Alt-Remscheid

Bezirksbürgermeister Otto Mähler: „Im Gespräch bleiben und nicht direkt abblocken“

Übt scharfe Kritik an den oft unsinnigen Anträgen der Parteien an die Verwaltung: Bezirksbürgermeister Otto Mähler.
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Übt scharfe Kritik an den oft unsinnigen Anträgen der Parteien an die Verwaltung: Bezirksbürgermeister Otto Mähler.

Bezirksbürgermeister Otto Mähler über die Aufgaben 2023 – Kritik am städtischen Umgang mit Investoren

Das Gespräch führte Andreas Weber

Wenn Sie auf 2022 zurückschauen, nehmen Sie Positives für Alt-Remscheid mit?

Otto Mähler: Ein Anfang ist gemacht mit sichtbaren Maßnahmen für die Innenstadt. Die Laternen und Bänke für die Alleestraße sind dabei der geringste Anteil. Der Revitalisierungsprozess wird vorangehen, wenn die komplexe Sanierungssatzung endlich greift. Der Abriss des SinnLeffers-Gebäude, der Durchstich von der Allee zum Ebert-Platz, der durch den Kauf des ehemaligen Metropol-Kinos möglich werden könnte, sind Maßnahmen, von denen die größte, die Umgestaltung des Ebert-Platzes deutlich Konturen annimmt. Die Fertigstellung des neuen Busbahnhofes Ende 2024, Anfang 2025 könnte deshalb gelingen.

Mit zeitlichen Prognosen sollte man in Remscheid jedoch vorsichtig sein.

Mähler: Vor unserem Gespräch habe ich mir die RGA-Interviews der Vorjahre zu Jahresbeginn angeschaut, und es waren stets dieselben Hoffnungen, die ich geäußert habe, die sich nicht erfüllten. Klar, Prozesse in Kommunen dauern länger als in der freien Wirtschaft, aber wenn Fördermittel fließen, muss nach der Öffentlichkeitsbeteiligung beherzt umgesetzt werden. Alles hier dauert viel zu lange. Als wir den Innenstadtprozess politisch angestoßen haben, dachte ich: Otto, vielleicht schaffst du es als Bezirksbürgermeister, etwas mit zu eröffnen, aber das habe ich mir von der Backe geputzt. Außer beim Friedrich-Ebert-Platz, das könnte bis zu den Kommunalwahlen 2025 klappen.

Auch am Hasten gibt es Baustellen. Das angedachte Neubaugebiet im Dreieck Hastener-/Richard-/Arturstraße hat Investor Michiel Ros entnervt aufgegeben. Gibt es noch Hoffnung?

Mähler: Viele Eigenheimbauer sind bundesweit in einer schwierigen Situation. Die Kosten sind enorm gestiegen, viele können sich ein Haus nicht mehr leisten. Aber in einer so hervorragenden Lage in Hasten müssen wir uns anstrengen, dieses Areal in städtischen Besitz zu bekommen. Deshalb habe ich nächste Woche ein Gespräch mit Baudezernent Peter Heinze und dem Hastener Eigentümer des Geländes. An der Stelle müssen wir eine ökologische Wohnbebauung hinbekommen. Denn es gibt noch Leute, die suchen und die Mittel haben. Wichtig ist, im Gespräch zu bleiben und nicht von vorneherein abzublocken, wie es die Stadtplanerin Christina Kutschaty bei Herrn Ros getan hat, mit dem Hinweis, dies sei eine Grünfläche. So etwas macht man nicht.

Auch beim Aldi gibt es Probleme. Der Umzug aus dem Tal in der Hammesberger Straße hoch an die Hastener Straße zum Gesundheitsamt hakt.

Mähler: Es ist ein Unding, dass man versucht, Aldi auf den letzten Metern Steine in den Weg zu legen. Denn diese Kombination Discounter mit Wohnbebauung darüber ist vom Rat längst verabschiedet. Soll es soweit gehen, bis Aldi sagt: Jetzt ist Schluss? Angeblich hat es mit dem Bewuchs zu tun, dass Aldi verpflichtet werden soll, Grünflächen anzulegen. Ich habe vor, dass in die Bezirksvertretung Alt-Remscheid und den Bauausschuss zu bringen und über die Gremien Druck aufzubauen. Dafür sind wir als Politiker da. Und nicht nur, um dämliche Anfragen zu stellen. Wenn ich sehe, mit welchem Unsinn die Parteien die Verwaltung manchmal konfrontieren, packe ich mich an den Kopf. Das kostet die Verwaltung Arbeitskraft und Zeit, ohne dass Produktives herauskommt.

Nennen Sie ein Beispiel?

Mähler: Dieses Jahr kommt das neue Verkehrskonzept in die Politik. Auf dem Tisch liegt der Antrag der Linke, sich der Städteinitiative Tempo 30 anzuschließen. Ich kann doch nicht alle Hauptdurchgangsstraßen auf Tempo 30 reduzieren. Das wäre Wahnsinn. Wir haben hier keine Unfallschwerpunkte. Nichts. Verkehrsberuhigung ja, aber soweit darf es nicht gehen.

Ein Aufreger in den vergangenen Wochen war der Ärger der Wochenmarkt-Beschicker in der Innenstadt über das unsensible Vorgehen der Stadt.

Mähler: Dieses Schreiben über eine kurzfristige Verlegung bei Schnee hat für viel Unruhe gesorgt. Ich möchte die Beschicker gerne in die Bezirksvertretung einladen und ihre Meinung hören. Wir müssen sie unterstützen. Der Wochenmarkt hat immer noch einen hohen Stellenwert, auch wenn sich das Einkaufsverhalten geändert hat. Wir dürfen nicht nur zugucken, dass die Händler immer weniger werden, die Attraktivität muss gesteigert werden.

Der Kremenholl ist eine vernachlässigte Ortslage. Seit Jahren wird dort die Verbesserung der Infrastruktur angemahnt, auch mit Blick auf das, was sich beim Nachbarn in Honsberg im positiven Sinne tut.

Mähler: Eine spannende, zentrale Immobilie wäre die ehemalige städtische Kita Paulstraße. Dort ist aber jetzt ein Möbellager drin. Ich habe gehört, dass die Stadt keine Pläne hat, dort etwas zu ändern. Wir dürfen bei all dem, was in der Innenstadt passiert, die Randbezirke nicht vergessen. Auch wenn „Echt Kremig“dort ehrenamtlich sehr viel tut, sind Stadt und Politik in der Pflicht, mehr zu machen.

2023 ist auch für Sie ein Jahr des Umbruchs.

Mähler: Das ist richtig. Meine Frau und ich werden umziehen. Wir werden unser Haus am Steinberg aufgeben müssen. Treppensteigen ist eine Qual geworden. Es geht gesundheitlich nicht mehr. Wir werden im Frühjahr die Weichen stellen und uns eine ebenerdige Wohnung suchen.

Zur Person

Otto Mähler, 76 Jahre, seit 16 Jahren pensioniert, davor fast 30 Jahre in Remscheid Polizeibeamter in der Verkehrserziehung. Seit 1970 ist der gebürtige Breckerfelder in der SPD, als Bezirksbürgermeister Alt-Remscheid ist er in seiner dritten und – aus Altersgründen – letzten Legislaturperiode.

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