Jeder kann lernen, wie man Geschichten frei erzählt

„Geschichten erzählen“ gibt es als Qualifizierungsangebot an der Akademie: Julia Abel und Sascha Pranschke. Fotos: Torsten Schäfer / Anna-Lisa Konrad
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„Geschichten erzählen“ gibt es als Qualifizierungsangebot an der Akademie: Julia Abel und Sascha Pranschke.

Julia Abel und Sascha Pranschke von der Akademie für Kulturelle Bildung ermutigen, Kinder und Jugendliche zum Erzählen zu animieren

Von Sabine Naber

„Erzählen und Zuhören stiftet Gemeinschaft, kann Nähe erzeugen und uns zusammenbringen“, davon ist Julia Abel überzeugt. Mit Sascha Pranschke leitet sie den Fachbereich Literatur und Sprache an der Akademie der Kulturellen Bildung in Reinshagen-Küppelstein. Auch die Organisation des Internationalen Erzählfestivals, das in diesem Jahr digital stattfindet, haben die beiden Experten in die Hand genommen.

Kindern etwas zu erzählen – der moderne Begriff heißt Storytelling – sei enorm wichtig. „Die Computer-Games machen es vor, spielen damit, erzählen Heldengeschichten. Über Identifikation kann die Welt erforscht, können Erlebnisse geschildert werden und wir können uns orientieren“, meint Julia Abel.

Ein Beispiel dafür geben die Bilderbücher, die Handlungsoptionen aufzeigen. Da erklärt ein Zahnputz-Ritter, wie die Milchzähne geputzt werden sollen, da wird unter anderem gezeigt, wie das mit dem Töpfchen funktioniert. Andere Bücher geben Orientierung, wie Probleme mit Freunden gelöst, wie mit dem Tod eines nahe stehenden Menschen umgegangen werden kann.

„Wenn wir selber erzählen, dann drücken wir uns in unseren Geschichten aus. Wenn wir ein Paar werden wollen, dann erzählen wir von uns, stellen Zusammenhänge her“, nennt Abel weitere Beispiele. Das seien wichtige Funktionen zur Identitätsentwicklung. Das Ausprobieren und Spielen von Geschichten, habe überdies eine soziale Funktion, lässt uns Gemeinschaft erleben.

„Jeder kann lernen, wie man Geschichten frei erzählt, ohne den Text vorher auswendig gelernt zu haben. Auch, wenn nicht jeder ein Künstler auf diesem Gebiet werden wird. Und auch das Zuhören muss man lernen“, sagt Julia Abel und schildert das Grundgerüst, das man dazu braucht.

Anfangen könnte man beispielsweise so: „Es war einmal eine Prinzessin. Eines Tages brach ein Drache durch das Tor ins Schloss ein. Das ist die Ausgangssituation. Dann muss die Geschichte weitergesponnen, vorangetrieben werden. Bewegung muss reinkommen. Und schließlich entschieden werden, ob sie gut oder schlecht ausgeht.“ Die Fantasie müsse angeregt werden, das könne man auch gut durch gemeinsame Spiele erlernen. Dabei können beispielsweise drei Begriffe wie Husten – Schlange – Spiegel genannt werden.

„Erzählen und Zuhören stiftet Gemeinschaft.“

Julia Abel, Fachbereich Sprache

Man trifft sich auf einem virtuellen Marktplatz, wo Händler bizarre Sachen anbieten. Wenn sich in der Spielgruppe fünf Käufer finden, die diese verrückte, ausgedachte Ware, bei der die drei Wörter eine Rolle spielen, kaufen, dann ist das Ziel erreicht worden.

„Es gibt keinen Ort, keine Zeit auf der Welt, wo nicht erzählt wurde, wo man sich nicht wechselseitig Geschichten erzählte, lebendige Bilder entwickelte“, versichert Julia Abel. Auch wenn nicht jeder Erzähler ein Bühnenkünstler werde, die Geschichten für Kinder genussvoll zu entwickeln und einzusetzen, dieses Handwerk könne man lernen. Das sei ein tolles Mittel, um die Sprache zu fördern, die Fantasie anzuregen, eine reichere, buntere Welt zu erleben. „Ich kann nur jeden ermutigen, mit Kindern und Jugendlichen zu erzählen“, meint die Fachbereichsleiterin.

Die Akademie in Küppelstein wendet sich mit ihrem Angebot „Geschichten erzählen“, eine Qualifizierung, die über zwei Jahre geht, in erster Linie an Multiplikatorinnen und Multiplikatoren. Das könnten beispielsweise Mitarbeitende in Kindertagesstätten sein oder auch Menschen, die in Bibliotheken, Seniorenheimen oder in Erzählcafés aktiv seien. „Auch wer Deutsch als Zweitsprache lernt, profitiert davon. Denn Geschichten werden über Strukturen und Bilder im Kopf lebendig. Der Erzähler kann sie schwierig oder leicht verständlich erzählen.“

Hintergrund

Die Akademie der Kulturellen Bildung des Bundes und des Landes Nordrhein-Westfalen in Remscheid-Reinshagen (Küppelstein 34), 1958 als Akademie Remscheid eröffnet, ist das Institut für kulturelle Jugendbildung in Deutschland. Sie wird von einem gemeinnützigen Verein getragen, in dem die Praxisfelder der kulturellen Bildung und der Kinder- und Jugendförderung repräsentiert sind. Kontakt: Mehr Infos gibt es im Internet unter

https://kulturellebildung.de

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