Junger Solist reißt die 150 Zuschauer von den Sesseln

Bei Prokofjews 2. Violinkonzert konnte Solist David Nebel (l., 25) sein Talent unter Beweis stellen. Das Orchester umrahmte ihn dabei. Foto: Roland Keusch
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Bei Prokofjews 2. Violinkonzert konnte Solist David Nebel (l., 25) sein Talent unter Beweis stellen. Das Orchester umrahmte ihn dabei.

Publikum teilte die „Große Freude“ mit den Bergischen Symphonikern beim 10. Philharmonischen Konzert im Theater

Von Melissa Wienzek

Nur drei Worte um 19.30 Uhr ließen die rund 150 Zuschauer im Saal des Teo Otto Theaters bereits applaudieren: „Ist das schön!“ Theater-Chef Lutz Heinrichs sprach dem Publikum damit aus der Seele – schließlich waren seit dem letzten „On-fire!“-Konzert am 17. Oktober 2020 acht Monate vergangen. Dieses Gefühl, endlich wieder live ein Konzert mit anderen Menschen gemeinsam genießen zu können, wenn auch durchweg mit Maske, trug durch den ganzen Abend. „Es ist das Allerschönste, diese Freude mit Ihnen zu teilen“, bekannte auch Katie Knees, die den Bereich Education bei den Symphonikern leitet und für gewöhnlich die Einführungsvorträge hält.

Genau so hatte Generalmusikdirektor Daniel Huppert auch das Programm des 10. Philharmonischen Konzerts, das letzte der aktuellen Spielzeit, überschrieben: „Große Freude“. Dafür hatte der Generalmusikdirektor zwei unterschiedliche, aber facettenreiche Werke ausgewählt, bei denen die Symphoniker einmal mehr ihre enorme musikalische Bandbreite unter Beweis stellten.

Joseph Haydns Symphonie Nr. 49 in f-Moll Hob. I: 49 – diese Tonart war ungewöhnlich für die damalige Zeit – begann im ersten Satz zunächst düster und theatralisch, entfaltete aber im Allegro di molto eine unheimliche Energie. Der kraftvolle Einstieg in den zweiten Satz forderte alle Musiker gleichermaßen, der wilde Charakter zog sich durch, Intervallsprünge waren an der Tagesordnung. Spätestens jetzt erkannte der Zuhörer, warum die 49. Symphonie den Beinamen „La passione“ trägt. Nach dem Minuet, bei dem die Bläser musikalische Farbtupfer setzten, setzte das Presto ab der ersten Sekunde den energischen Charakter fort. Hier bewiesen die Streicher enorme Qualität, die Bläser gesellten sich hinzu, ehe die Symphoniker den vierten Satz und damit die 49. mit einer Punktlandung abschlossen.

Für Sergei Prokofjews 2. Violinkonzert, ein anspruchsvolles Werk, das er an unterschiedlichen Orten komponiert hatte, wurde größer aufgefahren. Und der Solist des Abends, der 25-jährige David Nebel, gesellte sich hinzu. Daniel Huppert hatte den gebürtigen Züricher, mit dem die Symphoniker im August ihre CD aufnehmen, als einen „unglaublich reifen Menschen mit einer unheimlichen Energie angekündigt“ – und das Publikum wurde nicht enttäuscht. Schon der allererste Klang aus seiner Stradivari-Violine erzeugte Gänsehaut. Im ersten Satz, dem Allegro moderato, wechselten sich nachdenkliche Passagen mit überraschenden, virtuosen Elementen ab, immer wieder gab es unruhige Zwischenspiele, doch der Solist erhielt dabei genügend Raum von den Symphonikern. Vor allem das lyrische Hauptthema im Andante assai beherrschte Nebel perfekt – diese Violine war einfach magisch, der junge Solist zog das Publikum in seinen Bann. Fagott und Schlagwerk setzten ein, beendet von einem leichten Zupfen Nebels auf seinem Instrument.

Im Allegro steigerte sich die Reiselust durch das Werk, beinahe ekstatisch erklang der dritte Satz samt Schlagwerk, Triangel und betörendem Gleichklang der Violinen bis zum wilden Höhepunkt. Der fulminante Schlusspunkt sorgte für große Freude beim Publikum – das die Höchstleistung von Orchester und Solist mit stehenden Ovationen quittierte. Als Zugabe bewies der junge Anwärter auf den „Opus-Klassik-Nachwuchskünstler“-Preis seine Virtuosität mit dem Stück „Applemania“ von Aleksey Igudesman – von zart bis wild, eine Höchstleistung, bei der am Ende sogar der Bogen nachgab.

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