Jugendliche fühlen sich von Landespolitikern alleingelassen

Zentralprüfungen in Corona-Zeiten: Jugendrat hakt in Düsseldorf nach

Von Andreas Weber

Ende September 2020 wandte sich der Jugendrat in einem Brief an NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer. Das Nachwuchsgremium drückte darin seine Sorge über den schwierigen Schulalltag in Corona-Zeiten und die ausstehenden zentralen Abschlussprüfungen in den Klassen 10, 12 und 13 aus. Viele Unterrichtsstunden seien ausgefallen, die nicht nachgeholt werden konnten. „Allein durch die Atem- und Lüftungspausen gehen uns bei 22 Unterrichtsstunden à 60 Minuten in der Woche und 10 Minuten notwendiger Pausen zum Durchatmen und Lüften, monatlich 15 Unterrichtsstunden verloren. An anderen Schulen mit 45 Minuten dauernden Stunden ist der Ausfall bei gleicher Lüftungszeit ungleich höher“, hieß es in dem Schreiben.

Auch der Unterricht auf Distanz über digitale Medien habe nicht gut funktioniert, da nicht alle Schüler mit entsprechenden Endgeräten ausgestattet sind und sich nicht alle Lehrenden auf die neue, überraschend anzuwendende Technik einstellen konnten bzw. den Umgang damit lernen konnten oder wollten. Unverständnis gab es zu Folgendem: „In den Jahrgängen vor Corona gab es vor den Abitur-Klausuren eine 14-tägige Zeit ohne Unterricht, um sich zu Hause individuell auf Klausuren vorbereiten zu können. In diesen beiden Wochen soll aber jetzt Unterricht nachgeholt werden. Nicht alle Fächer sind aber für alle gleichermaßen relevant für die Prüfungen, je nach Fächerkombination. Daher haben wir jetzt noch weniger Vorbereitungszeit.“

Abschließend mahnte der Jugendrat: „Es kann nicht sein, dass wir als diejenigen, die die Zukunft dieses Landes gestalten sollen, in der Krise als letzte Berücksichtigung finden.“

Jugendrat drückt Unverständnis über typische Politikerantwort aus

Die Antwort ließ lange auf sich warten. Zwei Monate später ging sie bei der Vorsitzenden Burcu Aksoyek und deren Mitstreiter ein. Das dreiseitige Schreiben aus dem Schulministerium griff die vielfältigen Kritikpunkte der Remscheider überhaupt nicht auf. Im Ministerium könne man „angesichts der Vielzahl von Zuschriften leider nicht individuell auf jede Zuschrift und Anmerkung eingehen“, bedauerte der Unterzeichner, ein Ministeriumsmitarbeiter. So las der 15-köpfige Jugendrat eine allgemeine Abhandlung zum Schul- und Unterrichtsbetrieb in Corona-Zeiten, der diesen sprach- und ratlos zurückließ.

Auf der virtuellen Jugendratssitzung Dienstagabend wurde darüber diskutiert. „Eine typische Politikerantwort“, urteilte Burcu Aksoyek. „Ich fand es sehr unverständlich“, befand Sofia Rodriguez. Auch Jeanne Sophie Mortazawi, angehende Abiturientin an der Sophie-Scholl, pflichtete bei: „Wir sind jetzt wieder im Lockdown und viele von uns sind verzweifelt. Wir fühlen uns alleingelassen von der Politik.“

Einhellige Meinung der Beschwerdeführer im Jugendrat: Wir haken in Düsseldorf noch einmal nach und bitten in einem weiteren Schreiben um konkrete Antworten auf konkrete Fragen. Zeitnah soll ein weiteres Schreiben an Yvonne Gebauer aufgesetzt werden.

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