Schnelles Internet

Nur 1,7 Prozent der Remscheider haben schon Glasfaser

Viele Glasfaser-Leitungen in Remscheid liegen schon, sind aber noch nicht in Betrieb. Auch so lasse sich die schlechte Quote erklären, sagt der städtische Gigabit-Koordinator. Doch selbst nach dem für in einigen Jahren geplanten Ausbau der „grauen Flecken“ dürfte der Anteil in Remscheid unter 50 Prozent bleiben.
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Viele Glasfaser-Leitungen in Remscheid liegen schon, sind aber noch nicht in Betrieb. Auch so lasse sich die schlechte Quote erklären, sagt der städtische Gigabit-Koordinator. Doch selbst nach dem für in einigen Jahren geplanten Ausbau der „grauen Flecken“ dürfte der Anteil in Remscheid unter 50 Prozent bleiben.
  • VonSven Schlickowey
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Schnelles Internet: Beim Breitbandausbau hat Remscheid eine der schlechtesten Quoten in NRW. Eine Besserung der Lage soll es bis Sommer geben.

Remscheid. Fast 24 000 Adressen mit einem Internetanschluss gibt es in Remscheid – einen echten Glasfaseranschluss haben aber nur die wenigsten. Laut Glasfaser-Atlas NRW liegt die Quote aktuell bei 1,7 Prozent, einer der niedrigsten Werte in ganz NRW. Nur die Kreise Olpe (1,0 Prozent), Höxter (0,8) und Herford (0,2) sowie die Solinger Nachbarn (0,3) stehen noch schlechter da. Für den städtischen Gigabit-Koordinator Christian Marré kein Grund zur Sorge, der Glasfaseranteil werde bis zum Sommer deutlich steigen, verspricht er. Und ein Wert wie zum Beispiel im Kreis Coesfeld (67,1) sei in Remscheid ohnehin auf absehbare Zeit nicht drin – weil viele Haushalte auch ohne Glasfaser „zu gut“ versorgt sind.

Erfasst sind in dem Atlas sogenannte FTTB- und FTTH-Anschlüsse, bei denen die Glasfaser bis ins Gebäude, teils sogar bis in die einzelnen Wohneinheiten, liegt. Das betreffe derzeit nur wenige Unternehmen, die einen Anschluss selber bezahlt haben, und das erste Cluster des laufenden Breitbandausbaus, das bereits in Betrieb genommen wurde, erklärt Christian Marré: „Von daher kommt 1,7 Prozent ungefähr hin.“ In den fünf anderen Clustern seien die Arbeiten schon weit fortgeschritten, die Glasfaserverbindungen aber noch nicht in Betrieb. „Dort kann das also noch nicht genutzt werden.“ Doch das werde sich in den kommenden Monaten ändern, so Marré: „Laut der Förderbedingungen muss das bis August abgeschlossen sein.“

„Laut der Förderbedingungen muss das bis August abgeschlossen sein.“

Christian Marré über den geförderten Breitbandausbau

Bis zu 3700 Gebäude könnten dabei insgesamt mit einem Glasfaseranschluss versorgt werden, was die Quote auf rund 15 Prozent steigen lassen würde. Sie stehen auf sogenannten „weißen Flecken“, wo zuvor Download-Geschwindigkeiten unter 30 Mbit pro Sekunde erreicht wurden. Weil diese Regionen als unterversorgt gelten, haben Land und Bund den Glasfaserausbau bezahlt. Im nächsten Schritt sollen dann die „grauen Flecken“ angegangen werden, sagt der Gigabit-Koordinator, Bereiche mit Download-Geschwindigkeiten unter 1000 Mbit. Hier seien die Förderbedingungen noch unklar, so Marré. Betroffen könnten aber noch mal mehr als 6000 Adressen sein.

Doch selbst wenn die einmal ausgebaut sind, ein Beginn der Arbeiten ist für das Jahr 2024 geplant, bleibt der Glasfaseranteil in Remscheid deutlich unter 50 Prozent. Insbesondere weil der Rest der Stadt auf dem Papier ausreichend versorgt ist. Rund 37 Prozent der Remscheider Haushalte würden zum Beispiel über einen Kabelanschluss verfügen, sagt Christian Marré“ „Damit haben die theoretisch 1000 Mbit.“

Und auch die Telefonanschlüsse in den Innenstadtbereichen liefern größtenteils ordentliche Geschwindigkeiten. Vor gut fünf Jahren hatte die Telekom in den dicht besiedelten Bereichen, dort wo es genug potenzielle Kunden gibt, auf eigene Kosten Glasfaserkabel verlegt. Allerdings entschied man sich damals für die Vectoring-Technik, in Fachkreisen als FTTN bezeichnet, bei der die Glasfaserleitungen nur bis zu den grauen Verteilerkästen reichen. Für die letzten Meter ins Haus blieben die Kupferkabel liegen, so dass diese Haushalte im Glasfaser-Atlas nicht erfasst werden.

Das Problem: Je weiter das Gebäude vom Verteiler entfernt ist, je länger also das Kupferkabel, desto weniger kommt dort von der eigentlich möglichen maximalen Downloadgeschwindigkeit an. Nicht nur deswegen sind sich Experten einig, dass die Zukunft auch in den Innenstädten in echten Glasfaseranschlüssen liegt. Ohne entsprechendes Förderprogramm sei man da aber darauf angewiesen, dass die Telekommunikationsunternehmen von sich aus investieren, betont Christian Marré: „Auch da schauen wir, wie wir das gepusht kriegen.“ Erste Gespräche mit Unternehmen habe es bereits gegeben. „Da ist schon was in der Pipeline.“

Ausbau in sechs Clustern

In sechs Clustern läuft der geförderte Breitbandausbau für „weiße Flecken“. Das erste (Westen, Langenhaus, Oelingrath) wurde bereits in Betrieb genommen, die Cluster 2 (Mitte/Lüttringhausen), 3 (Süd), 4 (Lennep), 5 (Kremenholl/West) und 6 (Hasten) sollen bis August folgen.
Die Art des Glasfaserausbaus unterscheidet sich danach, wie weit die Leitung reicht. Bei FTTN (fibre to the node, etwa: Faser bis zum Knoten) geht es bis zum Verteiler, bei FTTB (fibre to the building) endet die Leitung im Gebäude, FTTH (fibre to the home) reicht bis in die Wohnung.

Standpunkt von Sven Schlickowey: Schneller und günstiger

sven.schlickowey@rga.de

Etwa 20 Milliarden Euro wird der geförderte Breitbandausbau im ländlichen Raum kosten, hat der Tüv mal im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums berechnet. Das ist nicht nur teuer, das dauert auch verdammt lange. Dabei hätten wir es einfacher, schneller und günstiger haben können.

2011 gab es die Idee für einen sogenannten Internet-Universaldienst. Der Deal, stark vereinfacht: Telekom und Co. dürfen in den Innenstädten gutes Geld mit Internetanschlüssen verdienen, müssen dafür aber auch die weniger dicht besiedelten Regionen mit ausbauen. Als Zielvorgabe wurde damals 2018 genannt. Ein Vorschlag, der insbesondere durch die Lobby-Arbeit der Telekommunikationsbranche verhindert wurde, auch weil die Kosten angeblich zu hoch seien.

Tatsächlich wären die Verbindungspreise, ohnehin schon mit die höchsten in Europa, dadurch vielleicht noch etwas gestiegen. Aber sicher nicht um 20 Milliarden.

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