In schweren Zeiten wurde ihre Beziehung noch stärker

Die Familie schnibbelt gern gemeinsam: Stefanie Alders-Dommes (l.) mit ihren beiden Kindern und ihrer Mutter Eva Manns. Foto: Roland Keusch
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Die Familie schnibbelt gern gemeinsam: Stefanie Alders-Dommes (l.) mit ihren beiden Kindern und ihrer Mutter Eva Manns.

Krankheit, Pandemie, Vereinbarkeit von Familie und Job: Stefanie Alders-Dommes kann sich auf ihre Mutter Eva Manns verlassen

Von Melissa Wienzek

Der Vierjährige werkelt draußen im Sandkasten, die Siebenjährige malt derweil drinnen am Esszimmertisch – sie genießen die Zeit bei ihrer Oma Eva Manns (65). Und die wohnt neuerdings nur einen Steinwurf entfernt. Denn Eva Manns und ihr Mann sind gerade von Lüdenscheid aus wieder nach Remscheid gezogen – der Familie wegen. „Meine Enkelkinder bedeuten mir alles“, sagt die 65-Jährige, die Anfang dieses Jahres in den Ruhestand gegangen ist. Vorher hat sie ein Altenheim geleitet. „Auch in Pandemiezeiten wollte ich meine Enkelkinder immer sehen.“ Um die Familie wieder im Südbezirk zu vereinen, baute Eva Manns Sohn kurzerhand seine ehemalige Werkstatt zu einem Wohnhaus um. Dort haben die Kinder nun sogar ein eigenes Zimmer mit genügend Wechselwäsche, dürfen kommen und gehen, wann sie wollen – und brauchen dafür gerade mal ein paar Schritte. Denn Eva Manns und ihr Mann leben an der Intzestraße, die Familie Alders-Dommes am Struck. „Manchmal ist meine Tochter sogar schon mal eine ganze Woche hier. Sie hat eine sehr enge Beziehung zu meiner Mutter – für sie ist die Oma wie eine zweite Mutter. Wenn wir uns streiten, rufe ich schon mal meine Mutter an, dann wirkt sie deeskalierend auf meine Tochter“, erklärt Stefanie Alders-Dommes.

Und das aus gutem Grund. Denn als die Kleine vor sieben Jahren geboren wurde, konnte sich Stefanie Alders-Dommes noch nicht so recht in ihre Mutterrolle einfinden, erzählt sie offen. Ihre Mutter, gelernte Kinderkrankenschwester, sei ihr hier eine große Stütze gewesen, habe sich viel um die Kleine gekümmert. „Seitdem haben wir beide auch wieder mehr zusammengefunden.“ Natürlich haben die beiden Frauen auch ihre Hochs und Tiefs. „Es kracht schon mal, weil wir sehr unterschiedlich sind“, gibt die 42-Jährige zu. Dennoch können beide Seiten aufeinander zählen – das Familienband ist stark.

Und das ist gerade jetzt in Pandemiezeiten wertvoll. „Ich fühle mich wegen Corona sehr gestresst“, sagt Stefanie Alders-Dommes. Weil ihr Mann derzeit ein Studium bei der Polizei absolviert und regelmäßig über einen längeren Zeitraum fort ist, muss Stefanie Alders-Dommes den Familienalltag mit zwei Kindern allein managen – und diesen mit ihrem Job unter einen Hut bringen. Denn die Remscheiderin arbeitet als Biologin im Bayer-Forschungszentrum in Wuppertal-Aprath und hat dort teilweise Anwesenheitspflicht. Denn ihre Versuche kann sie nur im Labor durchführen, nicht im Homeoffice. Die Pendelzeiten kommen obendrauf – nicht immer sind die Arbeits- und Fahrtzeiten mit denen der Kinder so leicht zu vereinbaren.

„Dafür hast du dich bei mir revanchiert.“

Eva Manns zu ihrer Tochter in Bezug auf ihre Genesungsphase

„An manchen Tagen ist es so, dass ich meinen Sohn um 7.15 Uhr in die Kita am Honsberg bringe, meine Tochter geht dann allein zur Schule. Nach der Arbeit hole ich meinen Sohn wieder ab und mache noch das übrige Homeschooling, danach arbeite ich im Homeoffice weiter. Um 20 Uhr bin ich dann auch ehrlich gesagt k. o.“

An diesen Tagen sei Eva Manns ein Fels in der Brandung für sie, gibt die zweifache Mutter zu. Ihre siebenjährige Tochter gehe des Öfteren nach der Schule zu Fuß zu ihrer Oma – und die genießt die gemeinsame Zeit ebenfalls. „Ich bin froh, dass ich sie und ihren Mann habe“, sagt Stefanie Alders-Dommes.

„Dafür hast du dich bei mir revanchiert“, sagt Eva Manns und spielt damit auf ihre Krankheit an. Ende 2017 wurde bei ihr Brustkrebs diagnostiziert. Chemotherapie, Bestrahlung, Lungenentzündung – auf diesem Weg hätten Kinder und Enkelkinder sie stets begleitet und ihr Kraft gegeben, erzählt Eva Manns. Ende 2020 wurde dann ein Hirntumor festgestellt, eine Metastase vom Brustkrebs, die in einem Essener Krankenhaus operativ entfernt wurde.

In dieser Zeit, mitten in der Pandemie, durfte Eva Manns keinen Besuch empfangen, noch nicht mal raus auf den Flur. Sie war quasi für rund zwei Wochen nur in ihrem Zimmer – und hatte „furchtbare Angst“, wie sie zugibt. Die Kinder haben dann oft per Whatsapp-Videoanruf angerufen. Und Stefanie Alders-Dommes hat sich bei Arztgesprächen zuschalten lassen. So war die Familie trotzdem immer da. „Die Wichtigkeit unserer Familie ist durch all das noch einmal gestärkt worden“, sagt Stefanie Alders-Dommes anlässlich des morgigen Muttertages.

Muttertag

Die Ursprünge des Muttertags lassen sich bis zum antiken Griechenland zurückverfolgen. Der Muttertag in seiner heutigen Form wurde in der englischen und US-amerikanischen Frauenbewegung geprägt. Er hat sich seit 1914 in der westlichen Welt etabliert. Im deutschsprachigen Raum und den USA wird er am zweiten Sonntag im Mai gefeiert.

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