Klosterkirche

Jazztrio verswingt Bach und Chopin kunstvoll

Rossano Sportiello, Frank Roberscheuten und Martin Breinschmid bescherten dem Publikum einen tollen Konzertabend. Foto: Roland Keusch
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Rossano Sportiello, Frank Roberscheuten und Martin Breinschmid bescherten dem Publikum einen tollen Konzertabend.

Das Ensemble Three Wise Men begeisterte das Publikum in der gut besuchten Klosterkirche.

Von Peter Klohs

Remscheid. Auf der Bühne der Lenneper Klosterkirche steht ein großer Flügel. Daneben lehnen diverse Saxofone in ihren Ständern, ein beinahe minimalistisches Schlagzeug ist in der Mitte der Bühne platziert und wirkt gegen den immens großen Flügel spärlich. Kein Kontrabass ist zu sehen. Das Jazztrio Three Wise Men wird den Beweis antreten, dass reine Musikalität ausreicht, die Größe der Instrumente als unwichtig zu betrachten. Große Schlagzeuger brauchen kein Monster-Set.

Die drei weisen Männer sind Frank Roberscheuten, der diverse Saxofone und Klarinette spielt, der Pianist Rossano Sportiello sowie der Schlagzeuger Martin Breinschmid. Moderner traditioneller Jazz steht auf dem Programm, und schnell begreifen die Besucher in der sehr gut besuchten Klosterkirche, dass dies kein Gegensatz sein muss.

Das Programm heißt „The European Songbook“ und besteht aus Kompositionen von europäischen Musikern, die nicht aus dem Jazz-Genre stammen und mit Humor und Spielfreude für bassloses Jazztrio arrangiert sind.

Ein traditionelles Jazzkonzert ohne eine amerikanische Komposition? Kann das funktionieren? Bereits der Beginn des knapp 90-minütigen Konzertes antwortet darauf: Ja, unbedingt! Verdis Gefangenenchor aus der Oper Nabucco wird vom agierenden Trio derart kunstvoll verswingt, dass es eine reine Freude ist. Gerne hätte man längere Soli gehört, aber die Herren swingen sich ja gerade erst ein.

Über Franz Lehars Operette „Die lustige Witwe“ geht es zu Franz Doelles „Wenn der weiße Flieder wieder blüht“. Schon jetzt wird klar, dass Rossano Sportiello durch eine ungemein starke linke Hand den Bass so gut wie vergessen lässt, dass Roberscheuten seine Saxofone mit einem weichen Ansatz spielt, der dem von Paul Desmond in Dave Brubecks Gruppe sehr ähnlich ist und dass Breinschmid ein „Body-Drummer“ ist, der sein Instrument mit viel Körpereinsatz spielt.

Bemerkenswert auch der „Italian Medley“

Aber nicht nur das Schlagzeug beherrscht er: Ein Xylofon kommt zum Einsatz, später auch ein Bottlefon, bei dem Breinschmid auf unterschiedlich gefüllten Flaschen spielt. Der italienische Pianist stellt sich mit einem „Buona sera“ vor und bekommt ein langes Solo.

Zunächst Überraschung im Publikum, als Sportiello Chopin ankündigt, aber die Faszination der Klänge sorgt für Stille und Spannung. Die zwei verbundenen Nocturnes gipfeln in einem fast überdrehten Finale, das Chopin und Fats Waller kongenial verbindet. Überhaupt scheint bei Sportiello die Liebe zum Ragtime immer wieder durch.

Bemerkenswert auch der „Italian Medley“, in dem das Trio solche Schönheiten wie Morricones „Cinema Paradiso“ mit Traditionellem wie „O sole mio“ verbindet. Eine einfach nur schöne Musik, die beileibe nicht kitschig ist.

Die Kunstgriffe des Trios sind auch gegen Ende des Konzertes noch nicht erschöpft. Eine Etüde von Rachmaninoff kommt in Teilen als Cha Cha Cha daher, und Bachs Badinerie aus seiner zweiten Orchester-Suite glänzt durch ein feines Solo von Roberscheuten und dynamischen Einwürfen Breinschmids.

Aber das Trio und das Publikum haben noch Lust auf mehr, und so gibt es nach „Bei mir bist du schön“ noch eine aufregende Version von Brahms „Guten Abend, gute Nacht“, die irgendwo zwischen Stockhausen und Benny Goodman pendelt und dank eines Stride-Piano-Solos von Sportiello sogar kurz den Rock and Roll eines Eddie Cochran berührt. Begeisterung allenthalben.

Three Wise Men

Frank Roberscheuten wurde 1962 im niederländischen Nord-Brabant geboren und gründete mit 15 Jahren seine erste Dixieland-Band. Rossano Sportiello kam 1974 in Italien zur Welt und hat schon mit Clark Terry und Slide Hampton gespielt. Martin Breinschmid ist ein in Wien geborener Schlagzeuger und Vibrafonist, der nicht nur im Jazz, sondern auch in der Klassik zu Hause ist.

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