Wir in dieser Welt

In Krisenzeiten suchen wir nach Halt und Absicherung

Pfarrerin Anne Simon.     Foto: Ralf Kochenrath 
+
Pfarrerin Anne Simon.

Eine Geistliche macht sich Gedanken.

Von Pfarrerin Anne Simon, Ev. Auferstehungs-Kirchengemeinde Remscheid

Remscheid. In Krisenzeiten suchen wir nach Halt und möchten uns absichern. Alles, was fremd ist oder zu sein scheint, wirkt dann schnell bedrohlich und muss ausgeblendet, wenn nicht gar bekämpft werden. Rassistische und antisemitische Denkmuster zeigen sich wieder verstärkt – auch im Umgang mit Geflüchteten. Die einen scheinen uns näher zu sein als die anderen. Die Geflüchteten aus der Ukraine nehmen wir anders wahr als Menschen aus Afghanistan oder Schwarzafrika. Frauen mit Kindern, ja – aber vorwiegend junge Männer ...?

In der hebräischen Bibel wird das Thema „Umgang mit Fremden“ ausgeleuchtet und mit einer klaren Ausrichtung versehen. „Der Fremde, der sich bei euch aufhält, soll euch wie ein Einheimischer gelten und du sollst ihn lieben wie dich selbst; denn ihr seid selbst Fremde ... gewesen“ (3. Buch Mose, Kapitel 19, Vers 34). Im Neuen Testament wird diese Linie weiterverfolgt. Jesus spricht vom Kommen des Weltgerichts und sagt: „... Ich bin ein Fremder gewesen und ihr habt mich aufgenommen … (Matthäus-Evangelium Kapitel 25, Verse 35ff.). Das Wort „Fremdlinge“ entspricht dabei den Wörtern „Geflüchtete“ und Asylbewerber“.

Unter den Geflüchteten sind auch Lesben und Schwulen, Bi-, Trans- und Intersexuelle (LSBTI). Zwar haben die Emanzipationskämpfe der letzten Jahrzehnte zu vielen (rechtlichen) Verbesserungen geführt; aber die Kämpfe dauern an, unter anderem weil es wieder viele Rückschritte gibt.

Bedroht werden queere Menschen etwa in Afghanistan durch die menschenfeindlichen Gesetze der Taliban. Oder in Polen, wo sich eine Reihe von Gemeinden seit Anfang 2019 zu „LSBTI-freien“ Zonen erklärt haben.

Auch in Deutschland gibt es noch eine Menge zu verbessern, nicht nur in der Willkommenskultur für LSBTI-Geflüchtete.

Am Dienstag findet der Internationale Tag gegen Homo-, Bi-, Inter- und Transphobie bzw. -feindlichkeit (IDAHOBIT) statt. Das Datum wurde zur Erinnerung an den 17. Mai 1990 gewählt, an dem die Weltgesundheitsorganisation beschloss, Homosexualität aus ihrem Diagnoseschlüssel für Krankheiten zu streichen.

In Remscheid werden Aids-Hilfe, Kraftstation, Gelbe Villa, Jugendrat und Agot am 17. Mai zwischen 16 und 18 Uhr einen Aktionsstand an der Zange auf der Alleestraße aufbauen.

Vielleicht ist die/der Andere doch nicht so fremd, wie wir befürchten; nur Mut; denn sie/er ist wie Du.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Weihnachtstreff: Das soll als Ersatz für die Eisbahn kommen
Weihnachtstreff: Das soll als Ersatz für die Eisbahn kommen
Weihnachtstreff: Das soll als Ersatz für die Eisbahn kommen
Bayram Ö. wegen versuchten Totschlags angeklagt
Bayram Ö. wegen versuchten Totschlags angeklagt
Bayram Ö. wegen versuchten Totschlags angeklagt
Wochenmärkte in Remscheid kämpfen ums Überleben
Wochenmärkte in Remscheid kämpfen ums Überleben
Wochenmärkte in Remscheid kämpfen ums Überleben
Die Erben der Corona-Proteste: So ticken die Donnerstagsspaziergänger
Die Erben der Corona-Proteste: So ticken die Donnerstagsspaziergänger
Die Erben der Corona-Proteste: So ticken die Donnerstagsspaziergänger

Kommentare