Meine erste Platte

„Ich habe immer zu den Beatles gestanden“

„Help“ war die erste Platte, die sich Gerhard Busch kaufte. Eigentlich war er mehr ein Fan von John Lennon als von den Beatles. Foto: Michael Schütz
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„Help“ war die erste Platte, die sich Gerhard Busch kaufte. Eigentlich war er mehr ein Fan von John Lennon als von den Beatles.

Gerhard Busch hörte das erste Mal in einem Plattenladen in Gronau von einer Band aus Liverpool.

Von Peter Klohs

Remscheid. Zu Musik hatte Gerhard Busch in seiner Jugend ein gespaltenes Verhältnis. Der 1950 in Coesfeld geborene und seit 1979 in Remscheid lebende Busch wurde durch seine Eltern, die zuweilen ganze Opern im Fernsehen ansahen, durch den Schulchor, in dem er eben nicht mitsingen durfte, und durch die Musik auf der Beerdigung seiner Großmutter musikalisch sozialisiert. „Ich war nie direkt involviert“, sagte er heute, „aber ich spürte sehr früh, dass mich die Musik generell ansprach. Und ich hatte damit recht, denn die großen Themen des Lebens spiegeln sich in der Musik wider.“

Bis er zu dieser Erkenntnis gelangte, sollten jedoch noch einige Jahre vergehen. Zunächst einmal besuchte er als Jugendlicher Konzerte der in Coesfeld „weltberühmten“ Band The Lightnings, die alle ihre Auftritte mit „Amapola“ von den Spotnicks begannen. „Und von da aus war der Weg zu den Beatles nicht mehr so weit“, weiß Busch zu berichten. „Ich glaube, ich hörte sie zuerst in einem Plattenladen in Gronau, in dem man die LPs vor dem Kauf über Kopfhörer anhören konnte. Ich habe sofort verstanden, dass die Beatles etwas Besonderes waren, dass sich da eine Band aufmachte, ihren eigenen Weg zu gehen. So ein Stück wie ‚I feel fine‘, das so einfach klingt, es aber nicht ist, das hat mich immer stark angesprochen.“ In diesem Laden kaufte er seine erste Platte: „Help“ von den Beatles.

Die Hinwendung zu den Pilzköpfen hatte bis zu deren Auflösung als Band Bestand. „Ich habe immer dazu gestanden“, weiß Gerhard Busch. „Und die Rivalitäten zwischen Beatles-Fans und solchen der Rolling Stones – die waren uns damals gar nicht so klar. Und wenn, wären sie mir egal gewesen.“ Eigentlich war Busch ein Fan von John Lennon, blieb es bis zu seiner Ermordung und darüber hinaus. „Die braven Sachen schrieb McCartney“, erzählt er, „,Yesterday‘ und ,Eleanor Rigby‘ und so, die verrückten Sachen schrieb Lennon. Ich sage nur ‚Strawberry fields forever‘. Nein, McCartney war mir einfach zu brav. Lennon hatte seinen eigenen Kopf, und das gefiel mir. Und ‚Imagine‘ ist doch wirklich eines der Lieder, die einen schönen Text mit ebensolcher Musik kongenial verbindet, oder nicht?“

In seiner Sammlung befinden sich zahlreiche Alben von Johnny Cash. „Das ist auch so ein Einzigartiger, der mich alleine durch sein Leben sehr beeindruckt hat. Aber auch die Musik finde ich toll. Der Auftritt Cashs in St. Quentin 1969, das war doch klasse. Ich war 19, die 68er-Bewegung war zu Gange und da kam ein Musiker daher, verband soziale Themen mit seiner Musik und ‚erzog‘ uns zu Verantwortung.“

Aber auch andere Musiker haben Spuren im Leben von Gerhard Busch hinterlassen. Solch unterschiedliche Musik wie den „Kriminal-Tango“ oder den „Konjunktur-Cha-Cha“, beides Titel von Hazy Osterwald, hat er immer gemocht. Andere Namen tauchen in unserem Gespräch immer wieder auf: Mark Knopfler, Herman van Veen, Konstantin Wecker, Leonard Cohen. Cohen? Warum Cohen?

Ich habe sofort verstanden, dass die Beatles etwas Besonderes waren, dass sich da eine Band aufmachte, ihren eigenen Weg zu gehen.

Gerhard Busch

„Die Einheit zwischen Text und Musik ist mir immer wichtig gewesen“, resümiert Busch. „Und Cohen kann solche Lieder schreiben, in denen das sehr gut funktioniert, gegen die man sich nicht wehren kann. Außerdem“, fügt er schmunzelnd hinzu, „habe ich nie einen Draht zu Bob Dylan gehabt.“ Zur Oper ebenso wenig („Ich kann meine Vorurteile der Oper gegenüber nicht ablegen.“), auch harter Rock ist nichts für ihn, und der „ganze Betrieb, der hinter dem deutschen Schlager steht“ ist ihm unheimlich, und er lehnt ihn ab.

Jazz dagegen kann er durchaus etwas abgewinnen: Wir reden über John Coltranes „Ballads“ und das Köln-Konzert von Keith Jarrett, die er beide mag. In seinem Arbeitszimmer hört er „als Hintergrund“ immer Musik, oft auf CD, aber „zwei- oder dreimal in der Woche höre ich mit dem Arbeiten auf und konzentriere mich ausschließlich auf die Musik.“

Zur Person

Gerhard Busch wurde 1950 im münsterländischen Coesfeld geboren. Schwarzhumorig sagt er heute: „Mein Vater war wahrscheinlich der erste Protestant, der da nicht verbrannt wurde.“ Busch schloss eine Lehre als Betriebsschlosser ab und wandte sich in den 80ern der Sozialarbeit zu. Heute ist er Vorsitzender der Stiftung Wilhelm-Paschmann-Haus, die sich um nichtsesshafte Männer mit einer Alkoholproblematik kümmert.

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