Schatzkiste

Jens Neutag liefert großartiges Kabarett ab

2019 feierte Jens Neutag sein 25-jähriges Bühnenjubiläum. In der Schatzkiste präsentierte er jetzt sein achtes Kabarett-Solo: „Allein – Ein Gruppenerlebnis“. Foto: Roland Keusch
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2019 feierte Jens Neutag sein 25-jähriges Bühnenjubiläum. In der Schatzkiste präsentierte er jetzt sein achtes Kabarett-Solo: „Allein – Ein Gruppenerlebnis“.

Von der Bundeswehr über Altenpflege bis Impfpflicht: Gebürtiger Remscheider zeigt sich in der Schatzkiste tagesaktuell.

Von Sabine Naber

Remscheid. „Allein – ein Gruppenerlebnis“ unter dieser Überschrift hatte Jens Neutag am Donnerstagabend im kleinen Privattheater Schatzkiste zu einer Reise eingeladen, die großartiges, politisches Kabarett bot: Treffsicher, bissig und doch so unterhaltsam, dass die Zeit wie im Flug verging.

In einem Anzug mit Camouflage-Muster kam der Remscheider, der inzwischen in Wuppertal zu Hause ist, auf die Bühne und legte gleich los. Der Bundestag habe heute versucht, für uns Politik zu machen. „Aber es gab weder ein Ja noch ein Nein zur Impfpflicht. Und bei den Themen drumherum lief es auch nicht viel besser“, sagte Neutag. Und zitierte Christian Lindner, der einmal gesagt hatte, es sei besser nicht zu regieren, als falsch zu regieren. „Heute sehen wir das auch so“, bekräftigte der Kabarettist.

Putins offensichtlich mangelndes Verantwortungsgefühl, mitten in Europa einen Krieg anzuzetteln, erinnere ihn an Bertolt Brechts Kriegsheimkehrerdrama „Draußen vor der Tür“, in dem es um die Begegnung eines Soldaten mit seinem einstigen Vorgesetzten geht, dem er die Verantwortung für den Tod von elf Soldaten zurückgeben will.

Klar, dass sich der Mann im Tarnanzug über die Bundeswehr lustig machte: „Was ist der Unterschied zwischen einer Schießübung der Bundeswehr und Parship“, will er wissen und gibt die Antwort gleich selbst: „Bei Parship kann man jemanden treffen.“ Dann schildert er ein Survival-Wochenende im Wald mit Uwe. Der hatte bei seinem Afghanistan-Einsatz seinen rechten Arm auf dem Schlachtfeld gelassen. „Und das trifft ihn besonders dann, wenn seine ehemaligen Kameraden nach dem zehnten Bier den rechten Arm zum Gruß heben.“

In der ersten Trinkpause im Wald sei er dann mit Klaus ins Gespräch gekommen. Neutag schlüpft in die Rolle des Altenpflegers der beklagt, dass Pflegeeinrichtungen auf Rendite getrimmt werden, das Alloheim beispielsweise aus diesem Grund jährlich den Besitzer wechseln würde. „Ein Pflegedienst darf, wenn er die Exkremente eines Pflegebedürftigen beseitigt, 5,71 Euro berechnen. Setz das mal in Relation mit den 100 Milliarden Euro für Investitionen in der Bundeswehr. Man muss es politisch wollen. Dann ist genug Geld da“, fasste es Klaus zusammen. Und erinnert daran, dass man die Demokratie nicht auf Panzern transportieren kann.

An der nächsten Lichtung sei er dann mit Bertram, dem Politikberater von Karl Lauterbach, ins Gespräch gekommen. Bertram entschuldigte seinen Job damit, dass man das System von innen stützen müsse bei dem, der es am nötigsten hat. Lauterbach habe lange im Keller von Talkmaster Lanz gelebt. „Aber jetzt musst du nicht mehr durch die Talkshows tingeln. Du bist Minister, jetzt kannst du Pressekonferenzen abhalten“, habe er ihm immer wieder gesagt. Herrlich, wie Neutag den Minister imitiert, wenn der durch die Shows irrt und seine Fliege sucht.

„Wir sind Schisser geworden.“

Jens Neutag, Kabarettist

Auch die Ängste, die Unsicherheitsgefühle bei uns Deutschen seziert der Kabarettist genüsslich. Und vergleicht immer wieder unsere Lebenssituationen mit denen der Neandertaler. Was ihn zu der Feststellung kommen lässt: „Wir sind Schisser geworden.“ Sein Blick auf deutsche Reihenhäuser mit ihren handtuchgroßen Gärten dahinter und den Vorgärten, die mit Schotter zugeschüttet werden, da könne er verstehen, dass mancher fragt, ob er sich die Höhlen noch mal ansehen darf. Mit begeistertem Applaus bedankte sich das Publikum für diesen Kabarettabend.

Vorschau

Volker Diefes ist der nächste Gast in der Schatzkiste am Donnerstag, 21. April, 20 Uhr. Er hat sein Programm „Smart ohne Phone“ überschrieben. Eine Woche später heißt es bei Johannes Flöck zur selben Zeit: „Entschleunigung - aber zack, zack“.

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