Bienenfrühling 2019

Insektenfreundliche Gestaltung: Ein guter Bienengarten lebt von viel Natur

Der Garten der Natur-Schule Grund ist ein wahres Paradies für Bienen und andere Insekten. Diplom-Biologe Jörg Liesendahl verrät, dass sich unter anderem Primeln als Nahrungslieferanten eignen. Foto: Michael Schütz
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Der Garten der Natur-Schule Grund ist ein wahres Paradies für Bienen und andere Insekten. Diplom-Biologe Jörg Liesendahl verrät, dass sich unter anderem Primeln als Nahrungslieferanten eignen.

Wer auf Zuchtpflanzen und Schotterflächen setzt, erschwert Insekten die Suche nach Nektar und Pollen erheblich.

Von Manuel Böhnke

Mit ihren gelben Blüten gibt die Forsythie im Garten der Natur-Schule Grund ein schönes Bild ab. „Einen ökologischen Wert hat sie im Grunde jedoch nicht“, erklärt Jörg Liesendahl. Was der pädagogische Leiter der Natur-Schule meint: Die Blüten enthalten keinen Nektar. Den aber brauchen Insekten wie Bienen dringend als Energiequelle. An diesem Beispiel wird deutlich, dass eine bunte Optik nicht das ausschlaggebende Kriterium für eine insektenfreundliche Gartengestaltung ist. Der Diplom-Biologe gibt Tipps, wie die gelingen kann. Das Herzstück eines Gartens ist die Bepflanzung. „Es braucht Mut zur Natur“, sagt Liesendahl. Hochgezüchtete Pflanzen geben zwar häufig ein schönes Bild ab, seien aber in vielen Fällen für Bienen und Co. ungeeignet. Jörg Liesendahl rät, zu möglichst naturnahen Pflanzen zu greifen, die ausreichend Pollen und Nektar vorweisen können. Wer wissen möchte, welche Gattung sich für welchen Platz im Garten eignet, solle sich am besten in einer Fachgärtnerei beraten lassen.

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Wer denkt, Biene sei gleich Biene, irrt sich. Denn während sich Honigbienen Liesendahl zufolge theoretisch an allen nektarführenden Pflanzen bedienen können, sieht das bei Wildbienen anders aus. „Die sind spezialisiert und können mit manchen Pflanzen wenig anfangen“, verrät der 58-Jährige. Wolle man diesen Bedürfnissen gerecht werden, biete es sich an, Wildpflanzen im Garten wachsen zu lassen. „Da ist mit Sicherheit für viele Bienen etwas dabei.“ So wird man zudem der Anforderung gerecht, möglichst viele für Insekten interessante Pflanzen zur Verfügung zu stellen.

Bienen sollten über einen möglichst langen Zeitraum Nahrung finden

Ein weiterer Hinweis Liesendahls: Die Bepflanzung sollte so gestaltet werden, dass die Bienen über einen möglichst langen Zeitraum im Jahr Nahrung finden. Das beginnt etwa mit Schneeglöckchen im Frühjahr. Wenn dann Ende Juli viele Blütenpflanzen aufhören zu blühen, bieten sich Arten wie den wilden Majoran an, der zu dieser Zeit noch blüht.

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Selbst wer keinen Garten hat, kann etwas für Bienen tun. Auf dem Balkon könne man etwa problemlos Optik mit Nutzen verbinden. So seien Kräuter mit „tollen Blüten“ für viele Insekten interessant.

Doch Bienen brauchen nicht nur Pollen und Nektar, sondern auch Wasser für ihre Brut. Deshalb ergebe es Sinn, eine Wasserstelle zur Verfügung zu stellen. Das gelte insbesondere für Wohngebiete, in denen es nur wenige Möglichkeiten gibt, Flüssigkeit aufzunehmen. Statt zu stehendem Wasser rät Liesendahl wegen der Gefahr des Ertrinkens zu einer kleinen, mit Moos gefüllten Wanne.

Ebenfalls zu Natürlichkeit rät der 58-Jährige mit Blick auf den Unterschlupf für Bienen. Zwar könne man einigen Arten mit einem selbstgebauten Bienenhotel als Nistplatz durchaus helfen, doch eher sollte man dafür sorgen, natürliche Gelegenheiten nicht zu versperren. Dabei denkt er etwa an Bruchsteinmauern oder alte Mäuselöcher für Hummeln. „Man muss die Orte anbieten. Dann können die Tiere selber schauen, was ihnen passt.“

Wenig sinnvoll mit Blick auf eine bienenfreundliche Gartengestaltung seien dagegen Schotterflächen, die aktuell vor allem als Vorgärten beliebt sind. Statt grüner Vielfalt bieten sie graues Allerlei. Spezielle Folie unter dem Schotter soll in vielen Fällen verhindern, dass sich Vegetation Bahn bricht. „Das hat nicht nur negative Folgen für das Stadtklima, sondern schränkt den Lebensraum vieler Insekten ein“, bewertet Jörg Liesendahl den aktuellen Trend.

„Grundsätzlich“, fasst der Biologe zusammen, „ist der Garten ein Ort, den der Mensch nach seinen Vorstellungen gestalten soll. Andere Lebewesen darf man aber nie vergessen.“

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