Sie kümmert sich um Covid-Patienten

Intensivpflegerin: „Es gibt auch viele schöne Momente“

„Ich spüre eine moralische Verpflichtung“: Intensivschwester Viktoria Schneider im Sana-Klinikum. Foto: Stefan Mülders
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„Ich spüre eine moralische Verpflichtung“: Intensivschwester Viktoria Schneider im Sana-Klinikum.

Viktoria Schneider (25) ist Intensivpflegerin im Sana-Klinikum – täglich hat sie dort auch mit Covid-Patienten zu tun.

Das Interview führte Axel Richter

Frau Schneider, ich nehme an, Sie haben sich gegen das Coronavirus impfen lassen. Warum?

Viktoria Schneider: Ja, habe ich. Glücklicherweise wurde im Sana-Klinikum bereits mit der Impfung begonnen. Ich finde das hauptsächlich für meine Familie, Freunde und natürlich für die Patienten wichtig. Denn gerade bei uns auf der Intensivstation sind die Patienten sehr krank und besonders schutzbedürftig. Ich habe weniger Sorge um mich als um die Menschen, die mich umgeben.

Einige in Ihrem Beruf sind sich angeblich weniger sicher. Haben Sie Verständnis für jene, die die Impfung ablehnen?

Schneider: Ich habe in meinem beruflichen Umfeld nicht das Gefühl, dass man sich wenig sicher ist. Die Impfbereitschaft bei allen Kollegen ist meines Wissens nach sehr hoch. Es liegt in der Natur des Menschen, dass man Angst vor Neuem hat. Auf der einen Seite verstehe ich diese Ängste, auf der anderen Seite ist es der einzige Weg, wieder Normalität zu erreichen. Ich verurteile aber keinen, der sich nicht impfen lässt.

Pflegekräfte tragen eine besondere Verantwortung für den Personenkreis, der ihnen anvertraut ist. Gibt es da nicht schon eine moralische Pflicht?

Schneider: Ja, das stimmt. Ich habe mir den Beruf auch nicht ohne Grund ausgesucht. Ich selbst spüre eine moralische Verpflichtung. Schlussendlich ist es aber eine persönliche Entscheidung. Ich wünsche mir, dass sich viele impfen lassen.

Wer als Intensivpflegekraft arbeitet, hat immer einen verantwortungsvollen Beruf. Doch die wenigsten können sich vermutlich vorstellen, wie dieser Job in Corona-Zeiten ist. Wie müssen wir uns Ihren Arbeitsalltag vorstellen?

Schneider: Im Moment haben wir fünf Covid-Patienten, die wir neben den anderen Intensivpatienten betreuen. Wir übernehmen die gesamte intensivpflegerische Versorgung, die Vorbereitung der Diagnostik und Therapie, die ansteht, und sind die wesentliche Schnittstelle zu den Ärzten. Jeder Tag ist anders, das macht sicherlich auch unseren Beruf aus.

Wie anstrengend oder belastend ist das?

Schneider: Es ist momentan ziemlich anstrengend und belastend, da derjenige, der die Covid-Patienten betreut, dies auch die ganze Schicht tut. Man ist lange im Zimmer gebunden, so dass man sich gut vorbereiten muss. Man muss darauf achten, langsam zu arbeiten, um die körperliche Anstrengung auszugleichen. Denn unter der Schutzausrüstung wird einem sehr schnell sehr warm. Es ist zudem auch belastender, weil wir auf der einen Seite die Angehörigen ein Stück ersetzen müssen und zum anderen ist die Krankheit auch näher an einem selbst dran. So denke ich auch mehr an meine eigenen Angehörigen, die im gleichen Alter ähnlich gefährdet sein könnten.

Wie schützen Sie sich selbst?

Schneider: Ich fühle mich durch die bereitgestellte Schutzausrüstung ausreichend sicher. Bevor ich nach Hause gehe und im privaten Alltag achte ich zudem darauf, dass ich alle gebotenen Hygieneregeln umsetze. Dies sollte im Übrigen jeder machen, unabhängig von seinem Beruf.

Und nach der Arbeit: Haben Sie sich schon selbst gefragt, ob Sie sich vielleicht angesteckt haben?

Schneider: Wenn ich ehrlich bin: Nein, ich habe mir darüber keine Sorgen gemacht. Ich hatte selbst noch keinerlei Symptome und fühle mich gut geschützt. Dennoch bleibt natürlich auch immer ein Restrisiko.

Haben Sie Angst um Freunde und Familie?

Schneider: Angst würde ich das nicht nennen. Es ist eher eine allgemeine Sorge, die uns alle betrifft - auch diejenigen, die nicht im Gesundheitswesen arbeiten.

Treffen Sie die noch?

Schneider: Es ist seltener geworden. Freunde treffe ich eigentlich gar nicht mehr und die Familie sehr selten und auch nur dann, wenn wir es alle entsprechend vertreten können und es den Regeln entspricht.

Gibt es für Sie im Beruf denn auch schöne Momente?

Schneider: Ja, es gibt gerade in unserem Beruf auch viele schöne Momente, insbesondere dann, wenn Patienten sich von ihrer Krankheit erholen. Ein Patient zum Beispiel, der an Covid erkrankt war und nach einer Reanimation lange bei uns lag, konnte extubiert werden. Er hatte sich dann so gut erholt, dass er per Videochat über ein Tablet mit seinen Angehörigen sprechen konnte. Diesen Moment miterleben zu können war auch für uns Pflegekräfte ein Gänsehauterlebnis. Ich hatte ihn drei Wochen durchgängig betreut, und als er gesundet nach Hause konnte, haben wir uns alle mit ihm gefreut. Er hält auch noch immer Kontakt zu uns.

Was wünschen Sie sich von den Remscheidern?

Schneider: Dass alle die Maske tragen und dass alle weiter Verständnis für die Maßnahmen haben. Sicherlich sind inzwischen alle etwas müde angesichts der schon lange anhaltenden Einschränkungen, aber es sollten sich alle weiter zusammenreißen. Auch wenn jetzt der Impfstoff da ist, müssen bitte alle weiter durchhalten.

Und was sagen Sie Menschen, die immer noch behaupten, es handele sich bei Covid-19 doch nur um eine Grippe?

Schneider: Wenn es derzeit möglich wäre, würde ich diese Menschen gerne mal auf die Intensivstation einladen, dann würde bei ihnen ganz sicher ein anderer Eindruck entstehen.

Zur Person

Viktoria Schneider (25) ist Gesundheits- und Krankenpflegerin auf der Intensivstation des Sana-Klinikums Remscheid. Die Remscheiderin besuchte die Sophie-Scholl-Gesamtschule, baute auf dem Käthe-Kollwitz-Berufskolleg ihr Fachabi und absolvierte ihre Ausbildung am Sana-Klinikum.

Seit 2017 arbeitet sie auf der Intensivstation. Täglich kümmert sie sich dort auch um Covid-Patienten. An ihrer Arbeit schätzt sie vor allem den engen und starken Bezug zu den Patienten, der sich durch die intensive Pflege aufbaut.

Corona-Schutzverordnung: Diese Regeln gelten speziell in Remscheid

Aktuelle Informationen zur Corona-Situation in Remscheid erhalten Sie in unserem Corona-Blog.

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