Pandemie

Impfkampagne kann in Remscheid nicht mit Coronavirus schritthalten

Der Impfstoff Pfizer-BioNTech. Foto: Roland Keusch
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Der Impfstoff von Pfizer-BioNTech.
  • Axel Richter
    VonAxel Richter
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Nur 146 Erstimpfungen pro Woche. Bis die Impfstelle am 1. Dezember öffnet, soll es noch spezielle Aktionen in Remscheid geben.

Remscheid. Die Sieben-Tage-Inzidenz zeigt leicht rückläufige Zahlen. Doch das ist nur dem arbeitsfreien Wochenende geschuldet. Am Dienstag wird die Zahl der Corona-Neuinfektionen auf 100 000 Remscheiderinnen und Remscheider erneut über 170 liegen. Auch die Zahl der Krankenhauseinweisungen steigt. Aktuell berichten die Kliniken von 15 Covid-Patienten. Drei befinden sich auf der Intensivstation, einer muss beatmet werden.

Damit gilt die Lage auf der Intensivstation des Sana-Klinikums als vergleichsweise entspannt. Doch das wird so nicht bleiben. Prognosen sehen Remscheid absehbar bei einer Inzidenz von 200. „Ich glaube, wir werden darüber liegen“, sagt Thomas Neuhaus (Grüne), Leiter des Corona-Krisenstabes. Die Intensivstation, auf der laut Robert-Koch-Institut aktuell 24 von 26 Betten belegt sind, dürfte sich deshalb rasch weiter füllen.

Die Impfung schützt dagegen, wenn auch nicht zu 100 Prozent. Die Zahl der Impfdurchbrüche liegt in Remscheid aktuell zwischen 20 und 25 Prozent. Und: „Diejenigen, denen es schlecht geht, sind alle ungeimpft“, sagt Neuhaus.

Doch die Impfkampagne kann mit dem Virus nicht mithalten. 1483 Impfungen wurden nach Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein in der vergangenen Woche in Remscheid vorgenommen. Mit 1076 entfällt das Gros auf Booster-Impfungen. Zum zweiten Mal geimpft wurden 261 Remscheiderinnen und Remscheider. Neu hinzugekommen zu den Geimpften sind jedoch nur 146.

Die Zahl der Erstgeimpften liegt damit bei annähernd 75 500, die der zwei Mal Geimpften bei 70 500. Zählt man die 7000 Remscheider dazu, die Corona hatten und deshalb Antikörper haben, und sieht man von den Kindern unter 12 Jahren ab, die sich nicht impfen lassen können, hat Remscheid eine vergleichsweise gute Quote. Allerdings ist sie nicht gut genug, um die vierte Welle zu brechen.

„Ein Schuh wird nur draus, wenn wir uns alle noch mehr verausgaben.“

Thomas Neuhaus, Krisenstab

Große Hoffnungen setzt der Krisenstab auf die neue Impfstelle im Zentrum Süd. Ab dem 1. Dezember sollen dort drei Ärzte zwölf Spritzen pro Stunde setzen – „wie bei Henry Ford“, sagt Thomas Neuhaus in Erinnerung an den Erfinder des Fließbandes.

In der Zwischenzeit sind zwei Impfaktionen im Gesundheitshaus in Hasten angesetzt. Und, sagt Neuhaus: „Ich habe vier ganze Tage das Impfmobil der AOK zugesichert bekommen.“ An drei Tagen im Dezember und einem Tag im Januar soll das Mobil vor Ort sein und impfen.

Für eigene Vor-Ort-Aktionen, zum Beispiel im Allee-Center, fehle der Stadt dagegen das Personal, sagt Neuhaus auch mit Blick auf den Wochenkommentar im RGA am Samstag. Stattdessen setzt der Gesundheitsdezernent und Krisenstabsleiter auch auf die Unterstützung der niedergelassenen Ärzte.

Wie berichtet, werden die in ihren Praxen derzeit vor allem von Booster-Willigen überrannt. Dennoch sollen sie dafür gewonnen werden, für ein oder zwei „Impf-Samstage“ ihre Praxen zusätzlich zu öffnen. Zum Beispiel im „Impf-Advent“. Den hat das NRW-Gesundheitsministerium ersonnen: Im Dezember soll an allen Adventssamstagen geimpft werden. Neuhaus ist dafür: „Es geht um den Schutz der Bevölkerung“, sagt er: „Und ein Schuh wird nur draus, wenn wir uns alle noch mehr verausgaben.“

Standpunkt: 2G muss jetzt kommen

axel.richter@rga.de

Von Axel Richter

Saxo-Wirt Niklas Bergmann hat es vorgemacht: Schon seit Anfang September darf sein Lokal in Remscheid nur noch betreten, wer entweder geimpft oder von Covid-19 genesen ist. Die gleiche Konsequenz lassen die politischen Entscheidungsträger in unserem Land bis heute vermissen. Das ist nicht nachvollziehbar und nicht gerecht. Denn ein Staat ist nicht nur dazu da, seinen Bürgerinnen und Bürgern Rechte einzuräumen; er darf ihnen auch Pflichten abverlangen. In anderen Ländern ist das selbstverständlich. Dort verstehen die Menschen, dass es ein Segen ist, über funktionierende Vakzine zu verfügen, zumal der größte Teil der Welt, dort, wo die Armut zu Hause ist, nur von solchen Möglichkeiten träumen kann. Im reichen Deutschland lassen wir es hingegen zu, dass eine Minderheit der Ungeimpften die Mehrheit der Geimpften in Geiselhaft nimmt, sie gefährdet und beschränkt. Nun hat der neue NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst angekündigt, eine landesweite 2G-Regel zu „prüfen“. Einführen sollte er sie. So wie Niklas Bergmann es für sein Saxo schon vor Wochen getan hat. Das ist konsequentes Handeln in der Corona- Pandemie

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