Beruf

Joboffensive: Warum bei der Staatsanwaltschaft auch Quereinsteiger gute Chancen haben

Der Herr der Akten: Jeremy Thomi arbeitet als Quereinsteiger bei der Staatsanwaltschaft Wuppertal, hinter ihm lagern die Fallakten in hohen Regalwänden. Sie und der Computer sind seine wichtigsten Handwerkszeuge.
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Der Herr der Akten: Jeremy Thomi arbeitet als Quereinsteiger bei der Staatsanwaltschaft Wuppertal, hinter ihm lagern die Fallakten in hohen Regalwänden. Sie und der Computer sind seine wichtigsten Handwerkszeuge.

Die Wuppertaler Strafverfolgungsbehörde sucht Mitarbeiter – und setzt dabei auf Quereinsteiger. Einer von ihnen ist Jeremy Thomi, der zuvor in Remscheid gearbeitet hat.

Von Sven Schlickowey

Remscheid/ Wuppertal. Die Zahlen sind durchaus beeindruckend: Mehr als 1,1 Millionen Verfahren erledigen die Staatsanwaltschaften in NRW Jahr für Jahr, hat das Statistische Landesamt errechnet, genau 1 119 238 waren es zum Beispiel 2021. Seit Jahren schon kündigte nahezu jede Landesregierung an, zusätzliche Staatsanwälte einzustellen. Doch auch die können die Fälle nicht alleine bearbeiten. Deswegen hat die auch für Remscheid zuständige Staatsanwaltschaft Wuppertal nun eine Personaloffensive gestartet, sucht mehr als 15 neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für verschiedene Bereiche. Ausdrücklich auch Quereinsteiger. Und unabhängig vom Alter des Bewerbers.

Viele der Stellen seien eigentlich für ausgebildete Justizfachangestellte oder -fachwirte vorgesehen, erklärt Oberstaatsanwalt Wolf-Tilman Baumert. Doch weil die kaum verfügbar seien, habe man sich dazu entschieden, Bewerber mit entsprechender Vorerfahrung anzulernen. Wie das gehen kann, zeigt Jeremy Thomi. Der 24-Jährige ist gelernter Kaufmann für Bürokommunikation und hat zuletzt zwei Jahre in einem Geologie-Büro in Remscheid gearbeitet. Seit Mai ist er in einer der sogenannten Serviceeinheiten der Staatsanwaltschaft Wuppertal tätig. „Das ist natürlich etwas komplett anderes“, sagt er. „Aber das ist ein wirklich guter Job.“

Jeremy Thomi und seine Kollegen sind so etwas wie die Herren der Akten. Jeder Staatsanwalt betreut bis zu 300 Verfahren parallel, die meisten Papiere dazu lagern in Regalwänden in den Serviceeinheiten. Die Mitarbeiter dort pflegen die Akten und legen sie den Staatsanwälten vor, wenn Handlungsbedarf besteht, zum Beispiel weil eine bestimmte Frist gilt. Eine verantwortungsvolle Aufgabe, die besonders gewissenhaft erledigt werden müsse, wie Oberstaatsanwaltschaft Baumert betont. „Man muss gut organisiert sein und den Überblick behalten“, beschreibt es Jeremy Thomi.

Für den Job in den Serviceeinheiten wird insbesondere eine abgeschlossene Berufsausbildung im Bürobereich vorausgesetzt, gerne als Rechtsanwaltsfachangestellte oder in einem kaufmännischen Beruf. Wichtig sei zudem, dass man eine absolut weiße Weste habe, ergänzt Baumert. Dafür gebe es eine krisensichere Stelle mit Gleitzeitregelung und Bezahlung nach Tarif. „Und uns ist das Alter des Bewerbers egal.“

Daneben soll eine zentrale Erfassungsstelle eingerichtet werden, in der Mitarbeiter Verfahrensdaten in die EDV eingeben, auch um die Serviceeinheiten zu entlasten. Ein Job, der im Wesentlichen PC-Erfahrung voraussetzt und auch im Homeoffice erledigt werden kann. Außerdem sucht die Wuppertaler Staatsanwaltschaft einen Hausmeister. Und Leute für die Vernichtung von Altakten, die bei Bedarf befristet eingestellt werden. „Das ist auch für Schüler und Studenten geeignet“, sagt Wolf-Tilman Baumert. „Man muss nur richtig zupacken können.“

Ein halbes Jahr etwa habe er benötigt, bis er den Job in der Serviceeinheit selbstständig erledigen konnte, sagt Jeremy Thomi. Vieles aus seinem alten Beruf habe er dafür gut gebrauchen können, anderes neu lernen müssen. „In der freien Wirtschaft kann man das mal so und mal so machen, hier gibt es für alles klare Richtlinien.“ Das sei aber ganz angenehm: „Da weiß man, woran man sich halten kann.“

Zur Staatsanwaltschaft gekommen ist der 24-Jährige über die Empfehlung einer ehemaligen Arbeitskollegin, die den gleichen Weg gegangen ist. Interesse an der Arbeit der Justiz habe er vorher schon gehabt, sagt er. „Das ist schon spannend, von Anfang bis zum Ende dabei zu sein.“ Zudem empfinde er die Aufgabe als sinnvoll: „Es ist ja wichtig, dass die Gesetze eingehalten werden.“

Bei der Staatsanwaltschaft Wuppertal arbeiten aktuell mehr als 60 Staatsanwälte, 23 Amtsanwälte, 15 Rechtspfleger, 13 Wachtmeister und über 90 Bedienstete in den Serviceeinheiten, die auch als Geschäftsstellen bezeichnet werden.

Bewerbungen für die offenen Stellen können per Post an Leitender Oberstaatsanwalt, Abteilung 1, Hofaue 23 in 42103 Wuppertal gerichtet werden. Zudem gibt es ein Online-Karriere-Portal des Landes.

karriere.nrw

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