Gedenken

Jugendliche der Nelson-Mandela- Schule polieren Stolpersteine

Jugendliche der Nelson-Mandela-Sekundarschule machten sich auf den Weg, um in der Innenstadt Stolpersteine zu reinigen. Sie erinnern an das Schicksal jüdischer Menschen in Remscheid. Foto: Mathias Heidtmann
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Jugendliche der Nelson-Mandela-Sekundarschule machten sich auf den Weg, um in der Innenstadt Stolpersteine zu reinigen. Sie erinnern an das Schicksal jüdischer Menschen in Remscheid.

Mädchen und Jungen der Nelson-Mandela- Schule befassen sich mit dem Schicksal jüdischer Menschen in Remscheid.

Von Frank Michalczak

Bei klirrender Kälte machten sich an diesem Dienstag 26 Jugendliche der Nelson-Mandela-Sekundarschule auf den Weg, um Stolpersteine in der Innenstadt zu säubern. Die Gedenktafeln am Boden erinnern an das Schicksal jüdischer Menschen, die von den Nazis deportiert und ermordet wurden.

Genau dies ist seit Wochen Unterrichtsthema der Zehntklässer, für die Referendarin Jasdeep Sandhu im Fach Gesellschaftslehre eine Projektmappe zusammengestellt hat – passgenau zum Geschehen in Remscheid. Gemeinsam mit dem Klassenlehrer Mathias Heidtmann und Fachlehrer Hakan Sagmak ging es ihr darum, den kommunalen Bezug zur Judenverfolgung im Dritten Reich herzustellen. Dazu zählte auch die Erforschung der Biografien jener Opfer, die in Remscheid gequält wurden und ihre Heimatstadt schließlich verlassen mussten.

Schülerin Nina Heidtmann widmete sich bei ihrem Referat der Familie Vogel, die an der Bismarckstraße lebte. Ihre Quellen seien Angaben der Stadt Remscheid gewesen. Zudem habe sie im Internet recherchiert. „Dabei habe ich viele Familienmitglieder gefunden, die deportiert und getötet wurden.“ Rolf sei der Jüngste gewesen. Er wurde drei Jahre alt.

Für den Pädagogen Mathias Heidtmann eröffnet dieses Unterrichtsformat den Jugendlichen die Möglichkeit, das Grauen der Nazi-Zeit besser zu erfassen. „Denn sie erfahren, dass die Verbrechen nicht irgendwo auf der Welt stattfanden, sondern quasi vor ihrer eigenen Haustür. Das können Lehrbücher oder Arbeitsblätter in dieser Form nicht vermitteln.“

Und so wanderten die Mädchen und Jungen am Dienstagvormittag von Stein zu Stein. Auch in der Nähe der Pavillons auf der Alleestraße hielten sie, wo Gedenktafeln an Hedwig, Vera und Lotte Weinberg erinnern, die 1941 deportiert wurden und in Lodz ums Leben kamen.

Rund 180 Stolpersteine erinnern an die Opfer

Dass sich Stolpersteine in der Innenstadt befinden, wussten die Mädchen und Jungen schon vor der Unterrichtseinheit. „Man sieht sie halt im Vorbeigehen“, erklärt Schülerin Darline Scholz (15). „Aber die Bedeutung war mir nicht bewusst.“ Das habe sich geändert – durch die Auseinandersetzung mit dem Thema. „All das ist ja hier bei uns geschehen. Und ich habe Angst, dass so etwas noch einmal passieren könnte.“

Darline Scholz und Nina Heidtmann polierten die Gedenktafeln der Familie Weinberg auf Hochglanz. Entsprechende Reinigungsmittel hatten die Schülerinnen von Johann Franzen erhalten, der die Platten stets im Blick hat und diese jahrelang ehrenamtlich säuberte. „Der Schmutz war ganz schön hartnäckig“, bilanzierten die Schülerinnen nach getaner Arbeit.

Auch dieser Einsatz war Teil der Erinnerungskultur, die durch das Unterrichtsprojekt gefördert werden soll. „Unter anderem habe ich den Schülern in der Projektmappe die Hintergründe zu den Stolpersteinen aufgezeigt“, berichtete Referendarin Jasdeep Sandhu. Rund 180 gibt es in Remscheid. Sie wurden vor allem an den Geburts- und Wohnhäuser der Opfer platziert – kreuz und quer in der Remscheider Innenstadt, Lennep und Lüttringhausen.

Auch in Theresienstadt starben Remscheider

Der gestrige Aktionstag setzte noch nicht den Schlusspunkt beim Unterrichtsprojekt, das das schwärzeste Kapitel deutscher Geschichte in den Mittelpunkt rückt. Mathias Heidtmann begleitet Anfang März seine Schüler bei ihrer Abschlusstour nach Prag. „Und von dort planen wir eine Fahrt zum Konzentrationslager Theresienstadt“, kündigte er an.

Auch dort seien Remscheider ums Leben gekommen, berichtete einer seiner Schüler, der sich ebenfalls intensiv mit den Schicksalen jüdischer Menschen auseinandergesetzt hat. Dass Remscheider im KZ Theresienstadt getötet wurden, war Heidtmann neu. „Lehrer können eben auch von Schülern lernen.“ Überhaupt sei seine Klasse „super“, wie er anmerkte.

GEDENKEN

STEINE Die Liste der Gedenksteine in der Innenstadt ist lang: Standorte befinden sich unter anderem an der Brüderstraße 3, am Willy-Brand-Platz, an der Blumenstraße 13, Steinberger Straße 51, Alleestraße 18, 20, 40 und 56, Honsberger Straße 136, Freiheitstraße 161, Bismarckstraße 90, Alte Bismarckstraße 14 und 16, Palmstraße 10, Martin-Luther-Straße 7 und 9, Elberfelder Straße 48 und Nordstraße 7.

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