Mein Leben als Papa

„Ich glaube, diesen Tag werde ich nie mehr vergessen“

Papa und Sohn gemeinsam im Stadion: besondere Momente – für beide. Foto: gf
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Papa und Sohn gemeinsam im Stadion: besondere Momente – für beide.
  • Gunnar Freudenberg
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RGA-Redakteur Gunnar Freudenberg erzählt diesmal vom ersten Stadionbesuch mit seinem Sohn Hannes (6).

Der Sportplatz war ihm irgendwann nicht mehr groß genug. „Ich möchte so gerne mal ein Fußballspiel in einem echten Stadion sehen“, offenbarte mir Hannes nach dem Besuch irgendeines Bezirksliga-Spiels vor Wochen einen für mich mehr als verständlichen Wunsch. Ich guckte mir die Partie Leverkusen gegen Bochum aus. Weil Bochum nach Werder unsere zweitliebste Mannschaft und die BayArena eine gute Wahl für den ersten Stadionbesuch ist. Hannes war mehr als einverstanden. Mit seiner Vorfreude stiegen leider auch die Corona-Zahlen. Aber ihm dieses Erlebnis nach all den Entbehrungen in der Corona-Zeit nehmen, das wollte ich nicht.

Wir fahren früh los, damit wir dem Gedränge am Stadion entgehen. Ich schenke Hannes noch einen Spieltagsschal, auf dem unter dem Logo beider Vereine das Datum zu finden ist. Wird er mal so ein Nostalgiker wie ich, erfreut er sich in 35 Jahren auch so daran wie ich an meiner Werder-Fahne, die ich bei meinem ersten Stadionbesuch geschenkt bekam.

Geimpft, getestet und gespannt passieren wir die Einlasskontrolle. Block B 1. Nach ein paar Stufen hat Hannes zum ersten Mal freie Sicht auf das Spielfeld. An seinen Augen sehe ich, wie ehrfürchtig und ergriffen er ist – obwohl wirklich noch nicht viel los ist. Aber die Wassersprenger, die Anzeigetafeln und das Flutlicht sorgen zunächst einmal für genügend Gesprächsstoff. Trotzdem: Noch mehr als eine Stunde bis zum Anpfiff. Das kann sich ziehen.

Zum Glück trudeln immer mehr Bochum-Fans ein und singen sich schon warm. „Hurra, hurra, die Bochumer sind da!“ Hannes stimmt direkt mit ein. Er fühlt sich wohl hier und benimmt sich wie ein alter Hase: „Komm, wir holen uns ne Stadionwurst, Papa!“ Gute Idee.

Die Mannschaften wärmen sich auf. Wir sind ganz nah dran. Manuel Riemann, der Bochumer Torwart, winkt in unseren Block. „Der meinte mich“, glaubt Hannes erkannt zu haben. Es wird voller und lauter. Die Leverkusener Mannschaftsaufstellung wird durchgesagt. „VfL, VfL“, übertönen Hannes und der Bochumer Fanblock die Heimfans.
Alle Folgen von Mein Leben als Papa gibt es hier.

Das Spiel beginnt. Bochum trifft nach zwei Minuten den Pfosten. „Mist“, schreie ich. „Verdammt“, ruft Hannes. Dann geht Leverkusen in der 3. Minute mit 1:0 in Führung. Direkt vor unseren Augen. Hannes ärgert sich. Ich mich auch. Würde Werder da unten spielen, wäre ich jetzt auf 180. Vermutlich richtig, dass Hannes mich bei seinem ersten Stadionbesuch nicht so erlebt.

Es ist eine muntere Partie, Hannes ist immer auf Ballhöhe und feuert weiter mit an. Er hat aber auch Augen für das Maskottchen, die anderen Zuschauer und den Schiedsrichter. „Schiedsrichter, Telefon! Deine Mama wartet schon!“, ruft er und grinst. Ein schöner Kontrast zu manch anderen Fangesängen, die Hannes zum Glück nicht alle versteht. „Kann ich noch eine Wurst und Pommes?“, schickt er mich in der 60. Minute weg. Als ich zum Platz zurückkehre, beobachte ich ihn einige Zeit, wie er da alleine unter 22 538 Zuschauern sitzt und das Spiel aufmerksam verfolgt. Ich fühle mich zurückversetzt ins Jahr 1987. Mein erster Stadionbesuch. Auch in Leverkusen, damals noch im Ulrich-Haberland-Stadion. Mit meinem Vater und Großonkel Kurt. 3:1 für Werder.

Bochum verliert zwar 0:1, Hannes ist trotzdem glücklich. „Ich glaube, diesen Tag werde ich nie mehr vergessen“, sagt Hannes abends zu mir, kurz bevor er einschläft. Ich glaube und hoffe, er behält recht.

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