Versorgung

Kassen bezahlen Hilfe im Haushalt

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Spülmaschine ein- und ausräumen, die Wäsche machen, putzen und andere hauswirtschaftliche Tätigkeiten können bei Pflegebedürftigen zumindest teilweise mit der Kasse abgerechnet werden. Der Entlastungsbetrag macht es möglich.

Entlastungsbetrag und Haushaltshilfe für gesetzlich Versicherte.

Von Sven Schlickowey

Remscheid. Im Alter fällt das Tragen der Einkaufstaschen schwer, und der Hausputz geht nicht mehr so leicht von der Hand. Nach einer Operation oder einem Unfall klappt das mit dem Kochen nicht mehr so gut, und auch die Gassi-Runde mit dem Hund ist kaum mehr möglich. In solchen Fällen gibt es professionelle Hilfe, die in vielen Fällen sogar von der Pflege- oder Krankenkasse bezahlt werden.

So hat der Remscheider Gebäudedienstleister Wege im September vergangenen Jahres sein Angebot um ambulante Hauswirtschaft erweitert. Der Bereiche beinhalte alle „haushaltsüblichen Tätigkeiten, sagt Hauswirtschafterin Alina Vesper: „Wir wischen Flächen und putzen Fenster, gehen einkaufen und setzen uns auch einfach mit den Menschen hin und unterhalten uns mit ihnen“, beschreibt sie das Aufgabengebiet. „Wir machen im Prinzip all das, was auch eine Mama machen würde.“ Und das entweder kurzzeitig oder auch dauerhaft.

„Die meisten älteren Menschen wissen gar nicht, dass ihnen das zusteht.“
Alina Vesper über den Entlastungsbetrag

Gerade für Pflegebedürftige sei das Angebot gut geeignet, sagt Alina Vesper. Bereits ab Pflegegrad 1 steht jedem ein sogenannter Entlastungsbetrag zu. 125 Euro stehen dann unabhängig von der Höhe des Pflegrades pro Monat „zur Förderung der Selbstständigkeit und Selbstbestimmtheit der Pflegebedürftigen bei der Gestaltung ihres Alltags“, so formuliert es das Bundesgesundheitsministerium, zur Verfügung.

Und der Betrag verfällt noch nicht einmal, wenn er nicht sofort aufgebraucht wird. Geld, das am Ende des Kalenderjahres noch nicht verbraucht wurde, kann bis zum Ende des darauffolgenden Jahres übertragen werden. Wer also schon länger pflegebedürftig ist und den Entlastungsbetrag bisher nicht genutzt hat, hätte bis Ende dieses Jahres noch 3000 Euro zur Verfügung.

Das Problem sei nur, dass diese Leistung nahezu unbekannt sei, sagt Alina Vesper: „Die meisten älteren Menschen wissen gar nicht, dass ihnen das zusteht“, sagt sie – und berichtet von einem Privathaushalt, in dem die Firma Wege schon länger putzt. Das Ehepaar sei völlig überrascht gewesen, dass man zumindest einen Teil dieser Kosten über die Pflegekasse abrechnen könne. Und dass dafür meist ein einfacher Antrag genüge.

Ähnliches gelte auch für gesetzlich Versicherte, die einen Haushalt führten und krankheitsbedingt ausfielen, sagt Alina Vesper. Zum Beispiel während und nach einem Krankenhausaufenthalt oder einer ambulanten Operation bezahlt die Krankenkasse eine Haushaltshilfe, wenn kein anderes Haushaltsmitglied den Haushalt weiterführen kann.

Voraussetzung ist aber, dass es sich um einen kurzfristigen Bedarf handelt. Im Normalfall für maximal vier Wochen, lebt im Haushalt ein Kind unter zwölf Jahren oder eines mit Behinderung, verlängert sich diese Frist sogar auf bis zu 26 Wochen. Allerdings existieren bei einigen Kassen Verträge mit entsprechenden Dienstleistern, so dass man sich die Haushaltshilfe nicht immer frei aussuchen kann.

Um die Bewilligung der Leistungen müsse sich der Kunde meist selbst kümmern, berichtet Alina Vesper. Jedoch stehe sie in Kontakt zu einer ehrenamtlichen Helferin, die beim Papierkram helfen kann. Bisher habe die Firma Wege für das neue Angebot erst eine Hand voll Kunden gewonnen, sagt die Hauswirtschafterin: „Das ist während Corona natürlich schwierig.“ Doch der Bedarf sei ohne Zweifel da, auch in der Pandemie, zum Einkaufen zum Beispiel. Die Menschen müssten nur von dieser Möglichkeit erfahren.

Hintergrund

Der Entlastungsbetrag ist in Paragraf 45b SGB XI geregelt: „Der Betrag ist zweckgebunden einzusetzen für qualitätsgesicherte Leistungen zur Entlastung pflegender Angehöriger und vergleichbar Nahestehender in ihrer Eigenschaft als Pflegende sowie zur Förderung der Selbstständigkeit und Selbstbestimmtheit der Pflegebedürftigen bei der Gestaltung ihres Alltags“, heißt es dort. Dazu können auch eine Begleitung zum Arzt oder bei einem Spaziergang sowie Sing-, Bastel- und Bewegungsangebote gehören. Dabei gilt das Erstattungsprinzip, es werden nur tatsächliche abgerechnete Leistungen nachträglich erstattet.

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