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Frischmarkt-Inhaber: „Jetzt beliefern wir halb Remscheid“

Ulrich Obodzinski ist seit sieben Jahren Geschäftsführer des Frischmarktes Süd.
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Ulrich Obodzinski ist seit sieben Jahren Geschäftsführer des Frischmarktes Süd.

Dem Lebensmittelgeschäft drohte vor sieben Jahren das Aus. Dann entstand die Idee vom Frischmarkt Süd.

Von Peter Klohs

Remscheid. Es waren zwei beinahe beiläufig in einem Gespräch geäußerte Sätze von Regina Buschhaus, die dazu führten, dass ihr ehemaliger Lebensabschnittspartner Ulrich Obodzinski den Frischmarkt an der Baisieper Straße übernahm. Das Lebensmittelgeschäft, ehemals von Netto, Nahkauf und anderen betrieben, drohte zu schließen.

„Wir können den Menschen im Südbezirk diesen Laden nicht nehmen“, sagte die langjährige Mitarbeiterin im Geschäft. „Das können wir nicht zulassen.“ Diese Sätze verinnerlichte Obodzinski und stellte schnell fest, dass darin viel Wahrheit lag. Die ersten ernsthaften Überlegungen wuchsen rasant, führten zu Planungen und Durchführungen, die darin gipfelten, dass der Frischmarkt am 29. Januar 2015 in der heutigen Form eröffnet wurde. „Das ist beinahe siebeneinhalb Jahre her“, erinnert sich Ulrich Obodzinski, der zusätzlich einen Computer-Service betreibt. In dieser Zeit, so der Geschäftsführer, hat sich viel verändert.

„Es ist ein zeitraubender Job“, erzählt er. „Wir unterhalten ja auch noch den Frischkauf Mitte an der Theodor-Körner-Straße und einen Getränkehandel am Kremenholl. Da sind 14- bis 16-Stunden-Tage völlig normal. Da ist nicht mehr viel Zeit für Hobbys.“ Er lächelt etwas melancholisch. „Und die Welt hat sich verändert in der Zeit“, resümiert Obodzinski. „Alles ist so schnelllebig geworden, ein Teil der Kundschaft ist mit den Lebensbedingungen unzufrieden und schimpft auf den Staat, weil am Ende des Monats so wenig oder kein Geld übrig bleibt.“

Natürlich sei durch Corona das Arbeitsaufkommen gewachsen. „Unser Lieferservice ist geradezu explodiert“, konstatiert der Geschäftsführer. „Erst haben wir die älteren Menschen beliefert, um ihnen den Weg zum Frischmarkt zu ersparen. Mittlerweile beliefern wir halb Remscheid.“ Täglich sind zwischen 14 Uhr und 20 Uhr vier Fahrer unterwegs, um die Waren zu den Kunden zu bringen. Insgesamt beschäftigt Obodzinski 34 Mitarbeiter in seinen drei Filialen.
Alle Folgen der Stadtteilserie

Was sich im Südbezirk nicht geändert hat, da sind sich Geschäftsführer Obodzinski und Filialleiterin Buschhaus einig, ist der soziale Aspekt des Frischmarktes. „Es kommen Menschen nur zum Austausch in das Geschäft“, wissen die beiden, „reden über ihre Sorgen, über die Familie, über Gott und die Welt. Und das ist auch während der Corona-Zeit nicht eingeschlafen. Eigentlich war das in Zeiten des Lockdowns nicht erlaubt. Aber man kann die Menschen doch nicht einfach rauswerfen.“ Er nickt bestätigend.

Der Frischmarkt Süd platzt, so Obodzinski, aus allen Nähten. „Wir brauchen weitere Lagerräume“, sagt er, „eine Art Lieferzentrum. Das können wir von der Baisieper Straße aus nicht mehr leisten. Sollten wir zu diesem Thema in Remscheid etwas finden, sind wir auch offen für einen vierten Laden. Meinetwegen auch im befreundeten Ausland, in Wuppertal zum Beispiel.“ Er lacht.

Rein geschäftsmäßig betrachtet, zieht der Geschäftsführer Bilanz, bereue er gelegentlich die Entscheidung, den Frischmarkt übernommen zu haben. „Zu viel Arbeit für zu wenig Geld“, konstatiert er. „Reich werden können Sie damit nicht.“ Aber auf der persönlichen Ebene ist er sicher, das Richtige getan zu haben. „Die glücklichen Augen der Kunden, die bei uns einkaufen, die wiegen Vieles von Stress und Zeitnot wieder auf.“

Die Serie

Alle Teile der Stadtteilserie

Im nächsten Serienteil unserer großen RGA-Stadtteilserie geht es um die Bildung: Redakteur Andreas Weber hat die Dörpfeld- und die Mannesmannschule im Süden Remscheids besucht. Diese Woche dreht sich alles um den Südbezirk.

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