Immer auch auf der Seite der Opfer

Pfarrer Rainer Feistauer. Foto: Roland Keusch
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Pfarrer Rainer Feistauer.

Ein Geistlicher macht sich Gedanken

Von Rainer Feistauer Evangelischer Pfarrer an der JVA Remscheid

Das Geschehen in Afghanistan verstört mich. Die Gefühle fahren Achterbahn. Verzweiflung. Angst. Wut. Trauer. Lähmung. Tausend Fragen. Immer wieder sind Schuldzuweisungen zu hören ... aber helfen sie weiter?

Ich wünschte, die Welt wäre anders. Aber sie ist kein Wunschkonzert. Man sagt, es geht um Freiheit. Aber das fordern alle Seiten. Aber jede versteht darunter etwas anderes: Die Freiheit, die eigene Sache durchzuziehen. Wo bleibt da die Freiheit der anderen? Man sagt, es geht um Religion. Aber, geht es den Beteiligten wirklich um Gott – oder nur um ihre Macht? Wo kommt Gott wirklich vor? … Wo wird er denn wirklich sichtbar?

Zeitsprung. Auch damals war ein Krieg. Eine Großmacht hatte das Land erobert. Das Volk war zerrissen. Ich rede von Israel und den Römern zur Zeit Jesu. Auch damals gab es die Wünsche, wie die Welt zu sein hätte. Wie Gott das gefälligst machen sollte. Als Gott dann wirklich Gestalt annahm, in Jesus, da haben ihn viele nicht bemerkt. Weil er so ganz anders war. Als ihre Vorstellungen. Als sie selbst. Er hat nicht auf den Putz gehauen. Nicht die Bösen vernichtet. Keine Schuldzuweisungen ausgesprochen. Sondern die Schuld der anderen auf sich genommen. Wo war er damals? In der Not, am Kreuz, im Tod. An der Seite der Opfer. Selbst ein Opfer. Wo ist er heute? Auch da sehe ich ihn am Kreuz. Als eines der Opfer. Zwischen die Fronten geraten. Verraten und verkauft. Er leidet mit.

Der Apostel Paulus sagt, er will „nichts anderes kennen als Jesus Christus, und zwar Jesus Christus, den Gekreuzigten“ (Die Bibel, 1. Kor. 2,2) Anders kann ich nicht von Gott denken. Ich würde sonst das fürchterliche Leid nicht ernst nehmen.

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