Justizminister Thomas Kutschaty lobt JVA Lüttringhausen

Zur Mittagspause sind Werkstätten und Flure leer, denn die Häftlinge bekommen Mittagessen auf den Zellen: Gulasch mit Nudeln. Zuvor aber hat NRW-Justizminister Thomas Kutschaty live erlebt, wie die Insassen im Gefängnis arbeiten - und welche Ziele JVA-Leiterin Katja Grafweg (links) damit verfolgt.
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Zur Mittagspause sind Werkstätten und Flure leer, denn die Häftlinge bekommen Mittagessen auf den Zellen: Gulasch mit Nudeln. Zuvor aber hat NRW-Justizminister Thomas Kutschaty live erlebt, wie die Insassen im Gefängnis arbeiten - und welche Ziele JVA-Leiterin Katja Grafweg (links) damit verfolgt.

Haftzeit zu Ende - und dann? Die Justizvollzugsanstalt Lüttringhausen will noch enger als bisher mit heimischen Handwerksbetrieben zusammenarbeiten, in Remscheid und ganz NRW. Ziel ist es, Insassen nach ihrer Entlassung eine Beschäftigungsperspektive zu bieten - und gleichzeitig den Betrieben gegen den Fachkräftemangel zu helfen. NRW-Justizminister Thomas Kutschaty lobte dieses Projekt gestern bei einem Kennenlern-Besuch in der JVA.

"Alle sind in unserer Gesellschaft froh, wenn ein schwerer Straftäter hinter Gittern sitzt", sagte Kutschaty. "Aber irgendwann kommt er eben auch wieder frei - dann ist es unser Nachbar oder wir treffen ihn im Bus." Die Haft müsse die Insassen auch auf ein möglichst straffreies Leben nach der Entlassung vorbereiten.

Die JVA Lüttringhausen leiste dabei mit verschiedenen Programmen, der Arbeitstherapie und den Werkstätten, die er bei einem Rundgang kennen lernte, einen wertvollen Beitrag. Die Besonderheit: An der Masurenstraße befinden sich geschlossener und auch offener Vollzug. Wer sich innerhalb der Anstalt gut führt und später in den offenen Vollzug darf, kann tagsüber ganz normal "draußen" arbeiten. Über den Kontakt zu heimischen Betrieben hätten schon mehrere Männer eine Stelle für die Zeit nach der Haft bekommen.

Etwa 70 Prozent der Häftlinge gehen innerhalb der Mauern einer geregelten Arbeit nach. Die Schreinerei etwa fertigt die neuen Fenster für die JVA Siegburg, die Schuhmacherei stellt Schuhe für Justizbeamte und auch Privatleute her, zu bestellen unter www.knastladen.de.

"Irgendwann ist eswieder unser Nachbar."

Minister Kutschaty überPerspektiven nach der Haft

Der Minister zeigte sich beeindruck über die Qualität: "Mich könnten Sie hier 20 Jahre einsperren - das würde ich so nicht hinkriegen", konstatierte er beim Blick auf einen massiven Ahornschrank.

Problematisch sei indes die steigende Zahl an Häftlingen ohne Schul- und Berufsabschluss, die zum Teil überhaupt nicht mehr an ein strukturiertes Leben gewöhnt sind. 60 Prozent der Lüttringhauser Gefangenen haben keine Berufsausbildung, 60 Prozent waren vor der Inhaftierung langzeitarbeitslos. Es gebe Häftlinge, berichtete ein JVA-Mitarbeiter, die nicht in der Lage seien eine Uhr mit Ziffernblatt abzulesen.

Von der Sozial- und Arbeitstherapie bis zum nachgemachten Realschulabschluss reicht die Förder-Palette in Lüttringhausen, um Häftlinge zurück an ein strukturiertes Leben zu führen. Wer eine Ausbildung anschließen möchte, kann sich in andere JVAs verlegen lassen.

Win-Win-Win: Auch derSteuerzahler profitiert

Dass Knast-Chefin Katja Grafweg noch stärker als bisher mit Unternehmen zusammen arbeiten will, begrüßte der Minister. Das Übergangsmanagement sorge für eine "win-win-win"-Situation: "Es profitieren alle: der Gefangene, der Steuerzahler und der Handwerker."

JVA: NICHT MEHR VOLL BELEGT

MITARBEITER Die JVA beschäftigt 306 Mitarbeiter - von den Uniformierten bis hin zum Sozialarbeiter, Seelsorger und Verwaltungsmitarbeiter. 40 davon sind Anwärter, befinden sich also noch in der Ausbildung.

INSASSEN Die JVA Lüttringhausen hat 546 Plätze im geschlossenen Vollzugs, 270 im offenen Vollzug. Derzeit sind lediglich 520 bzw. 234 Plätze davon belegt. Damit ist die Lage nach langer Voll-Belegung derzeit so entspannt, dass etwa Zellen renoviert werden können oder Häftlinge gezielt zusammen - oder auseinander verlegt werden. Grund für die geringere Belegung: "Es kommen einfach weniger Inhaftierte nach."

WERKSTÄTTEN Etwa 70 Prozent der Häftlinge arbeiten. Schreinerei, Stickerei, Schuhmacherei, Polsterei, Lohnarbeiten, Näherei, Wäscherei, Schlosserei und ein Bereich für Lohnarbeiten gehören unter anderem zu den Betrieben. Kutschaty kam unter anderem durch eine Werkstatt, die Griffschalen für Baufahrzeuge herstellt - vom Schließzylinder bis zum fertigen Bauteil.

JVA braucht mehr Platz für die Werkstätten

 

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