Kultur

Kabarettist provoziert gerne mit kurzen Seitenhieben

Martin Zingsheim in der Klosterkirche. Foto: R. Keusch
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Martin Zingsheim in der Klosterkirche. Foto: R. Keusch

Martin Zingsheim wechselte in der Klosterkirche Lennep zwischen Unterhaltung und Satire.

Von Antje Dahlhaus

Er wirkt ein wenig wie der freundliche Nachbar, wenn Martin Zingsheim in Jeans und T-Shirt die Treppe in der Klosterkirche zur Bühne runterläuft. Er plaudert bei „Heute ist morgen schon retro“ über Alltägliches und nimmt beiläufig Fahrt auf.

„Ob der Abend Sie hier intellektuell weiterbringt, weiß ich nicht“, bekennt er provozierend und will weder die Zerstörung der Umwelt aufhalten noch einen ganzen Abend zum Thema „gut trinkbare Rotweine unter zwei Euro“ halten. Und weil das Publikum aufgewärmt werden will, singt er sein Lieblingslied mit der Erkenntnis, „dass ich manchmal alle Männer der Weltgeschichte, nur nicht ich selber bin“. Aber was solle man nach Vincent van Goch, Napoleon, Walt Disney, Aristoteles oder Leonardo da Vinci etc. denn noch sein wollen. „Alles wurde schon einmal gesagt, wenigstens so ungefähr.“ Die Frauen hätten es nach Hildegard von Bingen, Cleopatra, Jeanne d´Arc, Astrid Lindgren und Pina Bausch auch nicht leichter.

Er setzt sich für bedrohte Wörter ein und lässt verbale Dinosauriere wie „saumselig“ und „Chuzpe“ über die Bühne spazieren und amüsiert dabei ein Publikum, das ihm altersbedingt folgen kann. Und das er gerne mit kurzen Seitenhieben provoziert: „‘Einigkeit und Recht und Freiheit‘, macht diese Reihenfolge sie nicht stutzig?“, fragt er. Einige Zuhörer im Publikum lachen, andere nicht.

Ein Programm zwischen hart und heiter

Martin Zingsheim schlendert lässig zwischen Unterhaltung und Satire, findet, „alle elf Minuten verliebt sich ein Single über Parship, ich glaube, dass es immer derselbe ist“. Keine zwei Minuten später ist er in Dresden bei Pegida-Demos: „Wenn die so weitermachen, müssen wir Dresden in einigen Jahren wieder bombadieren lassen, dann trifft es kaum Ausländer.“

Es ist ein ausgependeltes Programm zwischen hart und heiter, bei dem er auch um männerspezifische Anliegen wie das „Wildpinkeln“ nicht drumherum kommt. In einigen Städten koste dieses Vergehen ab 30 Euro aufwärts, „wenn sie eine Leine umhätten, wäre es umsonst“.

Und da nicht jeder das Zeug zum Hund hat, macht er sich auch über Protestaktionen lustig. Online-Petitionen seien die Sitzblockaden von heute, ein Mausklick und ein „Huh, war ich mutig“.

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