Interview der Woche

Mit jugendlicher Dynamik Wähler überzeugen

Nach dem Abitur und auf den Jugendrat folgt ihr Einstieg in die Kommunalpolitik:  Daniel Pilz hat sich für die SPD entschieden.
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Nach dem Abitur und auf den Jugendrat folgt ihr Einstieg in die Kommunalpolitik: Daniel Pilz hat sich für die SPD entschieden.
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Die Abiturienten Francesco Lo Pinto (CDU) und Daniel Pilz (SPD) über ihre Ambitionen in der Kommunalpolitik

Das Gespräch führte Andreas Weber

Sie kennen sich aus den vergangenen zwei Jahren im Jugendrat gut. Hätten Sie vom anderen gedacht, dass er mal in die Politik strebt?

Francesco Lo Pinto: Bei Daniel definitiv. Er war im Jugendrat einer der Engagierten. Dass er dranbleibt, habe ich ihm zugetraut.

Daniel Pilz: Mein erster Berührungspunkt mit Francesco war nicht bei unserem Einführungsseminar in Münster, sondern bei der Vorstandswahl 2018. Und nach dem für ihn unbefriedigenden Ausgang war er überhaupt nicht glücklich. Da konnte man bereits sehen, wie er für die Sache brennt.

Mit Elias El Ghorchi, der für die FDP antritt, sind es schon drei, die aus dem vergangenen Jugendrat bei der Kommunalwahl kandidieren. Offensichtlich ist das Nachwuchsgremium ein guter Nährboden.

Lo Pinto: Ich habe mit 16 Jahren die erste meiner beiden Amtsperioden angefangen. Und im Übergang vom 7. auf den 8. Jugendrat habe ich den größten Sprung in meiner Persönlichkeitsentwicklung gemacht. Wichtig war für mich vor allem, Einblicke in die Strukturen von Politik, Verwaltung und Gesellschaft zu erhalten. Und ich beherzige eins: Politik ist die Kunst, Mehrheiten zu generieren und Kompromisse zu finden.

Pilz: Ich war zwar schon Schülersprecher am Rögy zu der Zeit, hatte aber keinen Plan, wie man Vorhaben umsetzt. Unser Geschäftsführer Gerd Dietrich-Wingender hat uns aber immer Wege aufgezeigt, die wir gehen können. Im Jugendrat haben wir gelernt, wie man Potenziale für diese Stadt ausschöpfen kann. Und wie man mit den Erwachsenen zusammen etwas bewegen kann.

Francesco Lo Pinto ist Mitglied der CDU.

Zu welchem Zeitpunkt wussten Sie: Wir machen weiter in der Kommunalpolitik?

Lo Pinto: Am Ende des Jugendrats hat sich das abgezeichnet. Ich wollte politisch weiter dranbleiben.

Pilz: Keiner denkt im Jugendrat direkt an eine ehrenamtliche Tätigkeit in der Kommunalpolitik. Meine Motivation ist mit erfolgreichen Projekten gewachsen, bei denen ich gesehen habe, dass man etwas verändern kann, wenn man es will.

Wie haben Sie die Parteienlandschaft sondiert, bevor sie sich entschieden haben?

Lo Pinto: Bei mir war völlig klar, dass es weder links noch rechts sein wird. Im Vordergrund standen die etablierten Volksparteien. Auf mich zugekommen ist da niemand. Ich war zum Beispiel je zweimal im Landtag bei Sven Wolf (SPD) und Jens Nettekoven (CDU). Nettekoven hat mir erzählt, dass die Teamarbeit bei ihnen intern sehr gut sei. Das fand ich wichtig. Irgendwann habe ich auch gemerkt, dass die CDU thematisch am besten zu mir passt.

Pilz: Bei mir waren mehrere Punkte ausschlaggebend. Zum einen bin ich familiär vorbelastet. Mein Uropa Walter Pilz saß für die SPD im Stadtrat und hat die Awo mit aufgebaut. Noch wichtiger war, dass für mich die SPD nah an der Jugend dran ist, vieles in Remscheid angeschoben hat. Ich fühle mich gut integriert, weiß, an wen ich mich wenden kann, wenn ich Unterstützung brauche.

Tun die beiden großen Volksparteien genug, um sich attraktiv für die Jugend zu machen?

Pilz: Die Zahlen sprechen leider für sich: Es ist nicht genug. Sonst würden nicht gefühlt Dreiviertel der Jugendlichen, auch durch „Fridays for future“ beflügelt, zu den Grünen laufen. Aber ich denke, dass die großen Volksparteien mittlerweile merken, dass der Wind sich gedreht hat. Bei den Jusos haben wir jetzt wieder Zuwachs und sind bei um die 80 Mitglieder.

Lo Pinto: Bei der Jungen Union sind es um die 100 in Remscheid. Die SPD hat vielleicht Vorteile, weil Oberbürgermeister Mast-Weisz ein Sozialdemokrat ist, nah am Jugendrat ist und 2004 als Sozialdezernent dazu beitrug, dass der Jugendrat eingeführt wurde. Aber auch bei uns gibt es sechs JUler, die jetzt für den Rat kandidieren. Und mit Mathias Heidtmann ist ein ehemaliges Jugendratsmitglied unser designierter neuer Ortsvorsitzender.

Sie kandidieren mit Lennep-Zentrum und Honsberg/Blumenthal in zwei Wahlbezirken, in der Ihre eigene Partei 2014 als Nr. 2 deutlich hinterherhinkte. Das wird eine echte Herausforderung bei Ihrer Feuertaufe.

