Besuch in Frankfurt am Main

Jüdischer Zeitzeuge lebt im Altenheim

102. Geburtstag des Juden Siegmund Freund (vorne) in Frankfurt: Besuch aus Remscheid mit (v.l.) Tina Horky,Klaus Blumberg, Hans Heinz Schumacher, Francesco Lo Pinto.
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102. Geburtstag des Juden Siegmund Freund (vorne) in Frankfurt: Besuch aus Remscheid mit (v.l.) Tina Horky,Klaus Blumberg, Hans Heinz Schumacher, Francesco Lo Pinto.
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Siegmund Freund feierte in Frankfurt 102. Geburtstag – Besuch aus Remscheid.

Von Andreas Weber

Remscheid. An seinem 102. Geburtstag erhielt Siegmund Freund Besuch aus Remscheid. Tina Horky, Francesco Lo Pinto, Klaus Blumberg, Hans Heinz Schumacher und seine Frau Karin besuchten in Frankfurt den Mann, aus dessen Lebensgeschichte und persönlicher Unterstützung die Grundlage für die Geschichts-AG am EMMA und später der Verein Gedenk- und Bildungsstätte Pferdestall erwuchs.

Siegmund Freund ist Remscheider Jude, überlebte drei Jahre im KZ Sachsenhausen, später Auschwitz, emigrierte 1950 nach New York, verdiente seinen Lebensunterhalt in den Staaten als Uhrmacher. Nach seiner Rückkehr wurde er Geschäftsmann im Perlenhandel. 2005 traf sich Freund erstmals in seiner alten Heimat mit Geschichtslehrer Klaus Blumberg und Hans Heinz Schumacher, damals Leiter des EMA (heute EMMA).

Freund war nach Remscheid gekommen, um in der Blumenstraße 13 an den Stolpersteinen für seine Eltern Chaje und Samuel, die nach Polen deportiert worden waren, Blumen niederzulegen. An seine ehemalige Schule, die er 1936 verließ und zu seiner Zeit Staatliches Realgymnasium hieß, kam er danach immer wieder, um mit den Jugendlichen in bewegende Dialoge zu treten über die Gräuel des Nazi-Regimes und um den jüdischen Friedhof in Bliedinghausen zu besuchen, wo die Urne seines Freundes Isidor Zauderer beigesetzt worden sein soll.

Als Erinnerungsstätte für die ehemaligen jüdischen Mitschüler wurde 2010 im überdachten Eingang des EMA der „Freund-Baum“ installiert, mit sieben Ästen, einer gekappt, sechs weitere ragen in die Eingangsdecke rein.

Günter Urspruch beleuchtete das jüdische Leben in Lüttringhausen

Freund ist seither für die Remscheider Geschichtsforscher zu einem wertvollen Zeitzeugen und guten persönlichen Bekannten geworden. Freund hat keine Familie in Deutschland, nur entfernte Verwandte in den USA. Er blieb unverheiratet, lebte allein in der Main-Metropole, seit 2021 in einem jüdischen Altenheim. Dort gratulierten die Remscheider persönlich zu seinem Geburtstag. Hans Heinz Schumacher erfreut besonders, dass sie nicht nur den Jubilar bei Gesundheit antrafen, sondern auch Freunds überraschtem Umfeld die Tragweite ihrer Verbindung zu Freund klarmachen konnten, nicht zuletzt durch Roll-ups, die sie aus der Gedenkstätte mitgebracht hatten. „Wir haben seiner Gemeinde vermitteln können, welche Bedeutung er für uns gespielt hat“, freut sich Schumacher. So wird mit den Verantwortlichen überlegt, ob Siegmund Freund noch einmal zu einem Besuch nach Remscheid kommt.

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