Gegen saure Böden

TBR sperrten Waldwege - Hubschrauber kalkt den Wald

Im Tiefflug fliegt der Hubschrauber über die Remscheider Waldflächen und verteilt den Kalk, mit dem saure Böden bekämpft werden. Fotos: Roland Keusch
+
Im Tiefflug fliegt der Hubschrauber über die Remscheider Waldflächen und verteilt den Kalk, mit dem saure Böden bekämpft werden.

Ein Hubschrauber verteilte 450 Tonnen Kalk über den Remscheider Forstgebieten. So soll der Säuregehalt der Waldböden ausgeglichen werden.

Von Sven Schlickowey

Remscheid. Im vergangenen Jahr hatte das Wetter noch für Verzögerungen gesorgt, diesmal ging alles glatt. Die diesjährige Kalkung der Remscheider Wälder wurde am Donnerstagvormittag abgeschlossen. Rund 450 Tonnen Kalk wurden seit Montag per Hubschrauber ausgebracht. Diesmal auf rund 150 Hektar privaten wie städtischen Wald nördlich der Eschbachtalsperre.

Alle sieben bis zehn Jahre kalke man jedes Gebiet im Schnitt, berichtet Karim Barkouni, Mitarbeiter in der Forstverwaltung der Technischen Betriebe Remscheid. „Das ist das beste Mittel gegen saure Böden.“ Denn obwohl der Ausstoß von Schwefel insbesondere durch die Industrie und den Verkehr in den letzten Jahren zurückgegangen ist, ist saurer Regen nach wie vor eine der größten Gefahren für den Wald. In einigen Regionen ist der Säuregehalt im Boden seit Beginn des 20. Jahrhunderts um das 250-Fache gestiegen. 

Remscheid: Kalk neutralisiert Säure im Waldboden

Verantwortlich für die sauren Waldböden ist die Luftverschmutzung und dem damit einhergehenden die Entstehung von saurem Regen. Die Schwefelverunreinigungen der Atmosphäre stammen vor allem aus Verbrennungen von schwefelhaltigen fossilen Brennstoffen.

Schon seit 1980 werden in Deutschland deswegen Wälder gekalkt. Der Kalk neutralisiert die Säure und bringt den pH-Wert des Waldbodens wieder ins Lot. Und versorgt den Boden zugleich mit den Nährstoffen Calcium und Magnesium. Um das zu erreichen, wird kohlensaurer, dolomitischer Magnesiumkalk eingesetzt, der optisch eher an Sand erinnert. Und der im Gegensatz zu weißem Baukalk nicht alkalisch, also bei Kontakt mit der Haut nicht ätzend, wirkt und auch nicht mit Wasser exotherm reagiert.

Damit Spaziergänger nicht mit dem Kalk berieselt werden, haben die Technischen Betriebe Remscheid die Waldwege gesperrt.

Deswegen geht von dem Kalk auch keine Gefahr für Menschen aus – abgesehen davon, dass er manchmal verklumpt, und es so beim Streuen zu Verletzungen kommen kann. Fußgänger sollten die betroffenen Gebiete also meiden. Um die Waldtiere nicht mehr als unbedingt nötig zu stören, wird in der Regel übrigens im Herbst und Winter gekalkt.

Remscheid: Helikopter verteilte 450 Tonnen Kalk

Angeliefert wurden die 450 Tonnen per Lkw, verteilt wie in den Jahren zuvor per Helikopter. Rund eine Tonne Kalk fasst das Streuaggregat je Flug – entsprechend oft musste das Team der Firma DHD Helikopterservice, die den Auftrag wie im Vorjahr bekam, fliegen.

Dass die Waldflächen in Remscheid oftmals eher verteilt liegen, verkompliziere diese Aufgabe zudem, sagt Karim Barkouni: „Das ist natürlich einfacher, wenn man große, zusammenhängende Flächen hat.“ Unter anderem deswegen würden auch private und städtische Wälder zusammen gekalkt. „Die liegen ja direkt nebeneinander, es wäre zu umständlich, das auseinanderzuhalten.“ Zudem seien die privaten Zellen teils sehr klein. Im Schnitt besitzt ein privater Waldbesitzer in Remscheid weniger als zwei Hektar.

Während die Piloten also von oben nicht zwischen städtischem und privaten Forst unterscheiden und auf beidem jeweils rund drei Tonnen Kalk je Hektar verteilen, machen die Besitzverhältnisse bei der Finanzierung der Waldkalkung schon einen Unterschied. Gefördert werde die von Bund und Land, sagt Barkouni, allerdings unterschiedlich hoch.

Für die Kosten für die privaten Flächen gibt es 90 Prozent Zuschuss, den Rest zahlt der Forstverband. Für den städtischen Wald tragen das Land NRW und der Bund „nur“ 70 Prozent der Kosten. Zumindest bei einem erfolgreichen Fördermittelantrag, zu dem zwingend Bodenproben gehören, wie Karim Barkouni erklärt: „Damit auch nur gekalkt wird, wenn es wirklich nötig ist.“

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesen

Corona: Inzidenz bei 5,4 - Sterberate in Remscheid steigt um 9,2 Prozent
Corona: Inzidenz bei 5,4 - Sterberate in Remscheid steigt um 9,2 Prozent
Corona: Inzidenz bei 5,4 - Sterberate in Remscheid steigt um 9,2 Prozent
Remscheider nach Diebstahl festgenommen
Remscheider nach Diebstahl festgenommen
Remscheider nach Diebstahl festgenommen
Live-Blog:  Diese Straßen sind noch gesperrt - Bürgerhilfe wird heute im Remscheider Rathaus ausgezahlt 
Live-Blog: Diese Straßen sind noch gesperrt - Bürgerhilfe wird heute im Remscheider Rathaus ausgezahlt 
Live-Blog: Diese Straßen sind noch gesperrt - Bürgerhilfe wird heute im Remscheider Rathaus ausgezahlt 
Verzögerung: Terrassen auf der Alten Bismarckstraße sollen erst ab Spätsommer entstehen
Verzögerung: Terrassen auf der Alten Bismarckstraße sollen erst ab Spätsommer entstehen
Verzögerung: Terrassen auf der Alten Bismarckstraße sollen erst ab Spätsommer entstehen

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Kommentare