Pilz: Bei dieser Wahl ist alles möglich. Sie ist so offen wie keine zuvor. Das gilt für Lennep wie den Honsberg. In den vergangenen sechs Jahren ist so viel hochgekommen mit der AfD, dem Erstarken der Grünen und „Fridays for future“, der Flüchtlingskrise und jetzt den nie gekannten Corona-Einschränkungen. Ich konzentriere mich in Lennep auf meine Stärke: die jugendliche Dynamik.

Lo Pinto: Die Prozentzahlen von damals spielen für mich heute keine entscheidende Rolle mehr. Ich lebe in Reinshagen, finde aber, dass der Bezirk zu mir passt. Am Honsberg passiert in vielerlei Hinsicht extrem viel. Und mit dem Großprojekt der ,Montag Stiftung Urbane Räume‘ wird der Stadtteil weiter aufgewertet. Ich habe zuletzt an einer Stadtteilkonferenz teilgenommen und aus den Reaktionen gespürt, dass gerade Jüngere froh sind, dass jemand ihnen zuhört. Ich sehe mich als Kümmerer vor Ort. Natürlich möchte ich in den Stadtrat einziehen, aber wenn nicht, werde ich mich trotzdem für die CDU politisch einbringen, auch in Honsberg und Blumenthal.

Wofür treten Sie in Ihren Wahlbezirken ein?

Lo Pinto: Unsere Stadt wird vom Engagement der ehrenamtlichen Vereine getragen. Diese Vereine sind dafür verantwortlich, dass wir in Honsberg einen solchen Aufschwung erleben. Es ist ein interkulturelles Quartier, wo das Zusammenleben funktioniert. Benötigt wird dort aber mehr Wertschätzung. Wir müssen hier kein großes Stadtteilkonzept überstülpen, sondern kleinere Dinge wie Müllbeseitigung und Parksituation verbessern. In Honsberg muss an den Details gearbeitet werden. Dafür stehe ich. Ein Beispiel: Im Hinterhof der Siemensstraße brannten im August nachts Mülltonnen. Da sind drei Anwohner raus und haben das Feuer gelöscht. Ein Dankeschön haben sie nicht erhalten. Ich finde, dass Stadt, Gewag oder TBR eine solche Geste gut zu Gesicht gestanden hätte. Dafür setze ich mich gerade ein.

Pilz: In der Lenneper Altstadt wurde die Entwicklung in den letzten sechs Jahren verschlafen. Ich kann mich nicht nur um das DOC kümmern und alles andere brachliegen lassen. Wir dürfen uns nicht von einem Investor abhängig machen. Deshalb habe ich eine Altstadt-Strategie vorgestellt, bei der die Attraktivität von innen heraus gesteigert wird. Drei Bausteine müssen einen Dreiklang bilden: die Kultur, denn wir wollen zur Kunst- und Kulturstadt im Bergischen werden; Einzelhandel und Gastronomie sollen unterstützt und gestärkt werden, zum Beispiel über zeitliche begrenzte Pop-up-Stores in Leerständen; und drittens Mobilität und Verkehr. Autos sollen kurz- und mittelfristig raus aus der Altstadt, Hand in Hand mit dem Ausbau des Radverkehrs und bequemer Erreichbarkeit für Fußgänger. Auch die selbstfahrenden Mini-Elektrobusse wie in Monheim gehören dazu.

Wie hat sich Ihr erster Wahlkampf bislang angefühlt, wenn man nur mit Abstand auf die Wähler zugehen kann?

Pilz: Kommunalpolitik lebt von der Präsenz. Und hier fehlt eine wichtige Grundlage wie der Haustürwahlkampf. Das macht es nicht einfacher. Vieles verlagerte sich in die social media, wo jedoch oft im Schutz der Anonymität erschreckende Botschaften verbreitet werden. Aber das muss man ernst nehmen und versuchen, offensichtlich Politikverdrossene ins Boot zu holen.

Lo Pinto: Social Media ist wichtig, aber nicht entscheidend. Ich habe ein dreieinhalbminütiges Video für den Wahlbezirk gedreht, in dem ich mich vorstelle, aber es ersetzt am Ende nicht das persönliche Gespräch vor Ort. Und das gibt es trotz aller Restriktionen. Natürlich immer mit Maske.

Zu den Personen

Francesco Lo Pinto: 19 Jahre, lebt in Reinshagen; Abitur an der EMA 2019; Student der Sozialwissenschaften an der Uni Bochum; Hobbys: Sport, Schauspielerei, zuletzt im WTT; engagiert sich von Beginn im Verein Gedenk- und Bildungsstätte Pferdestall; war von 2016 bis 2020 im Jugendrat; sitzt für die CDU im Ausschuss für Bürger, Umwelt, Klimaschutz und Ordnung sowie im Stadtentwicklungsausschuss als stellvertretender sachkundiger Bürger; kandidiert im Wahlbezirk Honsberg/Blumenthal; Listenplatz 23 bei der CDU.

Daniel Pilz: 18 Jahre, lebt in Lennep; Abitur am Rögy 2020; strebt ab Herbst ein Journalistik-Studium in Dortmund an, wenn das nicht klappt, würde er sich für Kommunikationswissenschaften in Düsseldorf einschreiben; Hobbys: Fußball, Rad und Mountainbike; war von 2018 bis 2020 im Jugendrat; sitzt bereits in einem politischen Gremium für die SPD als stellvertretender sachkundiger Bürger im Sozialausschuss; kandidiert für die SPD im Bezirk Lennep-Zentrum; Listenplatz 3 bei der SPD.

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