Historisches Foto

Das neue Rätsel: Früher war hier ein öffentliches Gebäude

Heute suchen wir ein einst öffentliches Gebäude in einem Remscheider Ortsteil. 
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Heute suchen wir ein einst öffentliches Gebäude in einem Remscheider Ortsteil. 

Rätselfoto zeigte die Kammgarnspinnerei an der Wülfingstraße – Lennep war einer der beiden Wülfing-Standorte.

Von Andreas Weber

Ihre Mutter arbeitete einst dort. Deshalb schüttelte Susanne Kock des Rätsels Lösung locker aus dem Ärmel: „Die gesuchte Firma mit Weltruf gehörte zur Stoff- und Tuchfabrik Wülfing.“ Angesiedelt war sie in Dahlerau und in Lennep. Mit einem ähnlichen Hintergrund meldete sich Sladi Cimerman: „Meine Mutter hat viele Jahre dort gearbeitet und war bei Wülfing bis zur Schließung. Es war für sie eine schöne Zeit mit allen ‘ausländischen Mitarbeitern’. Immer lustig, trotz schwerer Arbeit.“

So sah der Eingang zur Kammgarnspinnerei 1996 aus.

Nachdem die Dahlerauer Tuchfabrik bereits 1996 in Konkurs gegangen war, nahte das Ende der Kammgarnspinnerei an der Lenneper Wülfingstraße im Frühjahr 1998. Die bankrotte Lenneper Kammgarnspinnerei GmbH stellte ihre Produktion Ende März endgültig ein. Das Ende dieser Nachfolgegesellschaft der „Johann Wülfing & Sohn“ war gleichzeitig Schlusspunkt einer mehr als 200-jährigen Firmengeschichte.

„Für Lennep und Umgebung waren Spinnerei und Tuchproduktion in Dahlerau über Jahrhunderte prägend gewesen“, schrieb der RGA anlässlich der Schließung vor 22 Jahren. Der Lenneper Standort hatte trotz großer Anstrengungen von Management und Beschäftigten die Gewinnzone nie erreicht. Das überschuldete Unternehmen konnte keinen finanziellen Vergleich mit seinen Gläubigern herbeiführen. Das Amtsgericht eröffnete daher am 20. August 1997 den Anschlusskonkurs. Konkursverwalter Dr. Rainer Maus wollte die Firma retten. Vergebens: Die in- und ausländischen Interessenten hatten allenfalls Interesse an einem Erwerb von Maschinen. Rund 90 Männer und Frauen verloren damit 1998 ihren Job. Im Jahr zuvor waren bei der Kammgarn noch gut 220 in Lohn und Brot gewesen. Im Hintergrund des Auflösungsfotos ist der Turm von Feuerschutz Jockel zu sehen. Heute sind in dem Gebäudekomplex Style´n´Store und Steinhaus Konserven.

Der Wülfing-Eingang heute, die frühere Anschrift lautete Wülfingstr. 17.

Auch Bardo Reinke lag mit seiner Lösung richtig. Ganz so einfach war sie jedoch nicht. RGA-Leser Manfred Armbrust tippte auf das Alexanderwerk, Anne Kluge vermutete die David Kotthaus GmbH & Co. KG in der Brunnengasse.

Die Tuchfabrik Johann Wülfing & Söhne ist Geschichte, hatte aber eine lange Tradition. Sie wurde 1674 in Lennep gegründet, bis sie erst 322 Jahre später als eines der letzten deutschen Opfer im Konkurrenzkampf der internationalen Textilindustrie ihre Tore schließen musste. Die Gebäude blieben freilich erhalten. Gerade in Rade-Dahlerau, wo sie von der früheren Bedeutung des Unternehmens zeugen.

Tuchmuseum an der Hardtstraße beantwortet Fragen zur Textilindustrie

Seit 1997 pflegen die Mitglieder des Johann Wülfing & Sohn Museum e.V. das Erbe und erinnern mit Ausstellungen und Führungen an die versunkene Welt. Zum Wülfing-Museum in der Nachbarstadt gesellt sich das Tuchmuseum in der Lenneper Hardtstraße 2 (im Gebäude der Freiherr-vom-Stein-Schule) mit sechs Themenräumen. Träger des Museums ist die Anna-Hardt-Stiftung. Öffentliche Zuschüsse gibt es nicht. Ehrenamtliche Mitarbeiter kümmern sich um Ausstellung und Besucher.

Das Tuchmuseum ist aus dem Firmenmuseum der ehemaligen Tuchfabrik Wülfing hervorgegangen. Das weltumspannende Familienunternehmen aus Dahlerau produzierte hochwertige Wollstoffe. Ab 1880 lieferte eine Tochter, die Kammgarnspinnerei Lennep, einen Teil des dafür benötigten Garns. An der Hardtstraße werden viele Fragen beantwortet: Welchen Weg nimmt die Wolle vom Schaf bis zum Anzug? Was hatte Wülfing mit der Deutschen Bank zu tun? Wo badeten die Mitarbeiter? Und: Warum gibt es in Lennep kein Textilunternehmen mehr?

Wer mehr wissen will, kaufe die 264 Seiten starke Chronik von Peter Dominick aus Lennep: „Johann Wülfing & Sohn, Tuchfabrik 1674 – 1996, Kammgarnspinnerei 1879 – 1998 – Chronik einer Weltfirma”. Das Buch gibt es für 9,80 Euro im Tuchmuseum.

Das neue Rätsel

Heute suchen wir ein einst öffentliches Gebäude in einem Remscheider Ortsteil. Wenn Sie die Lösung wissen, schicken Sie sie uns bis Donnerstag, 27. August, per E-Mail oder Post, gerne verbunden mit persönlichen Anekdoten, an Remscheider General-Anzeiger, Alleestr. 77-81, 42 853 Remscheid.

redaktion@rga-online.de

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