Literarischer Spaziergang

Johannes Haun stellt „Dunkles Gold“ von Mirjam Pressler vor

Johannes Haun, pensionierter Pfarrer, mit den Teilnehmern des literarischen Spaziergangs vor der Kirche Tannenhof. Foto: Roland Keusch
+
Johannes Haun, pensionierter Pfarrer, mit den Teilnehmern des literarischen Spaziergangs vor der Kirche Tannenhof.

Literarischer Spaziergang führte in die Tannenhof-Kirche.

Von Sabine Naber

Zu seinem letzten literarischen Spaziergang in diesem Jahr hatte Pfarrer Johannes Haun am Montagnachmittag auf das Gelände der Stiftung Tannenhof eingeladen. Die kleine Kirche sollte zunächst nur der Treffpunkt für die rund 15 Zuhörer sein.

Weil das Buch „Dunkles Gold“ von Mirjam Pressler aber sowohl in der Gegenwart, als auch in der Vergangenheit spielte und Haun das deutlich machen wollte, in dem er sich beim Vorlesen an zwei unterschiedliche Orte stellte, eignete sich die Kirche dafür besser als ein Spaziergang.

Das Buch erwies sich als ein spannender, historischer Roman, der von Liebe, Antisemitismus und jüdischer Kultur handelt. Zunächst stellte der Pfarrer aber die Autorin vor, die 1940 in Darmstadt geboren wurde. Sie lebte eine Zeit lang in einem Kibbuz in Israel und zog später drei Töchter alleine groß.

Autorin mit dem Deutschen Bücherpreis ausgezeichnet

Sie arbeitete als Autorin, schrieb mehr als 30 Kinder- und Jugendbücher. Als freie Übersetzerin, zum Beispiel aus dem Hebräischen, engagierte sie sich ebenfalls. Sie erhielt den deutschen Bücherpreis und die Buber-Rosenzweig-Medaille, mit der Menschen ausgezeichnet werden, die sich um die Verständigung zwischen Christen und Juden verdient gemacht haben.

Haun erinnerte an die jüdischen Gemeinden in Deutschland, die nach dem Holocaust geschrumpft waren. „Später kamen jüdische Menschen aus Osteuropa nach Deutschland. Und wir waren froh, dass jüdisches Leben zurückkehrte“, sagte der Pfarrer. Mehrmals habe in den vergangenen Jahren der jüdische Chor aus Wuppertal hier in der Kirche gesungen.

Bevor er aus dem Buch vorlas, schilderte er die Situation 1998 in Erfurt, die für die Autorin der Anlass war, das Buch zu schreiben. Bauarbeiter hatten beim Ausschachten Münzen entdeckt. „In einem Keller wurde ein richtiger Schatz gefunden. 30 Kilogramm Silberbarren, Schmuck und ein jüdischer Hochzeitsring aus dem 13./14. Jahrhundert. Der Bankier Kalman von Wiehe hatte diese Wertsachen wohl während des Pestpogroms im Jahr 1349 aus Angst versteckt. Heute ist der Schatz in der Alten Synagoge zu sehen“, sagte Haun.

Und darum geht es: Die 15-jährige Ich-Erzählerin Laura lässt das Geheimnis, das den Schatz von Erfurt umgibt, nicht mehr los. Sie taucht ein in das Schicksal von Rachel, die 1349 zusammen mit ihrem Vater alles zurücklassen und vor dem Pestpogrom fliehen musste. Vielleicht ist es diese Geschichte, weshalb Laura gerade jetzt Alexej begegnet, der lieber verschweigen möchte, dass er Jude ist. Allmählich versteht Laura, was es heute bedeutet, jüdisch zu sein.

„Im nächsten Jahr werde ich wieder Treffs in Literatur-Cafés organisieren. Allerdings in größeren Räumen, weil das Café im Flair Weltladen zu klein ist“, versprach Johannes Haun.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesen

Eventgarten auf dem Schützenplatz startet mit Schlager in Open-Air-Saison
Eventgarten auf dem Schützenplatz startet mit Schlager in Open-Air-Saison
Eventgarten auf dem Schützenplatz startet mit Schlager in Open-Air-Saison
Corona: Inzidenz bleibt in Remscheid niedrig - Land überweist 200.000 Euro für Kinder
Corona: Inzidenz bleibt in Remscheid niedrig - Land überweist 200.000 Euro für Kinder
Corona: Inzidenz bleibt in Remscheid niedrig - Land überweist 200.000 Euro für Kinder
In dieser Telefonzelle gibt es viele Seiten: Awo weiht Bücherbox ein
In dieser Telefonzelle gibt es viele Seiten: Awo weiht Bücherbox ein
In dieser Telefonzelle gibt es viele Seiten: Awo weiht Bücherbox ein
Brückensteig: Die Kletterer gehen an den Start
Brückensteig: Die Kletterer gehen an den Start
Brückensteig: Die Kletterer gehen an den Start

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Kommentare