfirma ist beauftragt. Der Aufbau wird in Kürze beginnen und muss auch noch in diesem Jahr abgeschlossen werden. Die Geräte kommen auf die Dächer städtischer Gebäude, aber auch auf Unternehmen und Einrichtungen.

Gibt es auch Beschwerden von Bürgern, die so ein Ding nicht in ihrer Nähe haben wollen?

Ploch: Nein, dazu liegt uns nichts vor.

Es soll ja auch Menschen geben, die keine Feuerwache in der Nachbarschaft wollen. Weil da schonmal Autos mit Martinshorn rausfahren.

Ploch: Ja, die gibt es. Aber nicht bei uns in Remscheid.

Zur Person

Sascha Ploch (42) ist Brandamtsrat und bei der Feuerwehr Remscheid zuständig für den Katastrophen- und Zivilschutz der Bevölkerung. Der Remscheider besuchte die Albert-Einstein-Gesamtschule und absolvierte eine Ausbildung zum Zerspanungsmechaniker, bevor er damals zur Berufsfeuerwehr Remscheid wechselte. Der 42-Jährige ist verheiratet und Vater von drei Kindern.

Feuerwehr in Remscheid spielt Notfallszenarien durch

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Aldi kommt ins Allee-Center – Eröffnungstermin steht fest
Aldi kommt ins Allee-Center – Eröffnungstermin steht fest
Aldi kommt ins Allee-Center – Eröffnungstermin steht fest
Wie sicher ist Remscheid wirklich?
Wie sicher ist Remscheid wirklich?
Wie sicher ist Remscheid wirklich?
Knutschkugel Pasa sucht einen Platz an der Sonne
Knutschkugel Pasa sucht einen Platz an der Sonne
Knutschkugel Pasa sucht einen Platz an der Sonne
Weihnachtsmarkt: Lüttringhausen rückt eng zusammen
Weihnachtsmarkt: Lüttringhausen rückt eng zusammen
Weihnachtsmarkt: Lüttringhausen rückt eng zusammen

Kommentare