Corona-Krise

Ignoranz lässt die Zahlen weiter steigen

Noch einmal traf sich der Stadtrat in seiner alten Besetzung – coronabedingt in der Sporthalle West. Foto: Roland Keusch
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Noch einmal traf sich der Stadtrat in seiner alten Besetzung – coronabedingt in der Sporthalle West.
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Rat diskutiert neue Hilfen für Einzelhändler und Gastronomen – Stadt kündigt ein Gesamtpaket an.

Von Axel Richter

Remscheid. Ein großes Mehrfamilienhaus in Remscheid: Ein Bewohner ist positiv auf Corona getestet. Und die anderen Bewohner? Kommen vorbei und wünschen Gute Besserung. Das gibt es doch nicht? Gibt es doch in Remscheid. Ebenso wie jenen Mann, der sein Auto zur Tüv-Prüfung kutschierte, nachdem das Gesundheitsamt ihn mit Sars-CoV-2 in häusliche Quarantäne geschickt hatte.

Die Beispiele von Ignoranz und Dummheit im Umgang mit der Corona-Pandemie schilderte Ordnungsdezernentin Barbara Reul-Nocke (CDU) dem RGA am Rande der Ratssitzung, die coronabedingt nicht im Rathaus, sondern in der Sporthalle West stattfand. Auch erklären die Beispiele ein Stück weit, warum die Infektionszahlen in Remscheid weiter steigen und das öffentliche Leben neuen Beschränkungen unterliegt. Die Zeche zahlen am Ende alle. Jene vor allem, die sich in ihrer übergroßen Zahl an die Regeln halten.

„Jetzt wird nicht das Buch gebraucht, in dem steht, was nicht geht.“

David Schichel, Grüne

Angesichts einer Infektionszahl pro 100 000 Einwohner, die am Freitag die Marke von 71,2 erreichte, kündigte die Ordnungsdezernentin ein konsequentes Vorgehen gegenüber Maskenverweigerern und Schlendrian an. Als Beispiel nannte sie jene drei Friseure, die ihren Laden in dieser Woche schließen mussten. Die Barbiere trugen keine Maske und die Liste ihrer Kunden zur Nachverfolgung der Infektionsketten hatten sie seit Wochen nicht geführt.

Andere Dienstleister, Einzelhändler und die Gastronomen halten sich penibel genau an die Regeln und müssen doch im kommenden Herbst umso mehr um ihre Existenz fürchten. Im Rat ergriffen deshalb die Grünen die Initiative.

Sie fordern: „Da viele Kundinnen und Kunden auch in den kommenden Monaten geschlossene Räume meiden werden, sollte es der Gastronomie und dem Einzelhandel in der Winterzeit erleichtert werden, ein Außengeschäft zu betreiben.“ Dazu solle die Stadt auf Gebühren verzichten, Gehwege, Parkplätze und Grünflächen als zusätzliche Flächen bereitstellen, die Sperrstunde für die Außengastronomie großzügig auslegen und auch die Sperrung von Straßen erlauben, zum Beispiel in der Lenneper Altstadt.

Die Verwaltung reagiert darauf mit Zurückhaltung. Sieben Gastronomen hätten im Sommer Anträge auf Außengastronomie gestellt. Die allermeisten habe das Ordnungsamt genehmigen können. Sperrungen würden jedoch einen starken Eingriff in den Straßenverkehr darstellen und eine verlängerte Sperrstunde hält die Ordnungsbehörde mit Blick auf die Anwohner von Gastrobetrieben nicht für geboten: „Beides sehen wir sehr kritisch“, sagte Reul-Nocke.

David Schichel, neuer Fraktionschef der Grünen im Rat, gibt sich damit nicht zufrieden. „Es geht jetzt nicht darum, mit dem großen Buch durch die Stadt zu ziehen, in dem steht, was alles nicht geht. Wir brauchen jetzt das große Buch, in dem steht, was geht. Wir müssen den Einzelhändlern und Gastronomen helfen, damit sie das nächste Frühjahr erleben.“ Rückenwind erhielt er dafür sowohl von der CDU als auch von der SPD.

21 000 Euro nimmt die Stadt an Gebühren für Außengastronomie ein. „Daran soll es nicht liegen“, hielt Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz (SPD) im Stadtrat fest. Wenn sich der neue Rat am 5. November zu seiner konstituierenden Sitzung trifft, will er den Politikern ein Gesamtpaket präsentieren, das den Händlern und Gastronomen im Winter das Überleben sichert. Hoffentlich, denn sie dürften finanziell wieder am meisten unter dem neu entfachten Infektionsgeschehen zu leiden haben.

Infektionslage

Das Robert-Koch-Institut (RKI) meldet eine weitere Verschärfung der Corona-Lage: Die Sieben-Tage-Inzidenz lag am Freitag bei 71,2 – und damit noch einmal deutlicher als bisher über der Maßnahmenschwelle von 50. Laut RKI liegt die Gesamtzahl der Infizierten derzeit bei 484 – das sind 49 mehr als noch am Montag dieser Woche. Zum Vergleich: Der Inzidenzwert in Solingen wird vom RKI aktuell mit 23,2 angegeben, der in Wuppertal mit 20,3.

In unserem Live-Blog finden Sie aktuelle Informationen zu Entwicklungen rund um das Coronavirus in Remscheid.

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