Die Woche

Interessenbekundungsverfahren führen nicht zum Sieg 

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Seit Montag sollen die Bürger gar nicht mehr selbst zahlen müssen, um sich einmal pro Woche schnelltesten zu lassen.

Remscheid. Seit Anfang Oktober steht der „Corona Walk-In“ auf der oberen Alleestraße. Kurz vor den Herbstferien warteten die Remscheider dort in einer langen Schlange, um sich per PCR-Test von der Düsseldorfer Firma Zotz Klimas auf Corona testen zu lassen. Für 75 Euro, buchstäblich pro Nase. Im November folgte auf dem Schützenplatz der „Corona Drive-In“. Dafür hatte sich eigens die Bergische Schnelltest GmbH gegründet. Für jeden Test, für den das Auto nicht verlassen werden musste, wurden 40 Euro fällig. Später wurde es billiger.

Seit Montag sollen die Bürger gar nicht mehr selbst zahlen müssen, um sich einmal pro Woche schnelltesten zu lassen. So haben es Bund und Länder beschlossen. Nun ließe sich annehmen, dass die Infrastruktur, die in Remscheid einmal vorhanden ist, auch dafür genutzt wird, das heißt, dass die kostenlosen Tests ebenfalls im Walk-In beziehungsweise im Drive-In möglich sein sollten. Sind sie aber nicht. Jedenfalls noch nicht. Die kostenlosen Tests, die die Lockerungen des Lockdowns absichern sollen, gibt es deshalb nicht. Stattdessen gibt es ein Interessenbekundungsverfahren.

Dieses Wortungetüm steht sinnbildlich so ziemlich für alles, was den Kampf gegen Sars-CoV-2 in Deutschland so schwierig macht. Statt wie in anderen Ländern zu impfen und zu testen, was das Zeug hält, treibt die Bürokratie immer neue Blüten.

Erst waren die Impfstoffeinkäufer in Brüssel zu langsam und zu knauserig. Anschließend brachte die Ständige Impfkommission das Vakzin von Astrazeneca in Verruf. Und zum vorläufigen Abschluss des Desasters darf aus einem Fläschchen von Biontech/Pfizer zwar eine siebte Dosis gewonnen werden. Auch werden die dafür erforderlichen Null-Rest-Spritzen den Niederländern schon seit Wochen in die Oberarme gestochen. In NRW aber hatte das Gesundheitsministerium noch nicht die Muße dazu, das ebenfalls zu genehmigen.

Der quälend langsame Kampf gegen die Pandemie geht auf Kosten der Gastronomen, auf Kosten des Einzelhandels, auf Kosten der Familien. Und er geht auf Kosten unserer Demokratie. Denn alles, was sich hinter Begriffen wie Interessenbekundungsverfahren verbirgt, beschert solchen Gruppen Zulauf, die am Montagabend wieder protestierend durch Lennep ziehen. Von 60 Teilnehmern ist der Marsch auf 250 gewachsen. Dabei können die Lenneper gewiss gut und gerne auf solche Spaziergänger verzichten.

TOP Corona-Schau: Röntgen-Museum zeigt alles zu Sars-CoV-2.

FLOP Schließung: Schuhhändler Klauser verlässt das Allee-Center.

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